Studenten zeigen, wie Insektenlarven unseren Biomüll recyceln könnten

Stand: 26.07.2026, 13:00 Uhr

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Uni Projekt Larven Kompost Soldatenfliegenlarven Stellen die neuen Kompostier-Tiere vor: und Ole Köhling, Philipp Nuhn und Simon Meltendorf (von links) vor der Versuchsbox mit bestimmt 500 Mehlwürmern und Soldatenfliegenlarven.

Stellen die neuen Kompostier-Tiere vor: Ole Köhling, Philipp Nuhn und Simon Meltendorf (von links) vor der Versuchsbox mit bestimmt 500 Mehlwürmern und Soldatenfliegenlarven. © Foto: Valerie Schaub

Für manche eklig, für andere nachhaltig: An der Uni Kassel zeigen Studenten, wie Mehlwürmer und Larven der Schwarzen Soldatenfliege Essensreste verwerten. Sie wollen für die Idee werben, aber es gibt noch Hürden.

Kassel – Träge winden sich die Würmchen über die Apfelschnitze. „Es ist noch nicht ganz ihre Wohlfühltemperatur“, erklärt Simon Meltendorf, Student der Wirtschaftswissenschaften, am Amphitheater der Uni Kassel. Hier hat er mit seinen Kommilitonen eine Versuchsbox mit Mehlwürmern und Larven der Schwarzen Soldatenfliege aufgebaut. Sie wollen zeigen, wie Essensreste oder unser Kompostmüll ganz ohne Kompostieranlage wiederverwertet werden könnten.

Dazu braucht es die kleinen Tierchen, die hier in einer Plastikschale, umgeben von einem Plexiglaskasten, Äpfel fressen. Und denen ist es gerade noch etwas zu kalt. Denn die Würmer, die normalerweise selbst als Futter für Vögel, Reptilien und Fische angeboten werden, fühlen sich eben erst ab 29 Grad so richtig wohl. „Wir versuchen, sie mit Wärme auf ihre Betriebstemperatur zu bringen“, erklärt Simon Meltendorf und dreht den Heizlüfter für den Glaskasten etwas höher. Bis sie die Apfelschnitze und die Banane verspeist haben, wird es noch ein bisschen dauern.

Die Idee ist die: Die Insektenlarven bekommen unsere organischen Abfälle, fressen sie und können dann selbst wieder zum Tierfutter werden. So bleibt am Ende nullkommanull Müll übrig. Im Vergleich zu Kompostierungsanlagen verbrauche diese Lösung kein CO₂, sagen die Wirtschaftswissenschaftsstudenten.

Aber es gibt noch ein paar Hürden: Die EU hat strenge Regeln zum Verfüttern von Speiseresten an Nutztiere. Vor allem für Schweine gelten Verbote wegen des Verbreitungsrisikos von Seuchen wie der Schweinepest. Das macht es schwierig, die Larven mit den verdauten Essensresten wieder zu Tierfutter zu verarbeiten. Anderswo, in Südamerika und Asien, passiere das schon, berichten die Studenten. Abgesehen davon gibt es hier noch Vorbehalte. „Viele verbinden Ekel damit“, sagt Ole Köhling, ebenfalls im sechsten Semester Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Wie nützlich die Tierchen sein können, das soll das Projekt unter der Betreuung von Sharon Shirani zeigen.

Die Idee ist nicht neu und zieht gerade größere Kreise. Die Schwarzgruppe mit den Ketten Lidl und Kaufland hat angekündigt, mit diesem Prinzip eigene Lebensmittelreste recyceln zu wollen. In einer Raffinerie in Baden-Württemberg, die noch in diesem Jahr gebaut werden soll, soll damit Proteinmehl hergestellt werden.

Und die 500 Larven auf dem Uni-Campus? Die haben erstmal noch ein paar Apfelschnitze vor sich.