Strecke, Rennfeeling, Ausstattung: Was kann die neue Kartbahn in Vellmar?

Stand: 18.07.2026, 06:04 Uhr

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Wie gut ist die neue Kartbahn in Vellmar wirklich?Drei Formel-1-Fans aus den HNA-Redaktionen testen die StreckeFoto: Schachtschneider

Testen die neue Kartbahn in Vellmar: die HNA-Redakteure (von links) Clara Pinto, Fabian Diekmann und Jan Trieselmann – natürlich passend in Fankleidung ihrer Lieblingsteams und -fahrer. © Schachtschneider, Dieter/Dieter Schachtschneider

An der Berliner Straße in Vellmar hat eine neue Indoor-Kartbahn eröffnet. Die HNA hat die 360 Meter lange Strecke getestet.

Vellmar – Startampel auf Grün. Drei Karts schießen mit lautem Knattern Richtung Kurve eins. Für einen kurzen Moment fühlt sich die neue 360 Meter lange Indoor-Kartbahn an der Berliner Straße in Vellmar an wie die Formel-1-Strecke in Monaco – nur, dass statt röhrender Rennmotoren eher kräftige Rasenmäher den Takt vorgeben. Fabian „Hamilton“ Diekmann, Jan „Vettel“ Trieselmann und Clara „Verstappen“ Pinto gehen für die HNA auf Zeitenjagd. Die Mission: Herausfinden, ob Nordhessens neueste Kartbahn die Ideallinie trifft.

Bevor die Jagd nach der schnellsten Runde beginnen kann, heißt es allerdings erst einmal: Sturmhaube auf, Helm aussuchen und aufmerksam zuhören. „Gas und Bremse niemals gleichzeitig treten“, mahnt Betreiber Boris Sauerwald bei der Einweisung. Klingt selbstverständlich – spätestens nach den ersten Metern wird klar, warum dieser Satz zum Pflichtprogramm gehört. Denn Gas- und Bremspedal reagieren nicht immer so direkt, wie man es erwarten würde.

Ganz ohne Startschwierigkeiten läuft die Premiere dann doch nicht. Einer der Reifen verliert Luft und sorgt für eine kurze Boxenpause. Wenige Sekunden später ist das Problem behoben und der Reifen ist bombenfest. Kein Safety-Car nötig – die Ampel springt auf Grün.

Die ersten Kurven nehmen die drei Testfahrer noch vorsichtig. Die Strecke ist neu, der Grip noch überschaubar, der Boden stellenweise überraschend rutschig und die Ideallinie muss erst gefunden werden. Doch lange hält die Zurückhaltung nicht. Schon nach wenigen Metern kennt das Gaspedal eigentlich nur noch zwei Zustände: Vollgas oder Vollgas.

Vettel und Verstappen setzen sich früh an die Spitze. Der etwas schwerere Hamilton muss zunächst etwas abreißen lassen, bleibt den beiden aber dicht im Windschatten. Besonders die erste Schikane lädt dazu ein, immer etwas später zu bremsen. Im kurvigen ersten Abschnitt ist ohnehin Millimeterarbeit gefragt. Wer hier zu spät bremst, verliert Schwung – oder gleich eine Position.

Erst auf der längeren Geraden im Start-Ziel-Bereich bietet sich die beste Gelegenheit, das Kart voll ausbeschleunigen zu lassen. Hier bietet sich auch die erste echte Überholchance – ein bisschen wie auf dem Circuit de Monaco. Vettel setzt innen an, bleibt spät auf der Bremse und schiebt sich in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit an Verstappen vorbei. Die Führung wechselt, während Hamilton Stoßstange an Stoßstange folgt und auf den nächsten Fehler lauert.

Fokussiert im Duell sind die Fahrer vor allem im Start- und Zielbereich der Strecke im ehemaligen Hammer-Markt.

