Swiss vs. Lufthansa: Crews verweigern still die Konzern-Ansage

Publiziert19. Juli 2026, 18:02

Einfluss wächstSwiss-Mitarbeitende protestieren still gegen Lufthansa-Ansage

Seit Februar sollen die Flugbegleiter die Zugehörigkeit zur Lufthansa Group erwähnen. Viele Crews lassen den Satz jedoch bewusst weg – aus stillem Protest gegen den Mutterkonzern.

Jasmin Steiger

Darum gehts

  • Die Lufthansa greift immer stärker in das Geschäft der Swiss ein – von Flugplänen über Preise bis zum Vielfliegerprogramm.
  • Auslöser des aktuellen Unmuts ist eine neue Pflicht-Ansage, die Swiss als Teil der Lufthansa Group ausweist – viele Crews verweigern sie still.
  • Die Swiss ist eine der profitabelsten Airlines der Welt: In drei Jahren machte sie fast zwei Milliarden Franken Gewinn.

Bei der Schweizer Airline «Swiss» brodelt es. Grund ist eine scheinbar kleine Änderung, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Seit Februar sollen nämlich die Flugbegleiter in der Begrüssung erwähnen, dass Swiss zur Lufthansa Group gehört – nicht mehr, wie bisher üblich, zur Star Alliance. Aber viele Swiss-Crews lassen diesen Satz bewusst weg.

Was den Passagieren wohl kaum auffällt, ist für die Mitarbeitenden ein Symbol. Einige identifizieren sich nicht damit, die deutsche Muttergesellschaft hervorzuheben. Wie die «NZZ am Sonntag» schreibt, sei das Weglassen dieser Ansage laut mehreren Quellen ein stiller Protest.

Swiss gehört zu den profitabelsten Airlines der Welt

Hintergrund für diesen Protest ist eine Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet: Die Lufthansa greift immer stärker in das Geschäft der Swiss ein. Entscheidungen zu Flugplänen, Preisen oder dem Vielfliegerprogramm sollen heute zentral im Konzernhauptsitz in Frankfurt getroffen werden.

Die Fluggesellschaft Swiss gehört seit 2005 zum Mutterkonzern «Lufthansa-Group». (Symbolbild)

Die Fluggesellschaft Swiss gehört seit 2005 zum Mutterkonzern «Lufthansa-Group». (Symbolbild)Imago/Chromorange

Für viele Swiss-Mitarbeitende ist das frustrierend. «Wir haben immer geglaubt, dass man nur genügend Gewinne nach Frankfurt schicken müsse, dann werde man in Ruhe gelassen», sagt eine Person gegenüber der «NZZ am Sonntag». Die Swiss gilt als eine der profitabelsten Airlines der Welt. In den letzten drei Jahren machte sie zusammengerechnet fast zwei Milliarden Franken Gewinn. Wie die «NZZ am Sonntag» schreibt, sind das rund 700 Millionen mehr als alle Passagier-Airlines des Konzerns (Lufthansa, Austrian Airlines, Brussels Airlines) zusammen.

«Swiss bleibt Swiss – auch mit der Lufthansa»

Als die Swiss 2005 von der Lufthansa übernommen wurde, versprach der damalige Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber: «Swiss bleibt Swiss, auch mit der Lufthansa.» Marke, Sitz in Zürich und Eigenständigkeit sollten erhalten bleiben. Es funktionierte am Anfang auch: Die Swiss trat selbstbewusst auf und entwickelte sich zur Ertragsperle im Konzern.

Mit der Zeit wurden aber die Strukturen vereinheitlicht. Spätestens mit der Reorganisation 2016 änderte sich vieles: Swiss-Mitarbeitende berichten von weniger Autonomie und stärkerem Druck, im Sinne des Gesamtkonzerns zu handeln.

Die legendären Swiss-Schöggeli dürfen bleiben

Und auch jetzt, zehn Jahre später, treibt die Lufthansa die Integration weiter voran. Projekte wie «One IT» oder «One Excellence» sollen Prozesse im ganzen Konzern vereinheitlichen. «Wir werden die Umsetzung wohl noch dieses Jahr abschliessen», sagte Fehlinger im Frühling im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Was denkst du über die zunehmende Integration der Swiss in die Lufthansa Group?

Ich finde es gut, das schafft Stabilität und Synergien.

Schade, die Swiss sollte ihre Eigenständigkeit bewahren.

Solange der Service stimmt, ist es mir egal, wer dahintersteckt.

Das ist eine logische Entwicklung in der heutigen Airline-Branche.

Ich habe dazu keine starke Meinung.

Für die Swiss bleibt vor allem das sogenannte Bordprodukt: also Dinge wie Service, Kabinendesign oder Verpflegung – so auch die Swiss-Schöggeli und die Sbrinz-Häppli. Aber selbst hier gibt es Unsicherheiten. Einige befürchten, dass auch diese Unterschiede irgendwann verschwinden könnten.

Gibt es bald eine europäische Airline?

In der Branche wird jetzt diskutiert, ob langfristig eine einheitliche europäische Airline entstehen könnte. Das würde Kosten sparen – aber wohl auch das Ende der Marke «Swiss» bedeuten. Die Airline selbst weist solche Szenarien zurück. Man bleibe eine eigenständige Marke mit Schweizer Identität, heisst es.

Auch am früheren Versprechen hält Swiss fest: Trotz Lufthansa soll Swiss Swiss bleiben – mit eigenem Auftritt und Angebot. Gleichzeitig betont die Airline, dass sie stark von der Lufthansa profitiert, etwa durch ihre Grösse und Stabilität.

Intern sehen das nicht alle so. Ein Mitarbeiter bringt es auf den Punkt: «Es würde mich nicht überraschen, wenn ich in zehn Jahren eine Lufthansa-Uniform tragen werde.»

Bleiben Sie über Wirtschaftsthemen informiert

Wenn Sie die Benachrichtigungen des Wirtschaftskanals abonnieren, bleiben Sie stets top informiert über die Entwicklungen der Business-Welt. Erfahren Sie dank des Dienstes zuerst, welcher Boss mit dem Rücken zur Wand steht oder ob Ihr Job bald durch einen Roboter erledigt wird. Abonnieren Sie hier den Wirtschafts-Push (funktioniert nur in der App)!

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten auf «Profil», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Wähle hier die gewünschten Themen aus.

Social Media

Jasmin Steiger

Jasmin Steiger (jst) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie arbeitet am Newsdesk und schreibt über verschiedenste Themen.

Deine Meinung zählt