Tag des Handwerks: 130 Schüler flechten Haare, schmirgeln Brillen und bauen Handyhalterungen

Stand: 03.08.2026, 08:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Ihr Handwerk stellten neun Betriebe aus dem Raum Erding an der Herzog-Tassilo-Realschule vor. Franz Eigenschenk, Schulleiterin Judith Heugel und Tobias Leyh (v.r.) freuen sich über den Besuch.

Ihr Handwerk stellten neun Betriebe aus dem Raum Erding an der Herzog-Tassilo-Realschule vor. Franz Eigenschenk, Schulleiterin Judith Heugel und Tobias Leyh (v.r.) freuen sich über den Besuch. © Tanja Maier

An der Herzog-Tassilo-Realschule in Erding verwandeln sich Klassenzimmer in Werkstätten. Neun Betriebe bringen den Achtklässlern in 90-Minuten-Workshops ihr Handwerk bei.

Erding – Zwischen Spiegeln, Scheren und bunten Puppenköpfen herrscht geschäftiges Treiben. Während an einer Station Locken gedreht werden, entstehen an der nächsten Flechtfrisuren. Daneben erklären Friseurinnen, worauf es bei einer guten Beratung ankommt, und rühren sorgfältig Bleichmittel an. Das Klassenzimmer hat sich an diesem Tag in einen Friseursalon verwandelt – eine von vielen Stationen beim Tag des Handwerks an der Herzog-Tassilo-Realschule in Erding.

Flechten am Puppenkopf übt Kilian Braun. Friseurmeisterin Veronika Gaigl zeigt wie es geht.

Flechten am Puppenkopf übt Kilian Braun. Friseurmeisterin Veronika Gaigl zeigt, wie es geht. © Tanja Maier

Vor vier Jahren führte das Kultusministerium an den weiterführenden Schulen den Aktionstag ein. Praxisnahe Angebote, Informationen über die regionalen Betriebe und die vielfältigen Karrierechancen werden den Realschülern nähergebracht. „Wir gestalten den Tag sehr aufwendig, indem wir uns neun Betriebe ins Haus holen“, sagt Franz Eigenschenk, Koordinator für berufliche Orientierung an der Schule.

Neun Betriebe für 130 Schüler

„Es sind ein paar Talente dabei, das denken die Jungs immer gar nicht“, sagt Veronika Gaigl von Gaigls Friseurteam in Erding. Vier Friseurinnen aus der Innung berichten an verschiedenen Stationen über ihr Handwerk. An einer Flechtfrisur an einem Puppenkopf übt sich Kilian Braun. „Von außen die Strähnen hinzuführen“, rät ihm Gaigl. Bei dem Schüler läuft es bereits rund: „Ich habe eine beste Freundin, der ich immer die Haare geflochten habe“, erzählt er. Er könne sich gut vorstellen, eine Ausbildung als Friseur anzugehen.

„Die Feinmotorik ist bei uns eines der wichtigsten Dinge“, weiß Gaigl. „Das haben manche, und manche lernen es dann. Keiner kann von Beginn an alles.“ Neben den Frisuren sei die Beratung einer der wichtigsten Punkte in der Ausbildung: „Das unterschätzen viele, aber Beratung von Haarstruktur, Gesichtsform – das ist die Basis von dem, wie wir arbeiten“, erklärt sie. „Bei uns ist es mehr ein Frauenberuf. Es sind aber immer Jungs in den Workshops. Wir wollen auch sie im Beruf haben.“

Rund 130 Schüler der achten Jahrgangsstufen lernen in den Workshops Neues zu den Handwerksbetrieben. „Ziel ist es, dass den Schülern das Handwerk nähergebracht wird und sie praktische und theoretische Einblicke in das Gewerbe bekommen“, erklärt Eigenschenk. Seine Erfahrung zeige, dass die Jugendlichen oft gar nicht wissen, was hinter den Berufen stecke. Die Firmen seien dazu angehalten, die Schüler ebenfalls über die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu informieren.

„Aus buntem Stoff schneidet Jonas Reichert einen Kreis aus. „Wir machen mit Stoff überzogene Knöpfe“, erklärt Anna Lohner von Raumausstatter Michael Waldinger aus Neufinsing. Gemeinsam ziehen sie den Stoff glatt, legen ihn um den Knopf und pressen alles mit kräftigem Druck in die Form. Reichert hält einen perfekt überzogenen Knopf in der Hand, den er mit nach Hause nehmen darf. „Total cool“ findet der Schüler das Ergebnis und den Workshop.

Handyhalterung und Schlüsselanhänger

Jeder der Betriebe bietet 90 Minuten an. Die Schüler können selbst drei Betriebe auswählen. Jeder Kurs verbindet Theorie und Praxis. „Wir machen das, damit die Schüler das Handwerk richtig kennenlernen können.“ Lehrer Tobias Leyh ergänzt: „Im Endeffekt sind es drei Mikropraktika.“

Mit viel Kraft fertigt Jonas Reichert einen Knopf an. Anna Lohner (r.) von Raumaustatter Michael Waldinger.

Mit viel Kraft fertigt Jonas Reichert einen Knopf an. Anna Lohner (r.) von Raumausstatter Michael Waldinger hilft dabei. © Tanja Maier

Kunststoffbearbeitung sei ein praktischer Teil der Ausbildung zum Optikerberuf, weiß Lisa Becker von Fielmann. Die Aufgabe für die Schüler sei es, die scharfen Kanten einer kleinen Brille abzuschmirgeln, die sie später als Anhänger am Schlüsselbund anbringen können. „Alle meine Brillen sind von Fielmann, und mich interessiert, wie der Beruf Optikerin so ist“, erzählt Schülerin Feli Mauersberger. Und das Schmirgeln mache Spaß, ergänzt Rebecca Istoc.

„Wir finden den Tag des Handwerks sehr wichtig, weil die Schüler den direkten Kontakt mit den verschiedenen Handwerksbetrieben nutzen können, um Fragen zu stellen“, sagt Schulleiterin Judith Heugel. „Es wäre wünschenswert, dass fruchtbare Kontakte entstehen, sodass der ein oder andere ermutigt wird, sich bei einem der Betriebe zu bewerben.“ Sie betont die nach wie vor große Bedeutung des Handwerks und dass die Realschule viele Schüler auf eine Ausbildung im Handwerk vorbereitet.

Eine Handyhalterung oder eine Stiftebox fertigen die Jugendlichen im Workshop von Huber Technik aus Erding an. „Die Jungs machen sich alle gut“, sagt Simon Schrafen, Meister und Ausbilder im Maschinenbau. Er empfiehlt eine Ausbildung im Unternehmen, weil der Arbeitsalltag dort besonders vielseitig sei. Die Lehrlinge dürften nicht nur in der Lehrlingswerkstatt arbeiten, sondern auch in der Produktion.

„Das Feedback der Schüler ist im Nachgang immer sehr gut“, berichtet Eigenschenk aus Erfahrung. Auch viele Betriebe nähmen bereits zum wiederholten Mal teil und lobten den Aktionstag.