Süßes Leben? Abenteuer?: Fiat setzt mit dem Topolino oder dem Grande Panda ganz auf „Dolce Vita“, Jeep sucht mit dem Avenger 4xe das Offroad-Feeling
Er rollt und rollt und rollt. Bergab kein Problem, jedenfalls nicht die versprochenen 75 Kilometer, dann wäre die Batterie leer. Aber kommt man mit diesem Elektro-Liliput die recht steilen Anhöhen der rheinhessischen Hügellandschaft wieder hinauf?
Selbst das klappt mit dem Fiat Topolino, und er hält dabei tatsächlich das höchstmögliche Tempo von 45 km/h, trotz seiner 8,2 PS. Hinter uns auf der Landstraße mögen sich die Wagen zwar stauen wie hinter einen lahmen Ackerschlepper, aber was bedeutet das schon angesichts der versprochenen Lebensfreude in solch einem kuriosen Gefährt.

© Andreas Conrad
Topolino, das bedeutet „Mäuschen“, so heißt in Italien auch Micky Maus – und so hieß schon ein von 1936 bis 1955 gebauter Fiat-Kleinwagen. Die offene Version des neuen Vehikels, mit Faltdach und dicken Seilen statt Türen, führt das Glück sogar als Zusatz im Namen: Dolcevita. Der Wagen ist zwar nicht hochglänzend lackiert, doch gibt sich betont farbenfroh, wahlweise in lindgrünem „Verde Vita“ und feuerrotem „Corallo“.
Von Federico Fellinis Filmtitei inspiriert
Jede Marke hat eben ihr mehr oder weniger ausgeprägtes Image, einen Wertekanon, den der Hersteller werbend vor sich herträgt. Ferrari ist eben Ferrari, Jeep setzt auf Freiheit und Abenteuer, während Fiat sich ganz dem verschreibt, was Federico Fellini 1960 einst als Filmtitel wählte: „La Dolce Vita – Das süße Leben“. Also Leichtigkeit, Lebensfreude, Frohsinn, diesmal gebündelt in spielerischer „Mobilität für alle“.
Das beginnt beim Topolino schon beim Blick aufs Handschuhfach. Manche Hersteller verzichten bereits darauf oder verstecken den Button zum Öffnen in den digitalen Tiefen des Touchscreens. Hier dagegen reicht das Fach über die gesamte Breite der Frontscheibe, erinnert längsgestreift an eine zusammengerollte Luftmatratze und wird von zwei Lederriemen mit Druckknöpfen geschlossen. Das Touchscreen ist übrigens erfreulich übersichtlich: R-N-D, Lüftung, Warnblinklicht.
Vorsicht bei der „Selbstmördertür“
Das süße Leben ist freilich nur mit einigen Unbequemlichkeiten zu haben. Die Fahrertür? Baugleich mit der Beifahrerseite, öffnet sich also entgegen der Fahrtrichtung – im Volksmund wird diese Technik gerne „Selbstmördertür“ genannt. Geöffnet werden sie und ihr Gegenstück durch Stoffschlaufen. Die Sitze? Hart. Die Klappfenster? Das Prinzip der „Ente“: Die untere Hälfte wird hochgeklappt.
Der Tacho ist deutlich verbessert, 14,5 Zentimeter in der Diagonalen und gut ablesbar, während die sich spiegelnden Angaben früher schwer zu entziffern waren. Der Stauraum beträgt 63 Liter, ergänzt durch serienmäßige Netze in den Türen.
Über Landstraßen zu schleichen ist zwar zulässig, doch vor allem ist der Topolino ein reines Stadtauto mit kleinem Wendekreis, geschlossen sogar mit Panoramadach. Es gibt auch eine Sportversion in „Gelato Weiß“ mit roten Rallye-Streifen, die an den historischen Fiat 500 Sport von 1958 und sein schärferes Image erinnern soll. Wirklich schneller wird der Wagen aber auch durch die Sportsitze, das „Sport“-Emblem und die eingebauten Lautsprecher nicht.
Spaßmobil nicht nur für Jugendliche
Man braucht für solch ein elektrisches Spaßmobil keine Pkw-Fahrerlaubnis, der Führerschein AM genügt. Selbst 15-jährige Jugendlichen dürften es also chauffieren, die das leicht ruckelige Fahrgefühl bei voll durchgetretenem Pedal vielleicht nicht stört. Aufladbar ist der Akku nur über eine Haussteckdose, etwa vier Stunden soll das dauern.
Noch mehr „Dolce Vita“
Noch mehr „Dolce Vita“ gefällig? Beim „Test Drive“ rund ums rheinhessische Mommenheim hatte Fiat gleich eine ganze Armada von Fahrzeugen aufgefahren, den Topolino eben, den 500er, den 600er, den Qubo L und schließlich den Grande Panda, leicht erkennbar durch den ausladenden „Panda“-Namenszug an den Seiten.
Es gibt ihn, entsprechend dem Motto „Mobilität für alle“, auch vollelektrisch und als Hybrid. Für die Rundfahrt war der Grande Panda ein reiner Turbobenziner mit 100 PS und Sechs-Gang-Schaltgetriebe, wieder schön bunt in „Limone Gelb“.

© Fiat Deutschland
Diese Farbwahl wiederholte sich im Wageninneren, sogar am Armaturenbrett: Außen durchsichtig eingefärbt, der ovale Rahmen limonengelb. Er umgibt die Displays für die zentralen Fahrzeugdaten und das Infotainment. Erinnern soll diese Form, samt dem kleinen Grande Panda rechts unten, an die berühmte Teststrecke auf dem Dach des 1982 geschlossenen Fiat-Werks im Turiner Stadtteil Lingotto. Oval und gelb ist auch der Rahmen um die Mittelkonsole, an Limonen erinnern zudem die rechteckigen Luftauslässe. Für die irgendwie futuristisch wirkenden LED-Pixel der Scheinwerfer hat man sich dagegen von Videospielen der 1980er Jahre inspirieren lassen.

