Szymon Wlodarczyk: „Vor zwei Monaten hätte das niemand gedacht“ | Kleine Zeitung

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Von vielen abgeschrieben, plötzlich im Rampenlicht. Sturms Stürmer erklärt nach seinem Tor in Tirol, wie er sich zurückkämpfte und warum es nicht in Frage kommt, sich darauf auszuruhen.

Szymon Wlodarczyk traf bei der WSG Tirol

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Szymon Wlodarczyk traf bei der WSG Tirol

Peter Altmann

Peter Altmann

vor 40 Minuten

2. August 2026 um 18:00

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass nach einer Partie, in der ein Stürmer angeschrieben hat, die fehlende Effizienz das Hauptthema war. Über die Treffsicherheit der Angreifer des SK Sturm wurden in der jüngeren Vergangenheit schon zahlreiche Debatten geführt. Das schlagkräftigste Argument für Stürmer sind nun mal Tore. Szymon Wlodarczyk gelang beim 1:1 bei der WSG Tirol eines – und dies ist in vielerlei Hinsicht speziell.

„Niemand hätte noch vor zwei Monaten gedacht, dass ich der erste Torschütze von Sturm in dieser Bundesliga-Saison sein würde“, vermutet der Pole wohl nicht zu Unrecht. Man könnte sogar noch weiter gehen und behaupten, dass so manche Beobachter damals nicht auf dem Zettel hatten, den 23-Jährigen überhaupt noch einmal im Trikot der Grazer spielen zu sehen. Doch Wlodarczyk hat die vergangenen Wochen bestens genutzt. In einer aus Sicht der Schwarz-Weißen bislang an Wohlfühl-Geschichten nicht armen Spielzeit gehört er zweifelsohne zu den bemerkenswertesten Kapiteln.

2024 eroberte Szymon Wlodarczyk (l.) mit Sturm den Meistertitel

© GEPA

2024 eroberte Szymon Wlodarczyk (l.) mit Sturm den Meistertitel

Spulen wir drei Jahre zurück. Mit großen Hoffnungen, die nächste Stürmer-Aktie für die Zukunft zu sein, kam das damals 20-jährige Talent zu Sturm und unterschrieb bis Sommer 2027. Das Investment ging nur bedingt auf. Am Ende der Saison stand zwar der Meistertitel und mit acht Pflichtspieltreffern im Herbst stimmte auch der erste Eindruck. Doch in der entscheidenden Phase wurde die Einsatzzeit immer geringer.

In den vergangenen beiden Spielzeiten folgten leihweise Wechsel zu Salernitana in die Serie B und in die Ehrendivision zu Excelsior Rotterdam. Zwei im Rückspiegel betrachtet unglückliche Episoden. „Natürlich wollte ich, dass es besser läuft“, sagt Wlodarczyk, der das Pech hatte, nicht einmal die Chance zu haben, die jeweilige Leihe abzubrechen und sich im Winter einen neuen Verein zu suchen. Nach sommerlichen Einsätzen in Graz im Cup beziehungsweise bei Sturm II in der 2. Liga hatte er das Maximum von zwei Vereinen pro Saison bereits erreicht.

Die erste Leihe führte Szymon Wlodarczyk nach Italien zu Salernitana

© IMAGO

Die erste Leihe führte Szymon Wlodarczyk nach Italien zu Salernitana

Dies fiel ihm speziell in Italien auf den Kopf, als der Verein die Entscheidung traf, im Frühjahr nicht mehr auf ihn zu setzen. „Dass ich teilweise nicht gespielt habe, lag nicht an meinen Fähigkeiten oder meiner Einstellung“, begründet er und ist trotzdem der Meinung, dass ihn diese unbefriedigende Zeit unter dem Strich weitergebracht habe. Er habe sie genutzt, um an sich zu arbeiten: „An mentalen Dingen, ich habe versucht mich technisch zu verbessern, an meiner Schusstechnik gefeilt – typisches Stürmer-Zeugs eben. Auch wenn es teilweise hart war, habe ich das Positive aus dieser Phase mitgenommen. Sowohl physisch als auch psychisch hat mich diese Zeit definitiv stärker gemacht.“

