Studie zeigt: Wer etwas Wichtiges per Foto speichert, merkt es sich schlechter
Stand: 04.09.2026, 18:30 Uhr
Kommentare

Kurz gescreenshottet, schnell vergessen? Wichtige Dinge, die wir mit der Handykamera sichern, können wir uns dadurch womöglich schlechter merken, wie eine Studie jetzt herausfand. Das hat überraschende Gründe.
Eine Online-Rechnung per Screenshot speichern oder ein Foto von einer Adresse gemacht - dank Kamera des Smartphones müssen wir uns im Alltag nicht alles merken, sondern können es bequem für später sichern. Damit machen wir unserem Gedächtnis aber offenbar einen Strich durch die Rechnung.
Denn wie eine Studie des Psychologischen Instituts der Binghamton University ergab, die in der Fachzeitschrift „Memory & Cognition“ veröffentlicht wurde, können wir uns Dinge schlechter merken, wenn wir sie zuvor per Screenshot oder Foto abgespeichert haben. Die möglichen Ursachen dafür liefern interessante Einblicke darüber, wie unser Gedächtnis funktioniert.
Sieben Experimente liefern eindeutiges Ergebnis
Um zu untersuchen, inwieweit unser Gedächtnis beeinflusst wird, wenn wir Fotos oder Screenshots aufnehmen, führte das Forschungsteam um Sophia Fabrizio, Doktorandin der Psychologie an der Binghamton University, sieben Experimente durch. Die Teilnehmenden sollten Kunstwerke fotografieren, später wurde ihre Erinnerung daran getestet.
In allen sieben Experimenten zeigte sich, dass Fotos oder Screenshots aufzunehmen, die Erinnerung an die Informationen oder das Ereignis beeinträchtigt. Insbesondere dann, wenn das Gespeicherte später nicht mehr angesehen wird. Dieser Zusammenhang ist auch als „Photo-Taking Impairment Effect“ bekannt. Dazu erklärt Studienautorin Fabrizio: „Wenn Sie die Bilder nicht aktiv als Anhaltspunkte nutzen, um Erinnerungen abzurufen und weiter auszubauen, ist es unwahrscheinlich, dass sie Ihnen beim Erinnern helfen“.
Mögliche Ursachen
Was genau diesen Effekt in unserem Gedächtnis verursacht, ist noch unklar. Die Forscherinnen und Forscher nennen drei mögliche Gründe. Einer davon könnte geteilte Aufmerksamkeit sein. Wer ein Foto aufnimmt, konzentriert sich nicht nur auf das, was er fotografiert, sondern auch auf den Vorgang. Dadurch könnte es an Ressourcen fehlen, um das Gesehene im Gedächtnis abzuspeichern.
Eine andere mögliche Erklärung ist das Auslagern von Informationen. Wenn wir sowieso wissen, dass wir die wichtige Adresse abfotografiert haben, warum soll sich unser Gedächtnis dann später noch daran erinnern? Unser Gedächtnis bringt dann weniger Ressourcen auf, um die Information abzuspeichern. Allerdings wurde der Effekt auch beobachtet, wenn die Probandinnen und Probanden zuvor gewusst haben, dass ihre Aufnahmen wieder gelöscht werden.
Ein anderer Grund könnte sein, dass wir uns möglicherweise unbewusst von Dingen distanzieren, von denen wir Fotos oder Screenshots aufnehmen. So konnten sich die Teilnehmenden etwa schlechter daran erinnern, ob sie ein Kunstwerk fotografiert oder nur betrachtet haben. Das könnte möglicherweise daran liegen, dass unser Gedächtnis im Laufe unseres Lebens gelernt hat, Informationen mithilfe von Fotos auslagern zu können.
Schreiben Sie wichtige Dinge lieber auf
Wenn Sie sicher gehen möchten, dass Sie wichtige Informationen nicht vergessen, sollten Sie zu Stift und Papier greifen und diese aufschreiben. Denn das würde unser Gehirn laut den Forschenden dazu zwingen, Informationen aktiv zu verarbeiten, zu strukturieren und Verbindungen zu einzelnen Informationen zu schaffen. Der zusätzliche kognitive Aufwand kann dazu beitragen, dass sich das Gedächtnis die Information besser merken kann. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)