Rechtsruck verhindert: Präsident Lula gewinnt Stichwahl in Brasilien
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat nach vorläufigen Zahlen die Stichwahl gegen seinen rechten Herausforderer Flávio Bolsonaro gewonnen und sich damit eine weitere Amtszeit gesichert.
Der 80-Jährige lag nach Auszählung fast aller Stimmen mit 51,75 Prozent zu 48,25 Prozent uneinholbar vorn, wie das Oberste Wahlgericht mitteilte.
Den ersten Jubelschrei gab es um kurz nach 20 Uhr. In Minas Gerais, einem Bundesstaat nördlich von Rio de Janeiro, ging Luiz Inácio Lula da Silva bei der Stichwahl in Brasilien in Führung. Minas Gerais ist der größte „Swing State“ des Landes - wer hier gewinnt, wird für gewöhnlich Präsident.

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Die Lula-Anhänger, die am Sonntagabend zu Hunderten in einem linken Kulturzentrum in São Paulo zusammenkommen, wissen das genau. 20 Minuten später liegt Lula in der Gesamtauszählung leicht vorne, wie die Wahlbehörde mitteilt.
Wieder eine Stunde später steht fest: Er hat die Wahl gegen Flávio Bolsonaro gewonnen. Lula wird zum vierten Mal Brasiliens Präsident, und konnte dem Rechtsruck auf dem amerikanischen Kontinent damit Einhalt gebieten.
Die Wahl in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft galt als Richtungsentscheidung. „Freiheit, Hoffnung, Erleichterung“ - so beschreiben Elisangela Moreira, Taina Felix und Cintia Trombaioli, was ihnen Lulas Sieg bedeutet. Weinend liegen sie sich die Freundinnen in den Armen, nachdem das Ergebnis feststeht.
„Es war so schwierig für dieses Land, nach der Militärdiktatur die Demokratie zurückzugewinnen. Jetzt können wir erst mal durchatmen“, erzählt eine von ihnen. Die drei hatten große Angst, was ein Wahlsieg Flávio Bolsonaros für sie als Schwarze Frauen hätte bedeuten können.
Richter ordnete eine Verlängerung der Stimmabgabe an
Am Wahlabend war die Stimmabgabe wegen mutmaßlicher Behinderung von Wählern durch Einschränkung des öffentlichen Nahverkehrs um zwei Stunden verlängert worden - entsprechend begann auch die Stimmauszählung verspätet.
Der Richter am Obersten Gerichtshof Cristiano Zanin begründete die Verlängerung bis 19.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr MEZ) in einer Erklärung mit Problemen im Öffentlichen Nahverkehr. Er hob die „Schwere der Vorfälle“ hervor. Lula hatte seine Forderung nach einer Verlängerung der Stimmabgabe damit begründet, dass am Wahltag in mehreren Städten Busse aus dem Verkehr gezogen worden seien.
Auch Bolsonaro hatte sich für eine Verlängerung der Stimmabgabe ausgesprochen. Er verwies auf starke Regenfälle im Süden und Südosten Brasiliens, wo er besonders großen Rückhalt genießt. (mit Agenturen)