Der Mufflon ist unerwünscht: Südtirol will ganzer Art an den Kragen
Südtirol will kompletter Tierart an den Kragen
Stand: 15.09.2026, 19:54 Uhr
Die Provinz Bozen erklärt den Mufflon zur unerwünschten Art – und wendet dabei eine Methode an, die auch Kritiker auf den Plan ruft.
Bozen – Neun Männchen, zehn Weibchen, drei Lämmer – das ist die nüchterne Bilanz eines beispiellosen Feldzugs gegen Mufflons in den Südtiroler Bergen. Seit 2016 haben Forstkorps und Berufsjäger der Provinz Bozen insgesamt 19 Mufflons abgeschossen. Das letzte Tier, ein Junges, fiel im Jahr 2021 im Gebiet um Tiers. Seitdem gilt Südtirol offiziell als muffelfrei – doch der Einsatz geht weiter.

Denn wer glaubt, die Sache sei erledigt, irrt sich. Sobald ein einzelnes Tier gesichtet wird, rücken Wildhüter sofort aus. Landesrat Luis Walcher, zuständig für Landwirtschaft und Forsten, machte das in seiner Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Andreas Colli im Südtiroler Landtag klar: Die Behörden seien bereit, „sporadische Vorkommen so schnell wie möglich zu beseitigen.“
Mufflon-Abschuss in Südtirol: fremde Art, fremde Regeln
Der Mufflon stammt ursprünglich aus Westasien – in Südtirol war er nie heimisch. Laut Corriere dell‘Alto Adige geht die Provinz davon aus, dass die Tiere illegal ausgesetzt wurden. Das Jagd- und Fischereiamt schloss bereits 2019 aus, dass die Herden auf natürlichem Weg aus dem benachbarten Trentino eingewandert seien. Im Trentino hingegen wurden Mufflons in den 1970er-Jahren mit behördlichem Segen aus Sardinien eingeführt.
Walcher begründet die Ausrottungspolitik ökologisch: Die Tiere „konkurrieren um Lebensraum und Nahrung mit geschützten einheimischen Wildtierarten wie Gämse und Reh.“ Das lokale Nachrichtenportal BZ News 24 stellt diese Begründung aber infrage: Bei gerade 19 erlegten Tieren in sechs Jahren und einer Präsenz, die die Behörden selbst als sporadisch bezeichnen, fehlen konkrete Daten aus Südtirol – etwa zur tatsächlichen Überschneidung der Lebensräume oder zu nachgewiesenen Schäden an heimischen Beständen von Gämsen, Steinböcken oder Rehen. Das Risiko sei eher ein potenzielles als ein belegtes.
Trentino und Südtirol: zwei Provinzen, ein Tier, zwei Wege
Ein Blick über die Grenze zeigt, wie unterschiedlich die Nachbarregionen mit derselben Tierart umgehen. Im Trentino wuchs die Mufflonpopulation einst auf über 1400 Tiere an – bis der Wolf zurückkehrte. Seit 2019 brach der Bestand ein, heute zählt man noch rund 400 Exemplare. Trotzdem hat die Provinz Trient für die laufende Jagdsaison 2026/2027 den Abschuss von 129 Tieren genehmigt – auch dort mit dem Argument der nicht heimischen Art, wie der Corriere dell‘Alto Adige berichtet.
Südtirol hat sein Ziel bereits erreicht: vollständige Ausrottung. Die Überwachung läuft trotzdem weiter. In Südtirol verletzte indes ein Wolf jüngst eine Wanderin. Dort gab es zuletzt auch eine gefährliche Seuche. (Quellen: Corriere dell‘Alto Adige, BZ News 24) (cgsc)