Studie: Jährlich bis zu eine halbe Million Tote durch Schlangenbisse
Weltweit werden weit mehr Menschen von Giftschlangen gebissen als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, veröffentlicht im Fachjournal Plos Medicine. Etwa 2,1 bis sieben Millionen Menschen sollen jährlich Schlangenbisse erleiden, 274.000 bis 513.000 sterben daran.
Die meisten Todesfälle gibt es der Analyse zufolge in Afrika südlich der Sahara und in Südasien. Unter den 20 Ländern, die 78 Prozent der Fälle vereinen, liegt Indien mit jährlich 38.000 bis 70.000 Toten an der Spitze, gefolgt von Nigeria, Pakistan und der Demokratischen Republik Kongo. Die Unsicherheit in den Zahlen rührt daher, dass zuverlässige Daten spärlich sind. Denn die meisten Schlangenbisse kommen in armen, ländlichen Regionen der Tropen vor.
Open Source
Warum wir Menschen von Schlangen so fasziniert sind
Das Forscherteam der Liverpool School of Tropical Medicine hat für seine Studie die Literatur zu Schlangenbissen in 79 Ländern von 2007 bis 2025 ausgewertet und geostatistische Modelle genutzt. Geschätzt wird zudem, dass 825.000 Menschen pro Jahr als Folge von Schlangenbissen schwere Schäden davontragen, etwa den Verlust von Gliedmaßen und Erblindungen.
Spitzenreiterin bei tödlichen Schlangenbissen soll die Gemeine Sandrasselotter sein
Mit den Schlangen ist es wie mit Wölfen oder Haien: Sie folgen nur ihrer Natur. Von weltweit über 3000 Schlangenarten sind mehr als 600 giftig. Man unterscheidet Giftnattern und Vipern. Sie attackieren Menschen meist dann, wenn sie sich bedroht, in die Enge getrieben oder angegriffen fühlen.
Laut World Wide Fund for Nature (WWF) ist der Inlandtaipan (Oxyuranus microlepidotus) die giftigste Schlange der Welt. Das Gift eines Bisses könnte bis zu 250 Menschen töten, heißt es. Da die Schlange aber in entlegenen australischen Regionen lebt, kommen Bisse äußerst selten vor. Spitzenreiterin bei tödlichen Bissen weltweit soll dagegen die Gemeine Sandrasselotter (Echis carinatus) sein, gefolgt von verschiedenen Kobra-Arten, der Puffotter, der Terciopelo-Lanzenotter und der Schwarzen Mamba, wie eine Darstellung zeigt.
Einwanderung
Gegen illegale Migration: Indien prüft Einsatz von Krokodilen und Giftschlangen
Die Sandrasselotter lebt in Asien oft in der Nähe von Menschen und Feldern. Sie beißt schnell zu. Ihr Gift ist stark hämotoxisch, zerstört die Blutgerinnung. Das nötige Gegengift ist oft nicht verfügbar. So gibt es jährlich Tausende Tote. Mit mehr Aufklärung, festem Schuhwerk, verfügbaren Gegengiften und lokalen Gesundheitsstationen will die Weltgesundheitsorganisation die Todesfälle und Schäden durch Schlangenbisse bis 2030 um die Hälfte senken.
Lesen Sie mehr zum Thema