Stolperfalle Zara-Hose: Mode war schon immer gefährlich
Eine weit geschnittene Hose von Zara sorgt in den Sozialen Medien für einen viralen Aufreger. Erfahrungen mit der Satin-Hose werden dort bereits mit dem Hashtag #deadlyzarapants versehen. Tödlich sind die Hosen zum Glück nicht, doch zahlreiche Frauen berichten auf TikTok und Instagram von Stürzen, Schürfwunden und sogar Knochenbrüchen, was offenbar mit der extremen Weite des Beinkleids zusammenhängt. Trägerinnen sagen, beim Gehen verfange sich ein Fuß leicht im anderen Hosenbein - Stolpergefahr.
Ein Blick in die Geschichte der Mode zeigt: Es geht noch viel gefährlicher.
Giftige Farbe: Arsen-Kleider
Im 19. Jahrhundert waren grüne Kleider heiß begehrt. Bis dahin hatten die meisten Menschen vor allem gedeckte Erdfarben getragen, die auf natürliche Weise gewonnen wurden. Dann entdeckten Chemiker das leuchtend grüne Kupferarsenitacetat, welches ein bayrischer Unternehmer industriell vertrieb - und auch Textilfabriken damit belieferte. Ein spektakulärer Auftritt der französischen Kaiserin Eugénies bei einem Abendball in eben diesem "Schweinfurter Grün" ließ die Pariser Modewelt Kopf stehen und machte die Farbe zum großen Modetrend in Europa. Namentlich wurde aus dem deutschen "Schweinfurter Grün" schnell international das griffigere "Paris green".

Was zu Beginn zwar schon bekannt war, aber nicht beachtet wurde: Das Grün war extrem giftig und wurde auch als Ratten- und Insektengift eingesetzt (daher auch der Begriff "giftgrün"). Gerieten Frauen, die in diesen Kleidern tanzten, ins Schwitzen, dann löste sich das Gift aus den Kleidern. Das hatte schmerzhafte Hautgeschwüre, Haarausfall, Übelkeit und schleichende chronische Vergiftungen zur Folge. Dazu entwich das Pulver in die Luft. Genaue Todeszahlen gibt es nicht, doch ein Berliner Arzt wies nach, dass sich pro Ballabend etwa 4 Gramm feiner Arsenstaub aus dem Kleid lösten und unbemerkt in die Luft gewirbelt wurden - bei Verschlucken genug, um etwa 20 Menschen zu töten.
Unpraktisch und leicht entflammbar: Reifröcke
Ebenfalls im 19. Jahrhundert waren Krinolinen sehr populär: riesige, ausladende Unterrröcke aus Stahl und Rosshaar, die nicht nur extrem unpraktisch waren, wenn eine Frau sich bewegen wollte, sondern sich auch als tödliche Gefahr entpuppten.

Kamen die Reifröcke mit Kerzen oder Kaminfeuer in Kontakt, konnten sie leicht Feuer fangen und brannten im Nu lichterloh. Da ihre Trägerinnen sich nicht allein aus dem Rock befreien konnten, wurden sie zur tödlichen Falle. Historiker gehen davon aus, dass Krinolinenbrände allein in Großbritannien in den späten 1850er- und 1860er-Jahren mehrere Tausend Frauen das Leben kostete.
Ohnmachtsanfälle inklusive: Korsetts
Korsetts sind längst wieder - oder noch immer - angesagt: Stars wie Taylor Swift, Billie Eilish und Kim Kardashian sind der lebende Beweis dafür. Seit Jahrhunderten tragen Frauen eng geschnürte Mieder, die ihre Taille betonen und auch formen sollen. Die schmale Taille verhieß Jugend, das betonte Becken Gebärfähigkeit. Im 19. Jahrhundert wurde diese Formung mit dem "Tight-Lacing" (dt. Engschnüren) phasenweise sehr extrem verfolgt: Mithilfe von starren Korsettstangen aus Fischbein oder Stahl wurden die Körper junger Frauen Zentimeter für Zentimeter zusammengeschnürt.

Das aber konnte erhebliche gesundheitliche Folgen haben. Durch den immensen Druck des Korsetts verformten sich mitunter die unteren Rippen, die innere Organe wurden zusammengedrückt. Zeitgenössische Ärzte berichteten von immensen Verdauungsbeschwerden, weil Magen und Darm unter Druck gerieten. Gleichzeitig schränkte ein sehr eng geschnürtes Korsett die Beweglichkeit des Brustkorbs ein, sodass die Atmung flacher ausfiel. Schwindel und Ohnmachtsanfälle galten deshalb als typische Begleiterscheinungen. Zudem vermuten Historiker und Mediziner, dass das dauerhafte Tragen stark stützender Korsetts die Rumpfmuskulatur schwächen konnte - sie wurde ja nicht mehr gebraucht.