Straffe Gesichtskonturen: Gesichtsformungsbänder: Was bringen sie wirklich?
Straffe Gesichtskonturen Gesichtsformungsbänder: Was bringen sie wirklich?
Köln/ Berlin · Stars wie Kim Kardashian haben sie bekannt gemacht: Gesichtsformungsbänder als Beauty-Produkte für zu Hause. Sie sollen die Haut straffen und das Doppelkinn reduzieren. Aber funktioniert das?
29.07.2026 , 06:23 Uhr
Gesichtsformungsbänder sollen die Haut straffen, das Doppelkinn reduzieren und die Kieferpartie definieren.
Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Gesichtsformungsbänder umschließen die Konturen des Gesichtes. Die Kopfbandagen werden oft mit einem Klettverschluss oder Klebestreifen befestigt. In der Regel sind sie mehrfach verwendbar.
Bekannt geworden sind solche Bänder unter anderem durch Stars wie Kim Kardashian. Die Bänder kann man Zuhause etwa beim Fernsehen oder Bügeln tragen. Bei den meisten Produkten wird empfohlen, sie zwischen einer halben und maximal einer Stunde zu tragen.
Solche Gesichtsformungsbänder sollen die Haut straffen, das Doppelkinn reduzieren und die Kieferpartie definieren - soweit die Versprechen der Kosmetikindustrie. Doch wie sinnvoll sind diese Beauty-Produkte wirklich? Zwei Dermatologinnen geben eine Einschätzung dazu.
Was bringen Gesichtsformungsbänder?
„Gesichtsformungsbänder können die Haut und das darunterliegende Gewebe vorübergehend komprimieren“, erklärt Uta Schlossberger, Fachärztin für Dermatologie mit einer Praxis in Köln. Direkt nach dem Tragen könne dadurch das Gesicht kurzfristig etwas straffer oder definierter erscheinen. „Eine nachhaltige Straffung der Haut oder eine Reduktion eines Doppelkinns erreichen diese Produkte jedoch nicht“, so Schlossberger.
Meike Schröder, Fachärztin für Dermatologie mit einer Praxis in Berlin, erklärt, warum der Effekt nicht anhält: „Gibt es Wasserablagerungen im Gesicht, kann so ein Gesichtsformungsband diese kurzfristig verschieben. Das kann man sich vorstellen, wie bei einer Schwellung. Wenn man diese eindrückt, wird die Lymphflüssigkeit kurzfristig verschoben und es gibt eine Delle.“
Auch wenn so ein Gesichtsformungsband Vorteile bringen kann - etwa, dass die Anwendung nicht invasiv sowie vergleichsweise kostengünstig und einfach ist, handelt es sich Schlossberger dabei zufolge eben nur um einen kurzfristigen optischen Straffungseffekt.
Die Bänder - beziehungsweise die Werbeversprechen dazu - könnten also unrealistische Erwartungen wecken. „Wissenschaftliche Belege dafür, dass Gesichtsformungsbänder langfristig etwas bringen, gibt es bislang nicht“, sagt Meike Schröder.
Bei empfindlicher Haut könnten die Bänder Schlossberger zufolge sogar Druckstellen oder Reizungen und damit Ekzeme verursachen. Auch Kontaktallergien seien möglich.
Was hilft stattdessen bei einem Doppelkinn?
Wen sein Doppelkinn stört, der findet andere Behandlungsmöglichkeiten. Was die wirksamste Maßnahme ist, hängt Schlossberger zufolge auch von der Ursache für das Doppelkinn ab.
„Ein Grund kann zu viel Fettgewebe unter dem Kinn sein“, sagt Schröder. Dann könne es unter Umständen helfen, das Gewicht zu reduzieren. „Allerdings gibt es Menschen, die abnehmen, und trotzdem haben sie noch Fettpolster unter dem Kinn“, sagt Schröder.
Und dann? „Dermatologen können neben Fettabsaugen, dann minimalinvasiv arbeiten und Fettspritzen einsetzen. Bei der sogenannten Injektionslipolyse werden über kleine Injektionen in die Haut die Fettzellen im Kinn aufgelöst“, erklärt Schröder, die auch Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen ist.
Als mögliche Risiken zählt die Fachärztin etwa vorübergehende Schwellungen und Rötungen der Haut auf sowie in seltenen Fällen auch blaue Flecke oder allergische Reaktionen. Daher sollte man sich zu solchen Behandlungsmethoden und möglichen Risiken ausführlich von einem Dermatologen oder einer Dermatologin beraten lassen, rät sie.
Welche Ursachen gibt es noch für ein Doppelkinn?
Auch eine anatomische Veranlagung ist eine mögliche Ursache für ein Doppelkinn. „Wenn der Kieferknochen leicht schräg nach vorn gewachsen ist, zeigt sich auch schon bei jungen Menschen ein Doppelkinn“, so Schröder. Behandlungsmöglichkeiten bei ausgeprägten Befunden sind etwa eine operative Hals- und Gesichtsstraffung.
„Im Alter entsteht ein Doppelkinn hingegen oft, weil die Bänder am Kinn oder die Haut erschlaffen“, erklärt Schröder. Da gebe es minimalinvasive Behandlungen: „Geht es um schlaffe Bänder im Gesicht, können Dermatologen etwa im Unterhautgewebe Fäden einziehen, die sich mit der Zeit selbst auflösen.“ So eine Behandlung hält ihr Schröder meist etwa ein Jahr. Auch hier sollte man sich vorab ausführlich zu möglichen Risiken beraten lassen.
Tipp: Wer vorbeugen will, kann es Schröder zufolge mit Gesichtsyoga probieren. Das kann helfen, die Gesichtsmuskeln zu stärken.
Und was hilft, wenn die Haut im Gesicht schlaffer wird?
Im Laufe des Alters verliert die Haut zudem an Spannkraft - auch dadurch können die Gesichtskonturen schlaff wirken. „Die Hautalterung entsteht durch den Abbau von Kollagen und Elastin, Volumenverlust sowie das Absinken tieferer Gewebestrukturen“, erklärt Schlossberger.
Solche Prozesse lassen sich ihr zufolge aber nicht durch ein Gesichtsformungsband dauerhaft beeinflussen. Denn: „Aus dermatologischer Sicht handelt es sich eher um einen temporären kosmetischen Effekt als um eine echte Behandlung“, so Schlossberger.
Wie kann man vorbeugen?
Cremes oder ein Serum können helfen, dass die Haut möglichst lange straff bleibt. „Es ist wissenschaftlich belegt, dass einige Wirkstoffe gegen Hautfalten helfen“, sagt Schröder. Dazu gehören ihr zufolge unter anderem Retinoide - also Vitamin A Derivate, Antioxidantien, Hyaluronsäure und Phenole. Zudem gebe es Cremes mit Botox-ähnlicher Wirkung. „Diese Cremes enthalten Neuropeptide Argireline und wirken von außen - müssen also nicht per Spritze verabreicht werden“, erklärt Schröder.
Seiner Haut kann man noch auf eine andere Weise etwas Gutes tun: „Sonnenschutz ist ein wichtiges Anti-Aging-Mittel. Die Sonne ist einer der Hauptfaktoren, der Haut durch die Entstehung freier Radikale altern lässt - mal abgesehen von dem Hautkrebsrisiko“, so Schröder. Daher sagt die Fachärztin: „Je besser man sich vor der Sonne schützt, umso weniger Falten bekommt man.“
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