Streit um Milliardengeschäft: Radiant nimmt den Schweizer Konzern Glencore ins Visier
Streit um Milliardengeschäft: Der kontroverse Eisenerzhändler Radiant nimmt Glencore ins Visier
Das asiatische Handelshaus wird des Betrugs verdächtigt. Nun fordert Radiant World Hunderte Millionen Dollar vom Schweizer Rohstoffriesen zurück. Am Schweizer Handels- und Finanzplatz hatte so manches Unternehmen eine Geschäftsbeziehung mit Radiant.
30.08.2026, 05.30 Uhr
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Hartes Geschäft: Im Bild ist ein Stück Eisenerz zu sehen.
David Gray / Reuters
Die Affäre um den asiatischen Eisenerzhändler Radiant World wird immer komplexer. Dieser wird dubioser Geschäfte und des Betrugs verdächtigt. Bereits bekannt ist, dass zu seinen Geschäftspartnern diverse Schweizer Banken und Handelshäuser zählten. Nun gab es dicke Post für den Rohstoffhändler Glencore.
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Radiant gibt Glencore die Schuld
Der Zuger Konzern wird von Radiant für Verluste von 1,4 Milliarden Dollar verantwortlich gemacht. Die vom 45-jährigen Inder Pinkesh Nahar geführte Firma fordert von Glencore Gelder von mehr als 800 Millionen Dollar zurück, wie sie in einem Brief mitteilte. Glencore wird unterstellt, gegenüber Radiant substanzielle finanzielle und nichtfinanzielle Verpflichtungen eingegangen zu sein. Dass sich der Zuger Rohstoffhändler davon distanziert habe, habe dem Eisenerzhändler nun derartige Verluste eingetragen, behauptet Radiant, wie die Londoner «Financial Times» (FT) berichtet hat.
Bisher drehten sich die Anschuldigungen allerdings um Radiant. Der Fall begann vor einigen Wochen mit gravierenden Vorwürfen gegen Radiant World. Das Handelshaus, das über Büros in Singapur, Dubai und auch an der eleganten Rue du Rhône in Genf verfügt, soll seinen Geschäftspartnern rund im die Welt gefälschte Unterlagen und Zahlen präsentiert haben, um an zusätzliche Finanzierungen zu kommen. Mehr als ein Dutzend Banken, unter ihnen einige in der Schweiz, arbeiteten mit dem umstrittenen Handelshaus zusammen, wie die NZZ berichtete.
Radiant bezeichnet die Anschuldigungen, es habe Sicherheiten gefälscht, als unbegründet. Das Unternehmen erfülle die höchsten rechtlichen Anforderungen und verfüge über ausreichendes Kapital und Liquidität, schrieb es schon Ende Juli in einer Medienmitteilung. Eine E-Mail-Anfrage der NZZ beantwortete das Unternehmen am Samstag nicht.
Nachdem Zweifel über die Angaben des Eisenerzhändlers aufgekommen waren, stellten mehrere Finanzinstitute sowie Handelspartner die Geschäfte mit Radiant ein, darunter auch Glencore. Das Schreiben von Radiant, das Glencore für seine Probleme verantwortlich macht, beschreibt laut der FT auf ausführliche Weise die angeblichen Geschäftspraktiken der beiden Unternehmen. Unter anderem soll Glencore Radiant bei Personalgeschäften und bei der Kapitalbeschaffung beraten haben.
Glencore wehrt sich auf Anfrage dezidiert gegen den Vorwurf, seine Distanzierung vom kontroversen Händler sei schuld an dessen Problemen. «Die Behauptungen sind haltlos, und Glencore wird sich entschieden dagegen wehren», teilte der Konzern mit. Es sei Glencore, das durch Radiant Verluste erlitten habe. Der Zuger Konzern werde entsprechende Schritte einleiten.
Glencore machte Rückstellung
Der Eisenerzhändler Radiant ist innert zweier Jahrzehnte zu einem der grössten internationalen Player in seinem Geschäft aufgestiegen. Zusammen mit Erdöl zählen Stahl und Eisen zu den am meisten gehandelten Rohstoffen. Auch Glencore handelt mit Eisenerz und soll mit Radiant umfangreiche Geschäfte getätigt haben. Dem Vernehmen nach haben Glencores Rohwarengeschäfte mit Radiant allerdings stets weniger als ein Zehntel des Geschäftsvolumens der Zuger im Bereich Eisenerz ausgemacht. Das Nettoengagement der Schweizer Firma soll eine Milliarde Dollar nie überstiegen haben.
Dennoch nahm Glencore in den vergangenen Wochen eine Rückstellung vor. Das im Risiko stehende Engagement war jedoch für Glencores Verhältnisse nicht wesentlich. Es fiel unter die Grenze von 500 Millionen Dollar, die eine Offenlegung der an der Börse kotierten Firma erfordert hätte.
Laut Medienberichten haben sich mittlerweile sowohl in den USA als auch in Singapur die Straf- und Ermittlungsbehörden in den Fall eingeschaltet. Ob das amerikanische Justizministerium Glencore bereits kontaktiert hat, wollte der Schweizer Rohstoffhändler gegenüber der NZZ nicht kommentieren.
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