Bei seiner Rückkehr nach Graz sei er nicht nur zu 100 Prozent entschlossen gewesen, seine Chance zu nutzen: „Sondern ich war auch vom ersten Tag an ready dafür.“ Um besagte Chance nutzen zu können, brauchte es mit Fabio Ingolitsch einen Trainer, der ihm überhaupt eine faire Gelegenheit gab. Ein Jahr zuvor musste er nach der Rückkehr von seiner ersten Leihe direkt zur zweiten Mannschaft. „Diesmal konnte ich mich präsentieren und mich von einer guten Seite zeigen.“

Die vergangene Saison verbrachte Szymon Wlodarczyk bei Excelsior Rotterdam

© IMAGO

Die vergangene Saison verbrachte Szymon Wlodarczyk bei Excelsior Rotterdam

Vom Kopf und Körper her gut vorbereitet, betrachtete er es als entscheidend, in den Testspielen aufzuzeigen. Die Aufgaben des Trainers zu erfüllen, sei ein entscheidender Faktor gewesen, der andere sind Tore. „Wenn du an Stürmer denkst, ist die erste Frage, ob er Tore schießt“, grinst Wlodarczyk. Vor dem Treffer am Tivoli netzte er auch im Cup in Seekirchen.

Ingolitsch beschreibt er als kommunikativen Trainer: „Er spricht sehr viel mit den Spielern, jeder hat in der Vorbereitung seine Chance bekommen.“ Auch angesichts des Konkurrenzkampfs musste man nicht damit rechnen, dass Wlodarczyk einer der frühen Gewinner sein würde. Mit Nelson Weiper wurde ein ähnlicher Stürmer-Typ verpflichtet, auch Seedy Jatta, Belmin Beganovic, Axel Kayombo und Maurice Malone gehören dem Kader an und sind fit. „Wir haben viele qualitativ gute Jungs, einige sind noch jünger als ich“, erklärt der 23-Jährige, „du kannst dich keinen Moment ausruhen und dir denken, wenn ich treffe, spiele ich mit Sicherheit.“

Wenn du als Stürmer Tore erzielst, ist jeder happy, du fühlst dich besser und es erhöht die Chance zu gewinnen.

— Szymon Wlodarczyk

Wlodarczyk möchte sich keinesfalls zurücklehnen und ist vielmehr entschlossen, den ersten Eindruck diesmal nachhaltig zu bestätigen. „Ich bin überzeugt, dass ich dem Team mit meinen Qualitäten helfen kann“, nennt er seine Tore beziehungsweise das erste Heimspiel in Liebenau gegen Hearts als „gute Flashback-Momente“ an sein erstes Sturm-Jahr: „Das motiviert mich, dass dies das Level und der Ort ist, an dem ich sein möchte.“

Was die Zukunft bringt, wird sich weisen. Das persönliche Ziel liegt auf der Hand. Weitere Tore, und zwar so viele wie möglich. „Wenn du als Stürmer Tore erzielst, ist jeder happy, du fühlst dich besser und es erhöht die Chance zu gewinnen. Am liebsten würde ich in jedem Spiel Tore erzielen, aber das wird nicht möglich sein“, so Wlodarczyk.

Die nächste Gelegenheit gibt es beim Hit gegen Fenerbahce. „Das wird ein interessantes Spiel, in dem alles möglich ist. Wir sind gut in Form“, meint der Pole, für den es auch ein Wiedersehen mit Gornik Zabrze geben hätte können. Doch sein Ex-Klub scheiterte knapp an den Türken: „Offenbar hat das Schicksal nicht vorgesehen, dass wir gegeneinander spielen.“