Studie mit fast einer Million Menschen: Heiße Getränke erhöhen Krebs-Risiko
Stand: 12.09.2026, 08:20 Uhr

Ein Zusammenhang zwischen dem Konsum sehr heißer Getränke und Speiseröhrenkrebs gilt inzwischen als erwiesen; belegt hat ihn die bisher größte Studie weltweit.
Wer regelmäßig sehr heißen Tee oder Kaffee trinkt, könnte sein Risiko für Speiseröhrenkrebs – also Krebs der Speiseröhre – auf das Dreifache erhöhen. Zu diesem Schluss kommt die bislang weltweit größte Studie, die einen Zusammenhang zwischen sehr heißen Getränken und dieser Krebsart zeigt. Heiße Getränke gehören in Europa zu den beliebtesten Getränken und sind fester Bestandteil des Alltags sehr vieler Menschen.
Content-Partnerschaft
Dieser Artikel von Amber Louise Bryce entstand in Kooperation mit Euronews.
Im Jahr 2023 trank jede Person im Durchschnitt fünf Komma sieben Kilogramm Kaffee, was die weite Verbreitung des Konsums deutlich macht. Die gesundheitlichen Vorteile heißer Getränke sind gut erforscht, etwa in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselprozesse. Wie stark sie das Krebsrisiko in westlichen Ländern beeinflussen, war jedoch lange unklar und wurde bislang nur in kleineren Studien untersucht.
Forschende der Universität Oxford haben diese Frage nun systematisch untersucht und ihre Ergebnisse im International Journal of Cancer veröffentlicht. Für die Studie werteten sie über einen Zeitraum von 14 Jahren Daten von fast einer Million Frauen und Männern mittleren Alters im Vereinigten Königreich aus, um robuste statistische Aussagen treffen zu können.
Sehr heiße Getränke steigern das Risiko deutlich
Menschen, die ihre Getränke „sehr heiß“ trinken – also mit mindestens 65 Grad Celsius, wie die Internationale Agentur für Krebsforschung diese Kategorie definiert – hatten ein fast dreimal so hohes Risiko für Speiseröhrenkrebs wie Menschen, die ihre Getränke nur „warm“ trinken. Auch die Menge spielte eine Rolle: Wer sechs oder mehr heiße Getränke am Tag trank, hatte ein zusätzlich erhöhtes Risiko, an dieser Krebsart zu erkranken.
„Die Größe der Studie stärkt die Hinweise deutlich, dass heiße und sehr heiße Getränke das Risiko erhöhen, ein Plattenepithelkarzinom [eine Krebsart, die mit einem Zellwachstum auf der Haut beginnt] zu entwickeln“, sagte Keren Papier, Ernährungsepidemiologin am Institut für Bevölkerungsgesundheit der Universität Oxford und Mitautorin der Studie, Euronews Health. Die meisten Menschen trinken Kaffee und Tee bei Temperaturen zwischen 50 und 60 Grad Celsius, je nach Region, Zubereitung und persönlicher Vorliebe.
Empfehlungen zum sicheren Konsum
Auch mit Milch sollten die Getränke noch einige Minuten stehen, bevor man sie trinkt, damit sich die Temperatur ausreichend senkt. „Wenn ein Getränk beim ersten Schluck zu heiß ist, sollte man es kurz abkühlen lassen, bis es eher warm oder heiß und nicht mehr sehr heiß ist“, sagte Papier. Schon kleine Verhaltensänderungen im Alltag könnten demnach einen messbaren Beitrag zur Verringerung des Erkrankungsrisikos leisten.
Eine seltene Krebsart
Bei Speiseröhrenkrebs unterscheiden Fachleute zwei Hauptformen: das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre und das Adenokarzinom. In Großbritannien tritt Speiseröhrenkrebs vergleichsweise häufig auf und steht laut Cancer Research UK auf Platz 14 der häufigsten Krebserkrankungen. Die Variante des Plattenepithelkarzinoms, zu der die Studie einen Zusammenhang fand, ist jedoch weiterhin selten und betrifft nur einen kleinen Teil der Bevölkerung.
„Das Lebenszeitrisiko, in Großbritannien mit dieser Krebsart diagnostiziert zu werden, liegt bei etwa ein Prozent“, sagte Papier. „Tee und Kaffee sind aber sehr weit verbreitet. Wenn wir die Getränke einfach ein wenig abkühlen lassen, kann das helfen, diese Krebsart zu verhindern.“ Cancer Research UK betont zudem, dass Rauchen und Alkoholkonsum, gefolgt von Übergewicht, weiterhin die wichtigsten lebensstilbedingten Risikofaktoren für Speiseröhrenkrebs sind.
Lebensstil bleibt zentraler Risikofaktor
„Am wichtigsten ist es neben unseren Ergebnissen, mit dem Rauchen aufzuhören; und auch weniger oder keinen Alkohol zu trinken dürfte etwas helfen“, sagte Papier. „Entscheidend ist, das allgemeine Wissen über Krebsrisikofaktoren – für diese und andere Krebsarten – im Blick zu behalten und bei allen Überlegungen zur Vorbeugung nicht zu vergessen.“ Damit unterstreicht sie, dass heiße Getränke nur ein Baustein im komplexen Gefüge der Krebsprävention sind.