Stuhrer trägt Kühlschrank nach Alpe d’Huez – und darf aufs Tour-Podest

Stand: 03.09.2026, 18:01 Uhr

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Im Beisein von Bürgermeister Stephan Korte trägt sich Tilo Koch ins Goldene Buch der Gemeinde Stuhr ein.

Im Beisein von Bürgermeister Stephan Korte trägt sich Tilo Koch ins Goldene Buch der Gemeinde Stuhr ein. © Andreas Hapke

Tilo Koch ist mit einem 22 Kilogramm schweren Kühlschrank auf dem Rücken die 21 Kehren nach Alpe d'Huez hochgeklettert. Dafür durfte er sich ins Goldene Buch der Gemeinde Stuhr eintragen.

Stuhr – Fast jeder Haushalt verfügt über einen Kühlschrank. Und doch gibt es nur eine Person, die mit diesen Worten angesprochen wird: „Sind Sie nicht der mit dem Kühlschrank?“ Seitdem Tilo Koch während der Tour de France mit einem Kühlschrank auf dem Rücken die 21 Kehren hinauf nach Alpe d’Huez geklettert ist, erkennen ihn manche Menschen auf der Straße. Unter anderem durch diese Aktion ist ihm nun eine besondere Ehre zuteil geworden: Der 48-jährige Stuhrer durfte sich in das Goldene Buch der Gemeinde eintragen. „Für herausragendes gemeinnütziges Engagement und besonders sportliche Leistungen“, wie auf der entsprechenden Seite vermerkt ist.

Mit diesem Kühlschrank ist Tilo Koch die 14 Kilometer nach Alp d‘Huez hochgelaufen.

Mit diesem Kühlschrank ist Tilo Koch die 14 Kilometer nach Alpe d’Huez hochgelaufen. © Andreas Hapke

Laut Bürgermeister Stephan Korte ist es „nicht das erste Mal, dass Koch mit einer außergewöhnlichen Aktion auf sich aufmerksam gemacht hat“. Die jüngste Kampagne aber habe ihn und viele Mitarbeiter im Rathaus fasziniert. „Was möchtest du bewahren?“ – Mit dieser am Kühlschrank befestigten und auf Französisch, Englisch und Deutsch gestellten Frage hat sich Tilo Koch am 24. Juli um 9 Uhr auf die rund 14 Kilometer lange Strecke mit bis zu acht Prozent Steigung gemacht. „Es ist eigentlich eine philosophische Frage, die sich an ein breites Publikum richtet“, findet Korte. Es motiviere die Menschen dazu, „sich vorzustellen und zu fassen, was wirklich wichtig ist im Leben“.

In einer gewissen Regelmäßigkeit stelle er sich „eher als skurril zu bezeichnenden“ sportlichen Herausforderungen, sagt Koch. Erst im Juni hat er für 24 Stunden eine Schubkarre entlang des Nord-Ostsee-Kanals geschoben und damit einen neuen Weltrekord aufgestellt. Er habe auch schon einen Zauberwürfel im Eiswasser gelöst. „Das sind immer so Projekte, wo ich wahnsinnig viel Spaß dran habe, mich darauf vorzubereiten und daraufhin zu trainieren“, erklärt Koch.

Besuch beim Bundespräsidenten

Häufig verbinde er die jeweilige Aktion „mit einem Gedankenimpuls oder etwas Nützlichem für die Gemeinschaft“. Der Schubkarrenrekord etwa hat laut Koch mehr als 29.000 Euro an Spenden für herzkranke Kinder in Norddeutschland eingespielt. Dies hat den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther hellhörig werden lassen: Auf dessen Vorschlag hin hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Abenteuersportler für heute zu seinem Bürgerfest eingeladen. Koch ist damit einer von rund 2.500 geladenen engagierten Ehrenamtlichen aus ganz Deutschland.

Mit der jüngsten Kampagne hat Koch, selbst glühender Fan der Tour de France, ein anderes Ziel verfolgt: „Der Kühlschrank ist für mich ein Symbol für etwas, was man bewahren möchte. Weil man dort Dinge lagert, die man lange frisch halten will“, erklärt Koch. Das ausgediente Gerät hatte ihm die AWG Bassum zur Verfügung gestellt. Mit einem ausgeklügelten Gestell schnallte sich Koch den Kühlschrank auf den Rücken und rannte damit zu Trainingszwecken den Bassumer Utkiek und den Bremer Metalhenge hoch und runter. Immer wieder.

Zudem malten im Vorfeld der Aktion 62 Viertklässler der Grundschule Seckenhausen Dinge, die sie für bewahrenswert halten: Katze, Erde, Familie. „Ein Kind hat sich Freude und Hoffnung ausgesucht“, berichtet Koch. Dieses Bild gehörte zu den sechs Kunstwerken, die der Abenteuersportler auf die Kühlschranktür klebte. „Als Impulse für die Menschen, die die Frage sehen. Damit war der Kühlschrank fertig, und ich musste nur noch nach Alp d’Huez hochgehen.“

Nach fünf Stunden und drei Minuten im Ziel

Knapp sieben Stunden, bevor der spätere Toursieger Tadej Pogačar am Fuße des Berges ankam, machte sich Koch auf den Weg. „Das hat super funktioniert“, erzählt er. „500.000 Leute am Hang, alles Radsportfans. Menschen, die in Partylaune waren. Und die sich tierisch darüber freuten, dass einer auf die Idee kommt, da einen Kühlschrank hochzutragen. Haben alle nur drauf gewartet.“ Viele hätten auch auf die Frage reagiert. „Ganz oft bin ich ein Stück begleitet worden und konnte mit den Leuten darüber sprechen, was sie bewahren wollen. Gesundheit, die Familie, und diesen Tag auf der Tour, weil sie den so schön fanden.“

Nach fünf Stunden und drei Minuten erreichte Koch das Ziel. „Da steht jetzt der Rekord im Tragen eines Kühlschranks nach Alpe d’Huez. Schauen wir mal, ob den einer verbessert“, sagt er und lacht. Im Ziel sei er heilfroh gewesen, dass ihm sein Betreuer das 22 Kilogramm schwere Gerät abgenommen habe. Die größte Belohnung folgte augenblicklich: „Einer der Organisatoren kam auf mich zu und fragte mich, ob ich noch aufs Podium wolle. Klar wollte ich. Dann stand ich dort, wo in zwei Stunden Tadej Pogačar stehen sollte, wieder mit Kühlschrank auf dem Rücken, riss die Arme hoch, und die Leute klatschten.“ Ob sein Instagram-Account an dem Tag explodiert ist? „Hätte ich gerne gehabt. Ist er aber nicht.“

Die nächste Kampagne hat Koch noch nicht im Kopf. Von seiner Frau habe er zunächst den Auftrag, einen alten Schuppen zu renovieren. „Das war so ausgehandelt, damit ich das mit der Schubkarre und dem Kühlschrank durchziehen durfte.“ Irgendwann werde ihm eine Idee zufliegen. „Die Aktion“, betont Koch, „muss außergewöhnlich und neu sein.“