Straßenbahn in Essen und Ratingen: Irre Werbekampagne gestoppt, aber Kosten bleiben geheim
Stand: 03.10.2026, 18:00 Uhr
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Nach fast zwei Jahren Sperrung sollte eine Kampagne Pendler in die S-Bahn zurückholen. Doch Ausfälle und volle Züge machten den Neustart holprig – und wie teuer die Werbeaktion war, bleibt geheim.
Hamm – Wer fast zwei Jahre auf die gewohnte S-Bahn-Verbindung verzichten musste, braucht eigentlich keine Erinnerung daran, dass sie wieder fährt. Trotzdem ließ der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) die Botschaft „Die S 6 fährt wieder“ auf Plakaten und online verbreiten. Der Haken: Für viele Pendler wurde der Neustart zum nächsten Geduldstest.

Der betroffene Abschnitt der S 6 bei Ratingen-Hösel war seit Januar 2024 nach einem Hangrutsch gesperrt. Laut Deutscher Bahn war der Schienenoberbau auf rund 400 Metern zerstört. Am 14. Dezember 2025 startete der durchgehende Betrieb – sechs Monate früher als geplant, teilte die Bahn mit. Damit endeten Umwege und Schienenersatzverkehr, die den Alltag vieler Fahrgäste geprägt hatten.
Irre Werbekampagne gestoppt, aber Kosten bleiben geheim – Steuerzahler üben Kritik
Die Kampagne sollte Menschen, die aufs Auto umgestiegen waren, zurück in die Bahn holen. Geplant war sie in Essen und Ratingen bis Ende Januar. Doch der Neustart lief nicht wie auf dem Plakat: Im Januar gab es laut dem Bund der Steuerzahler an Weichen und Stellwerken, Verspätungen und zeitweise wieder Ersatzbusse. Zudem fuhr auf der Strecke Essen–Düsseldorf über Duisburg ab dem 9. Januar vier Wochen lang kein Regionalexpress. Die S 6 war dadurch besonders voll.
Ausgerechnet in dieser Lage warb der VRR für eine Bahn, die nicht verlässlich fuhr. Am 19. Januar stoppte er die Kampagne vorzeitig. In der Endabrechnung seien deshalb 76 Prozent der geplanten Kosten abgerechnet worden, erklärte der VRR laut Bund der Steuerzahler NRW. Den konkreten Betrag nannte er nicht. Eine Offenlegung würde die wirtschaftliche Marktposition des VRR erheblich beeinträchtigen, lautete die Begründung.
Der Bund der Steuerzahler (BdSt) hält die Werbung für entbehrlich: Auch Bahnhöfe, Medien und Apps hätten über die Wiedereröffnung informiert. Der Einwand sitzt – denn im Nahverkehr ist die beste Kampagne ein Zug, der fährt. Genau deshalb landete die Kampagne im sogenannten Schwarzbuch.
Das Schwarzbuch „Die öffentliche Verschwendung“ erscheint jährlich beim Bund der Steuerzahler. Die Ausgabe 2026/27 stellt nach Angaben des Verbands 100 ausgewählte Fälle aus Deutschland vor, in denen Steuergeld aus Sicht des BdSt verschwendet wurde.