Streit hinter den Kulissen, Emmy-Eklat, Absetzung: Die bewegte Geschichte von „Brothers & Sisters“
Stand: 24.09.2026, 18:16 Uhr
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Vor 20 Jahren startete „Brothers & Sisters“ bei ABC. Ein Rückblick auf Familienchaos, eine zensierte Emmy-Rede und ein Finale, das nie kam.
Am 24. September 2006 lief beim US-Network ABC die erste Folge der Familien-Dramaserie „Brothers & Sisters“. Die Saga über den Walker-Clan aus Kalifornien startete direkt nach dem Staffel-Auftakt von „Desperate Housewives“, den an diesem Abend 24,09 Millionen Menschen sahen. Fünf Staffeln und 109 Episoden später war Schluss, ein richtiges Finale gab es nie. Heute feiert die Serie ihren 20. Geburtstag. Was ist eigentlich geblieben von Nora Walker und ihren fünf erwachsenen Kindern?
Holpriger Start hinter den Kulissen
Erdacht hat die Serie der Dramatiker Jon Robin Baitz, der bis dahin vor allem für das Theater schrieb. Noch vor dem Start knirschte es gewaltig im Gebälk. Marti Noxon, bekannt als Autorin von „Buffy the Vampire Slayer“ und „Point Pleasant“, verließ die Produktion nach einem Streit über die künstlerische Ausrichtung der Serie. Im Laufe der ersten Staffel übernahmen schließlich Greg Berlanti und Ken Olin als Showrunner das Ruder. Produziert wurde bei Touchstone Television. Die Serie erbte zudem den begehrten Sonntagsplatz um 22 Uhr von „Grey's Anatomy“.
Die Walkers und ihr Familienchaos
Gleich im Pilotfilm stirbt Familienoberhaupt William Walker, gespielt von Tom Skerritt. Zurück bleiben seine Witwe Nora Walker, fünf erwachsene Kinder, eine Firma mit Geldsorgen und eine heimliche Geliebte namens Holly, gespielt von Patricia Wettig. Sally Field spielte die Matriarchin, Rachel Griffiths und Calista Flockhart ihre Töchter Sarah und Kitty. Balthazar Getty, Matthew Rhys und Dave Annable gaben die Brüder Tommy, Kevin und Justin. Dazu kamen Ron Rifkin als Onkel Saul und später Emily VanCamp als Halbschwester Rebecca. Die gemeinsamen Abendessen endeten zuverlässig im Streit.
Kevin und Scotty
Die wichtigste Figur der Serie war womöglich Kevin Walker. Der schwule Anwalt war kein Nebenschauplatz und keine Problemfigur. Die Autoren verzichteten auf das übliche Coming-out-Drama und erzählten seine Beziehung zu Scotty, gespielt von Luke Macfarlane, genauso wie die Ehen seiner Geschwister. Es gab Küsse, Bettszenen und in der dritten Staffel eine Hochzeit. Bei den US-Broadcastern von 2006 war das alles andere als selbstverständlich. Die GLAAD zeichnete die Serie von 2007 bis 2010 viermal in Folge als beste Dramaserie aus.
Sally Fields Emmy-Rede und die Zensur
Anno 2007 gewann Sally Field für ihre Rolle den Emmy als beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie. In die Fernsehgeschichte ging allerdings ihre Dankesrede ein und zwar, weil sie niemand zu Ende hören durfte. Field sprach über Mütter, deren Kinder im Irak und in Afghanistan kämpften. Beim Satz „If mothers ruled the world, there wouldn't be any goddamn wars in the first place“ kappte der übertragende Sender FOX den Ton. Die Zensur löste in den USA eine breite Debatte über Meinungsfreiheit und politisch engagierte Stars aus. Field selbst ließ sich davon aber nicht beirren.
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Das abrupte Ende nach fünf Staffeln
Mit den Jahren sanken die Quoten, während die Zahl der Figuren stetig wuchs. Rob Lowe kam als Senator Robert McCallister und Ehemann von Kitty dazu, Rachel Griffiths und Calista Flockhart waren am Ende nur noch sporadisch dabei. Am 13. Mai 2011 zog ABC dann den Stecker, die Serie war offiziell cancelled. Die Autoren hatten keine Gelegenheit mehr, die Geschichte sauber abzuschließen. Dave Annable spricht bis heute von einem Loch im Herzen. Er wünscht sich zumindest ein Wiedersehen, gern als Weihnachts-Special.
„Brothers & Sisters“ in Deutschland
Hierzulande startete die Serie am 28. März 2007 im Pay-TV bei Premiere Serie. Das Free-TV-Debüt folgte am 5. September 2007 bei ProSieben, später wurde sixx zur festen Heimat der Walkers. Einen deutschen Titel sparte man sich, es blieb beim Original. Die Synchronisation entstand in Berlin bei Cinephon, das Dialogbuch schrieb Regina Kette, Regie führte Martin Schmitz. Nora Walker wurde von Cornelia Meinhardt gesprochen, Kevin bekam die Stimme von Markus Pfeiffer. Daniela Hoffmann war als Kitty zu hören.
Was aus dem Ensemble wurde
Matthew Rhys holte als KGB-Spion in „The Americans“ 2018 selbst einen Emmy. Emily VanCamp bekam hingegen mit „Revenge“ ihre eigene ABC-Hauptrolle, Calista Flockhart spielte in „Supergirl“ die Medienchefin Cat Grant. Rob Lowe führte zum Beispiel fünf Staffeln lang „9-1-1: Lone Star“ an, Luke Macfarlane wurde gar zum Dauergast in Weihnachtsfilmen. Und Sally Field? Die gewann vor wenigen Tagen mit 79 Jahren ihren vierten Emmy für den Netflix-Film „Das Gluck hat acht Arme“. In ihrer Rede bei der Emmy-Verleihung 2026 kritisierte sie die geplante Fusion von Paramount und Warner Bros. Discovery.
Ein Reboot oder Spin-off ist derzeit nicht in Arbeit. Wer die Walkers wiedersehen möchte, findet daher alle fünf Staffeln im Abo beim Streamingdienst Disney+. Zwanzig Jahre später wirkt die Serie in manchen Punkten weiterhin moderner als viele ihrer Nachfolger.
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