Fokussiert im Duell sind die Fahrer vor allem im Start- und Zielbereich der Strecke im ehemaligen Hammer-Markt. © Dieter Schachtschneider

Die Reifen singen in jeder Kurve ihr eigenes Lied. Mal wird der Gegner leicht geschnitten, mal die Kurve selbst. Und wieder kommt das Monte-Carlo-Feeling auf: Präzision ist hier alles – besonders in der letzten Kurve vor Start und Ziel, denn dort entscheidet sich, mit wie viel Tempo es auf die Gerade geht.

Mitten im Rennen winkt plötzlich Betreiber Boris Sauerwald energisch mit der blauen Flagge. Die Botschaft ist eindeutig: Schnellere Fahrer vorbeilassen. Also kurz vom Gas, weit nach außen, und schon geht die Jagd weiter – diesmal mit Hamilton an der Spitze. Eine Runde dauert rund 40 Sekunden. Genug Zeit, um sich kurz zu sortieren, bevor die nächste Attacke startet.

Nach zehn Minuten fällt die Zielflagge. Vettel schießt als Erster über die Ziellinie, dicht gefolgt von Hamilton und Verstappen. Verschwitzte Gesichter, breites Grinsen und leicht schmerzende Unterarme später steht fest: Die neue Kartbahn macht Spaß – auch, wenn sie vielleicht nicht in allen Bereichen die Pole-Position erreicht.

Wo die Kartbahn überzeugt – und wo nicht

Kann die neue Kartbahn in Vellmar punkten? Die wichtigsten Kategorien in Kürze:

Das Streckenlayout

Die Halle ist nicht besonders groß. Trotzdem haben die Betreiber viel aus den Platzverhältnissen herausgeholt. Das Layout erinnert stark an die frühere Kartbahn in Kassel-Waldau – kein Zufall, denn große Teile der Strecke wurden übernommen. Die erste Schikane fährt sich flüssig, die Haarnadelkurven verlangen Präzision. Besonders die letzte Kurve macht Spaß, weil sie auf die lange Start-Ziel-Gerade führt. Zusätzlichen Nervenkitzel bringt der stellenweise rutschige Boden.

Das Rennfeeling

Formel-1-Sound gibt es nicht – die Motoren erinnern eher an Gartengeräte. Trotzdem kommt Fahrspaß auf. Überholen ist möglich, verlangt aber eine gute Vorbereitung. Die staubige, leicht neblige Halle wirkt zwar etwas rustikal, sorgt aber gleichzeitig für echtes Kartbahn-Flair.

Die Ausrüstung

Die Karts lassen sich insgesamt gut fahren, auch wenn Gas- und Bremspedal etwas direkter reagieren könnten. Sitze und Helme haben schon einige Jahre hinter sich, erfüllen ihren Zweck aber. Dank Sitzerhöhung und verstellbarer Pedale finden auch Kinder und – überraschend problemlos – größere Fahrer Platz.

Die Boxengasse

Anmeldung und Bezahlung laufen unkompliziert per Terminal und Kundenkarte. Wartezeiten bleiben meistens kurz. Nach dem Rennen stehen neben Sitzgelegenheiten auch Billard, Darts, Kicker und ein Flipper bereit. Eine Küche fehlt noch, deshalb gibt es kein Essen – das soll sich aber perspektivisch ändern. Getränke mit und ohne Alkohol werden schon verkauft.

Der Preis

17 Euro kostet eine zehnminütige Fahrt, hinzu kommen einmalig drei Euro für die Sturmhaube und zwei Euro für die Kundenkarte. Kinder dürfen ab acht Jahren mit Junior-Lizenz fahren. Bis zu zehn Karts sind gleichzeitig auf der Strecke, Gruppen können die Bahn komplett mieten (400 bis 600 Euro). Preislich liegt das Angebot im üblichen Rahmen – Kartfahren bleibt aber insgesamt ein eher kostspieliges Hobby.

Das Fazit

Die Kartbahn hat noch Luft nach oben – vor allem bei Ausstattung und Ambiente. Auf der Strecke überzeugen aber das gelungene Layout, die Kurven und die fairen Überholmöglichkeiten. Wer einmal gefahren ist, hat schnell Lust auf die nächste Runde.