„Dreiste Abzocke“: E-Auto-Fahrer tankt in Oberbayern für 36 Minuten – und kassiert Strafe
Strom getankt, Strafe kassiert: E-Auto-Fahrer zahlt für 36 Minuten Laden – „Dreiste Abzocke“
Stand: 21.08.2026, 21:00 Uhr
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Ein E-Autofahrer lädt am Supermarktparkplatz in Miesbach seinen Wagen auf – und bekommt eine Woche später eine saftige Zahlungsaufforderung.
Miesbach – Miesbach – Ein Urlauber lädt sein E-Auto an einer Supermarkt-Ladesäule in Miesbach auf – und erhält eine Woche später eine Zahlungsaufforderung über 30 Euro. Wie Merkur-Reporter Sebastian Grauvogl berichtet, ist der Fall kein Einzelfall: Gleich reihenweise sind E-Autofahrer in dieselbe Falle getappt.
- Jörg Zimmer aus Moers lud sein E-Auto am Windfeld in Miesbach an einem Sonntag auf – und bekam dafür 30 Euro Strafe.
- Der Parkplatz darf nur während der Öffnungszeiten von Aldi und Rewe genutzt werden – auch an den Ladesäulen.
- EnBW und Rewe kündigten an, die Hinweisschilder vor Ort und in der App künftig deutlicher zu gestalten.

E-Auto-Laden am Windfeld: Parkregeln gelten auch an der Ladesäule
Jörg Zimmer (60) war mit seiner Familie auf dem Weg von Bad Tölz in Richtung Kärnten, als er am Windfeld in Miesbach anhielt, um sein E-Auto aufzuladen. Der Ladevorgang dauerte 36 Minuten und kostete 20,50 Euro für 50 Kilowattstunden Strom. Eine Woche später lag eine weitere Rechnung im Briefkasten: 30 Euro Vertragsstrafe, ausgestellt von der Münchner Firma Park-Depot. Der Grund: Zimmer hatte an einem Sonntag geladen – außerhalb der Öffnungszeiten von Aldi und Rewe. Deren Parkplatz darf laut Beschilderung nur während der Ladenöffnungszeiten genutzt werden. Dass diese Regel auch für die blau markierten Ladeparkplätze gilt, ist auf den Schildern nicht explizit vermerkt.
Die Ladestation hatte Zimmer über die offizielle EnBW-App gefunden – ohne jeden Hinweis auf die eingeschränkten Nutzungszeiten. Auf dem Parkplatz selbst überwachen Kameras zur Kennzeichenerfassung die Einhaltung der Parkregeln. „Als ich den Strafzettel bekommen habe, dachte ich zunächst an einen Schildbürgerstreich“, sagt Zimmer. „Für mich ist das schlicht dreiste Abzocke“, ärgert er sich.
Miesbach ist eine Kreisstadt im oberbayerischen Landkreis Miesbach und liegt rund 50 Kilometer südöstlich von München.
Rewe und EnBW wollen Hinweise verbessern – Grundregeln bleiben
Wie ein Blick in die Google-Rezensionen der EnBW-Ladesäule zeigt, ist Zimmer mit seinem Ärger nicht allein. Zahlreiche Nutzer warnen vor dem Laden an Sonntagen, in der Nacht oder über die Höchstparkdauer von zwei Stunden hinaus – andernfalls folge eine Woche später die Zahlungsaufforderung. Betroffen sind übrigens auch DHL-Kunden, die außerhalb der Supermarkt-Öffnungszeiten die auf dem Parkplatz befindliche Packstation ansteuern. Bei EnBW zeigt man Verständnis für den Ärger und will die Situation zum Anlass nehmen, „um noch einmal in die Abstimmung mit dem Standorteigner und der Parkraumbewirtschaftung zu gehen und eine bessere Transparenz der Gegebenheiten vor Ort sicherzustellen“. Eine Sprecherin der Rewe-Group kündigte an, die Beschilderung an den Ladesäulen auffälliger zu gestalten und die Hinweise auch in der EnBW-App deutlicher zu hinterlegen. Eine generelle Befreiung von der Höchstparkdauer sei jedoch nicht geplant: Rewe verfolge die Strategie, Kunden ein Ladeangebot während des Einkaufs bereitzustellen. „Entsprechend liegt der Fokus auf einer schnellen und alltagstauglichen Ladeerfahrung“, so die Sprecherin. Auftraggeber der Parkraumbewirtschaftung am Windfeld sei nicht Rewe, sondern Aldi – der Discounter hatte auf eine Anfrage des Merkur bis Redaktionsschluss nicht reagiert. Auch Park-Depot und DHL ließen Fragen bis Donnerstagnachmittag (20. August) unbeantwortet.