Schulstart ohne Tränen: Was Routinen wirklich bewirken

Studie belegt: Feste Routinen erleichtern Kindern den Schulstart

Stand: 16.09.2026, 14:02 Uhr

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Grundschulkinder in NRW

Der Wechsel vom Kindergarten in die erste Klasse bringt für Kinder viele Unsicherheiten mit sich. © Bahho Kara/Imago

Der Schulstart bringt viel Neues mit sich. Eine Studie zeigt: Feste Rituale zu Hause helfen Kindern, diesen Übergang leichter zu meistern.

Der erste Schultag ist für Kinder ein großer Schritt und oft auch eine emotionale Herausforderung. Neue Regeln, ein fremder Tagesablauf, unbekannte Gesichter: Nicht jedes Kind kommt damit sofort zurecht. Manche reagieren mit Trennungsangst, andere tun sich schwer, sich an feste Strukturen zu gewöhnen. Es kann sogar passieren, dass Kinder eine regelrechte Schulangst entwickeln. Für Eltern stellt sich dann schnell die Frage: Wie lässt sich dieser Übergang leichter gestalten?

Was die Forschung zeigt

Eine Studie der „Penn State University“, veröffentlicht im Fachjournal „Developmental Psychology“, liefert dazu spannende Erkenntnisse. Über mehrere Jahre hinweg wurden fast 1000 Familien begleitet, von der Kita-Zeit bis zur ersten Klasse. Das Ergebnis: Kinder aus Familien mit klaren Alltagsroutinen zeigten beim Schulstart weniger Verhaltensauffälligkeiten. Besonders zwei Rituale machten sich bemerkbar: feste Bettzeiten und regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten.

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Struktur allein reicht nicht

Interessant ist dabei ein weiterer Befund der Studie: Selbst die beste Routine verliert ihre schützende Wirkung, wenn der Umgangston zu Hause zu hart ist, etwa durch häufiges Schreien oder Drohen. Die Forschenden stellten fest, dass Kinder aus Familien mit viel Routine, aber gleichzeitig hoher elterlicher Härte, ähnlich viele Verhaltensauffälligkeiten zeigten wie Kinder aus Familien mit wenig Routine insgesamt. Struktur allein reicht demnach nicht aus, entscheidend ist auch, in welchem emotionalen Klima diese Struktur vermittelt wird.

Studienleiterin Lisa Gatzke-Kopp bringt diesen Zusammenhang auf den Punkt: „Man braucht Routinen, darf dabei aber nicht zu starr sein. Die zwei wichtigsten Dinge in der Erziehung sind Konsequenz und Flexibilität.“ Diese scheinbar widersprüchlichen Eigenschaften bedingen sich laut der Forscherin gegenseitig: Wer klare Abläufe schafft, gleichzeitig aber auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes eingehen kann, legt damit den Grundstein für ein sicheres, verlässliches Umfeld.

Warum Routinen gerade beim Schulstart so wichtig sind

Der Schulstart bringt für Kinder eine ganze Reihe von Veränderungen mit sich: ein neuer Tagesablauf, feste Unterrichtszeiten, unbekannte Regeln, neue Bezugspersonen und oft auch ein vollkommen anderes Sozialgefüge in der Klasse. Gerade in dieser Umbruchphase versuchen Kinder, herauszufinden, wie diese neue Welt funktioniert und wie sie selbst darin ihren Platz finden. Je verlässlicher und unterstützender ihr Umfeld währenddessen ist, desto leichter fällt es ihnen, sich in einer neuen Situation wie der Schule zurechtzufinden. Wiederkehrende Abläufe zu Hause, wie ein fester Ablauf vor dem Schlafengehen oder ein gemeinsames Abendessen, geben genau die Orientierung, die in einer solchen Umbruchphase gebraucht wird.

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So gelingt der Einstieg in mehr Routine

Wer den Familienalltag strukturierter gestalten möchte, muss dafür nicht das ganze Leben umkrempeln. Oft reichen kleine, aber konsequent umgesetzte Rituale: ein festes Einschlafritual mit einer beruhigenden Aktivität wie Vorlesen, ein gemeinsames Abendessen ohne Handys, ein wiederkehrender fester Punkt im Wochenablauf, auf den sich alle freuen. Genau solche Routinen lassen sich leicht in den Alltag integrieren und wirken laut Studie langfristig positiv auf das kindliche Verhalten.

Wichtig dabei: Es geht nicht um Perfektion. Auch Gatzke-Kopp betont, dass Rückschläge normal sind und weder auf ein Problem beim Kind noch auf einen Erziehungsfehler hindeuten. Entscheidend ist die Grundtendenz im Alltag, nicht die Ausnahme. Wer mit kleinen, verlässlichen Ritualen beginnt und dabei flexibel bleibt, schafft für sein Kind genau die Sicherheit, die den Start in die Schule erleichtert. Schritt für Schritt, ohne Druck.