Straßenausbau an der Mosel: Enorme Kosten für acht Anwohner: Streit um Erschließungsbeiträge in Piesport

Straßenausbau an der Mosel Enorme Kosten für acht Anwohner: Streit um Erschließungsbeiträge in Piesport

Piesport · Die Ortsgemeinde Piesport plant den erstmaligen Ausbau der Straße „In der Grev“ im Neubaugebiet. Kosten: rund 477.000 Euro netto. Davon müssen die acht Anwohner 90 Prozent selbst tragen. Die Kritik wächst.

20.08.2026 , 07:14 Uhr

Auf Anwohner in Piesport könnten hohe Kosten für den Straßenausbau zukommen. Archivfoto: dpa

Foto: Stefan Sauer/dpa/Stefan Sauer

Fast eine halbe Million Euro netto für gerade einmal 200 Meter Straße: Die geplante Erschließung der Straße „In der Grev“ sorgt in Piesport für große Unruhe unter den Betroffenen.

Da es sich um eine erstmalige Herstellung der Straße handelt, soll die Ortsgemeinde lediglich zehn Prozent der Kosten tragen. Die restlichen 90 Prozent werden auf die Eigentümer der anliegenden Grundstücke umgelegt. Bei nur acht betroffenen Parteien geht das für den Einzelnen mit voraussichtlich mehreren zehntausend Euro tief in den Geldbeutel.

Thema erneut auf Gemeinderatssitzung

Schon am Donnerstagabend, 20. August, soll der Ortsgemeinderat Piesport in seiner öffentlichen Sitzung den Grundsatzbeschluss für die Maßnahme fassen. Es ist nicht das erste Mal, dass dieser Beschluss auf der Tagesordnung des Gemeinderates steht.

Wie Leo Wächter, Bürgermeister der Verbandsgemeinde betont, stand das Thema auch schon am 12. März auf der Tagesordnung, wurde aber verschoben. Aus seiner Sicht sei daher Zeit genug gewesen, mit den Anliegern ins Gespräch zu gehen. Er selbst habe in der damaligen Sitzung darauf hingewiesen. Bislang führe eine geschotterte Piste zu den Häusern und tatsächlich sei der Anstoß, diesen Zustand zu verbessern, von den Anliegern gekommen. „Insofern hat die Gemeinde richtig und konform gehandelt“, stellt Wächter fest.

Daher handle es sich nun um eine Ersterschließung der Grundstücke, die im Gegensatz zu Straßensanierungen nicht über die wiederkehrenden Beiträge finanziert werden könne (siehe Info).

Bei den Anliegern stößt das Vorhaben auf Unverständnis. Eine Betroffene, die anonym bleiben möchte, wandte sich an unsere Redaktion: „Ich habe das Geld schlichtweg nicht. Das sind enorme Summen, die hier auf uns zukommen.“ Besonders kritisiert die Anwohnerin die fehlende Kommunikation im Vorfeld. Es habe im Vorfeld keinerlei Informationen für die Betroffenen gegeben.

Laut der Sitzungsvorlage der Sitzung, die öffentlich im Ratsinfosystem einzusehen ist, beläuft sich die vorläufige Kostenschätzung für die Straßenbauarbeiten auf rund 477.310 Euro netto. Zuzüglich fallen für die Verbandsgemeindewerke Arbeiten an der Wasserversorgung (rund 80.000 Euro netto) und der Erneuerung von Kanaldeckeln (rund 20.000 Euro netto) an.

Bürgermeister betont: Nur grobe Schätzungen

Ortsbürgermeister Ewald Meuren möchte der Ratsentscheidung am Donnerstagabend nicht vorgreifen, betont jedoch auf Anfrage unserer Redaktion, dass die genannte Summe bisher lediglich eine „grobe Größenordnung“ darstelle. Wie belastbar die Zahlen sind, könne erst im weiteren Verfahren durch eine detaillierte Planung ermittelt werden.

Sollte der Rat dem Ausbau grundsätzlich zustimmen, werden die weiteren Schritte nach Vorlage der Planungsunterlagen gemeinsam mit den Anliegern, dem Planer und der Verwaltung beraten, so Meuren. „Im weiteren Planungsprozess wird sich auch zeigen, in welchem Umfang durch eine entsprechende Ausgestaltung des Ausbaus gegebenenfalls Kosten eingespart werden können“, erklärt der Ortsbürgermeister. Auch die finanzielle Belastung der Anwohner werde bei den finalen Entscheidungen des Rates ein wesentlicher Aspekt sein.

In der Sitzungsvorlage wird betont, dass die Ausbauplanung auf das „notwendige Maß“ beschränkt werden soll, um unnötige Kostensteigerungen für die Beitragszahler zu vermeiden. Nach dem geplanten Grundsatzbeschluss am Donnerstag ist vorgesehen, die Planungsleistungen im Jahr 2027 auszuschreiben. Die tatsächliche bauliche Umsetzung der Erschließung ist erst für das Jahr 2028 terminiert.

Die öffentliche Sitzung des Gemeinderates Piesport ist am Donnerstag, 20. August, 18.15 Uhr, im Bürgerhaus.