„War auch die Haltung der Nazis“: Streit um Linke in Berlin eskaliert – Gysi geht auf Merz los
Stand: 24.09.2026, 20:54 Uhr
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Hat die Berliner Linke ein Antisemitismus-Problem? Im Bundestag folgt eine hitzige Debatte zu diesem Thema. Gregor Gysi greift Friedrich Merz scharf an.
Berlin – Grund zum Jubeln hatte die Linke nach ihrem Wahlsieg in Berlin allemal. Das Drumherum bereitet der Partei nun aber massiv Ärger. Angehörige des Berliner Landesverbandes stehen aktuell in der Kritik, besonders wegen ihrer Positionen zum Nahostkonflikt und zum Antisemitismus. Für viel Wirbel sorgte etwa der Besuch eines Clan-Bosses auf einer Wahlparty. Auf der gleichen Veranstaltung war auch ein Terror-Unterstützer zugegen.

Hat die Linke ein Antisemitismus-Problem? Das Thema kochte derart hoch, dass man sogar im Bundestag darüber sprach. In einer aktuellen Stunde auf Verlangen der AfD-Fraktion wurden die Fälle von Antisemitismus, Polizeifeindlichkeit sowie Nähe zu Islamisten, Linksextremisten und Clans bei den Berliner Linken diskutiert. Es wurde hitzig.
Die Berliner Linke und der Antisemitismus: AfD und CDU mit harten Worten im Bundestag
Abgeordnete aus Koalition und Opposition riefen die Linke fraktionsübergreifend auf, sich glaubhaft von Antisemitismus und organisierter Kriminalität zu distanzieren. Der AfD-Abgeordnete Gottfried Curio etwa wies darauf hin, dass über fünfzig Prozent der muslimischen Wähler in Berlin die Linke gewählt hätten. Dabei sei der „dezidierte Antisemitismus der Partei“ gewählt worden.
Dr. Ottilie Klein aus der Unions-Fraktion warf der Partei vor, prominente Mitglieder hätten den Landesverband schon vor Jahren „wegen des grassierenden Judenhasses“ verlassen. Besonders den Bundestagsabgeordneten Ferat Kocak forderte Klein – nachdem dieser einen berüchtigten Clanchef zur Wahlparty einlud – zur Niederlegung seines Bundestagsmandats auf.
Grüne Mihalic wird in Antisemitismus-Debatte um Berlins Linke deutlich – „vergiftet politische Kultur“
„Wer Israelhass und Antisemitismus relativiert, akzeptiert oder sogar politisch integriert, vergiftet die politische Kultur in unserem Land“, wurde Grünen-Abgeordnete Irene Mihalic besonders deutlich. Sie sagte, Lippenbekenntnisse zur Distanzierung würden nicht ausreichen. Dass ausgerechnet die AfD allerdings den „Ankläger des Antisemitismus“ spiele, sei ein „Treppenwitz“.
Für die Linke antwortete im Bundestag Gregor Gysi in der Debatte. Gysi war zuletzt schon mit einem Trick für die Berliner Linken rund um das Thema Enteignungen aufgefallen. Im Bundestag warf er den anderen Parteien hingegen vor, den Antisemitismus aus politischen Gründen zu instrumentalisieren. Besonders ein Satz in Richtung von Bundeskanzler Friedrich Merz hallt nach.
Gysi kontert Antisemitismus-Vorwürfe gegen Berlins Linke – harter Vorwurf an Bundeskanzler Merz
Den Antisemitismus-Vorwurf aus dem Mund der AfD bezeichnete er als eine „Frechheit“. Dass die CDU dort einsteige, nannte er „mehr als absurd“. Dann ging er Merz an: „Der Bundeskanzler hat wörtlich gesagt, ich zitiere ihn wörtlich: Antisemitismus sei ‚die perfideste Form der Ausländerfeindlichkeit‘. Damit hat er die deutschen Jüdinnen und Juden zu Ausländerinnen und Ausländern erklärt. Es tut mir leid: Das war auch die Haltung der Nazis“, führte Gysi aus. Sein Fazit: „Einem Bundeskanzler darf eine solche Fehlformulierung nicht passieren.“
Die Israel-Haltung der Linken verteidigte er. „Meine Partei hat mit großer Mehrheit beschlossen, dass wir für einen souveränen und sicheren Staat Israel sind, den es aber nur geben wird, wenn es endlich auch einen souveränen und sicheren Staat Palästina gibt“, sagte Gysi im Bundestag. Spitzenkandidatin Elif Eralp habe in Berlin einen Plan vorgelegt, um jüdisches Leben besser zu schützen.
Gysi gestand auch ein, dass man einige Mitglieder habe, die „die Israel-Kritik deutlich überziehen. Damit müssen wir uns auseinandersetzen und tun es auch.“ In welcher Form genau das passieren solle, wurde nicht klar. Zum Bundestagsabgeordneten Kocack sagte er nur, er habe „einen Fehler begangen, wir untersuchen das“. Genauere Konsequenzen nannte er nicht. (Quellen: Bundestag.de, dpa, Livestream Bundestagssitzung, vorherige Berichterstattung) (han)