© Fiat Deutschland
Mit seinen Dreizylinder-Turbobenziner und seinen 100 PS starkem Frontantrieb dürfte der Wagen besonders die den neumodischen Techniken noch immer misstrauenden Traditionalisten ansprechen. Wie heute üblich hat der Wagen eine Start-Stopp-Automatik, das bremst auch bei zögerlichem Stadtverkehr den Spritverbrauch, der im Schnitt bei 5,6 Litern pro 100 Kilometer liegt.
Erinnerung an die Rennstrecke auf dem Werksdach
Ausgestattet war der Grande Panda in der höchsten Stufe „La Prima“, was unter anderem 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, eine Rückfahrkamera und sogar eine LED-Ambientebeleuchtung bedeutet. Die Armaturentafel ist mit einem Material verkleidet, das zu einem Drittel aus Bambusfasern besteht. Nicht vergessen sei auch der Hinweis auf den Vordersitzen: „Panda made with love in Fiat“ – ein spaßiges Auto, das die spartanischen Anfänge des Ur-Panda von 1980 längst überwunden hat.
Doch ob nun „Verde Vita“, „Corallo“ oder auch „Limone Gelb“ – übertroffen werden sie von einer Farbe, die kurz „Sun of Italy“ genannt wird: Ihr Gelb noch intensiver, strahlender, sonniger, die Lackierung des dritten Autos unserer Fiat-Rundfahrt: dem 500. Allein im Juni wurden in Deutschland mehr als doppelt so viele Fahrzeuge neu zugelassen wie im Monat des Vorjahres. Mit einem Marktanteil von 23 Prozent belegt der Wagen in der Monatsbilanz erneut den ersten Platz in der Kategorie „Mini“.

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Der Wagen ist eben eine Ikone, das war schon der dem Ur-Topolino nachfolgende, von 1957 bis 1977 gebaute 500. Der stand für italienische Lebensfreude wie einst der Käfer für deutsche Zuverlässigkeit. Auf ihn spielt das Retro-Design des seit 2007 gebauten neue 500 erfolgreich an. Er ist selbst schon eine Ikone, selbstverständlich auf aktuellem technischen Niveau und sogar vollelektrisch zu erwerben.
Der getestete Wagen, die Cabrio-Version mit elektrischem Rollverdeck, kombinierte dagegen als 65-PS-Hybrid einen 1-Liter-Benziner mitsamt dem beim Anfahren und Beschleunigen unterstützenden Elektromotor. Der Verbrauch soll im diesem mit sechsgängiger Handschaltung ausgerüsteten Wagen auf 5,3 Liter pro 100 Kilometer sinken. Die Beschleunigung bleibt freilich bescheiden: Von 0 auf 100 in 16,2 Sekunden.

© Fiat Deutschland
Das schafft der Jeep Avenger 4xe, ein Plug-in-Hybrid mit 145 PS Systemleistung, in nur 9,5 Sekunden. Im ADAC Offroad-Zentrum Rhein-Main in Bauschheim bei Rüsselsheim ließ sich das allerdings nicht beweisen. Dort geht es stets vorsichtig und schön langsam zu, auf einem 25.000 Quadratmeter großen Übungsgelände mit steilen Auf- und Abfahrten, engen Kurven und in Schräglage passierbaren Strecken, einer Wasserdurchfahrt – kurzum mit allem, was man für solch ein Abenteuer jenseits der Straße benötigt.

© Jeep Deutschland
Denn auch Jeep hatte parallel zum „Test Drive“ gebeten, gemeinsam mit Fiat gehören schließlich beide Marken zum Konzern Stellantis. Nicht „Dolce Vita“ also, sondern „Adventure“, vorgeführt am Avenger 4xe und dem Compass 4xe, dekoriert mit einem auf einer Anhöhe geparkten Ur-Jeep der US Army aus den vierziger Jahren.

© Jeep Deutschland
Den Avenger gibt es auch als e-Hybrid, als reines E-Mobil und sogar als Benziner mit Schaltgetriebe. Passend zum 85-jährigen Jubiläum der Marke ist das Modelljahr 2027 schon bestellbar, eine Weiterentwicklung des meistverkauften Jeeps in Europa, abgestimmt auf hiesige Kundenwünsche. Dazu gehören für den klassischen Kühlergrill eine Hintergrundbeleuchtung in den Topversionen, LED-Scheinwerfer, automatisches Fernlicht, schlüsselloser Start, Tempomat, eine automatische Klimaanlage und nicht zuletzt eine zusätzliche 360-Grad-Frontkamera.
Die hat sich besonders im Gelände sehr bewährt. Der Wagen ist zwar über einen Kippschalter leicht auf den jeweiligen Untergrund einzustellen, diesmal „Sand & Mud“. Auch der Böschungswinkel wurde auf bis zu 22 Grad Anfahrwinkel und 35 Grad Abfahrwinkel optimiert, mit einer Bodenfreiheit von bis zu 210 Millimeter. Schiebt sich der Wagen aber die steilen Hänge hinauf, ist hinter seiner aufragenden Motorhaube nichts mehr zu sehen. Hinab bleibt es eine Fahrt ins Nirgendwo, das Abkippen ohne Blick auf den vorderen Wagen eine Mutprobe. Mit der Kamera dagegen: Freie Sicht nach allen Seiten.