Tanken wird in Österreich deutlich günstiger – was deutsche Autofahrer wissen sollten
Stand: 24.09.2026, 07:47 Uhr
Kommentare
Steuern runter, Margen begrenzt: Österreich greift erneut in die Spritpreise ein. Auch Deutschland entlastet Autofahrer ab Oktober.
München – Österreich verschärft seine Spritpreisbremse – und nimmt dabei nicht nur Steuern zurück, sondern begrenzt auch die Margen der Mineralölwirtschaft. Ab Oktober sollen Benzin und Diesel an österreichischen Tankstellen um mehr als zwölf Cent je Liter günstiger werden. Die Regelung gilt zunächst für zwei Monate.

Auch für Autofahrer aus Deutschland ist die Entscheidung interessant. Tanken ist in Österreich derzeit vielerorts deutlich günstiger als hierzulande. Allerdings zieht Deutschland ebenfalls nach: Ab Oktober soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel so stark sinken, dass an der Zapfsäule eine Entlastung von rund 17 Cent je Liter möglich wird.
Österreich senkt Spritpreise um mehr als zwölf Cent
Die österreichische Bundesregierung senkt die Mineralölsteuer ab Oktober um 6,7 Cent pro Liter. Bei Diesel fällt die Steuer damit auf das europarechtlich zulässige Mindestniveau.
Damit allein ist die Entlastung allerdings noch nicht erreicht. Zusätzlich begrenzt Österreich die Margen der Mineralölwirtschaft um 3,5 Cent pro Liter. Weil auf einen niedrigeren Nettopreis anschließend auch weniger Mehrwertsteuer anfällt, ergibt sich insgesamt eine Entlastung von etwas mehr als zwölf Cent je Liter.
Bei einer Tankfüllung von 50 Litern entspricht das einer Ersparnis von gut sechs Euro.
Die stärkere Spritpreisbremse soll zunächst für Oktober und November gelten. Wie es anschließend weitergeht, soll von der Entwicklung der Energiepreise und der Lage im Nahen Osten abhängen.
Spritpreisbremse gab es bereits im Frühjahr
Neu ist das Instrument nicht. Österreich hatte bereits im Frühjahr auf die stark gestiegenen Kraftstoffpreise reagiert. Damals senkte der Staat die Mineralölsteuer und schuf zugleich die Möglichkeit, außergewöhnlich hohe Margen entlang der Wertschöpfungskette zu begrenzen.
Die Entlastung wurde anschließend immer wieder an die aktuelle Marktlage angepasst. Im September war die Mineralölsteuer nur noch um 1,9 Cent je Liter reduziert, der Eingriff in die Margen war ausgesetzt.
Nun kehrt die Preisbremse in deutlich stärkerer Form zurück.
Kanzler Stocker spricht von „Trumpflation“
Bundeskanzler Christian Stocker begründet die Maßnahme mit der erneuten Eskalation im Nahen Osten und stark gestiegenen Treibstoffpreisen. Er spricht von einer sogenannten „Trumpflation“.
Damit verbindet der ÖVP-Politiker die Preisentwicklung mit der Politik von US-Präsident Donald Trump und den geopolitischen Folgen des Konflikts. Stocker erklärte, die österreichische Regierung wolle verhindern, dass die gestiegenen Energiepreise dauerhaft die Kaufkraft der Haushalte und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen belasteten.
Die Bezeichnung „Trumpflation“ ist dabei eine politische Wertung der österreichischen Regierung, keine ökonomisch allgemein anerkannte Bezeichnung für den derzeitigen Preisanstieg.
Österreich greift auch bei Konzernmargen ein
Bemerkenswert ist vor allem, dass Österreich nicht ausschließlich auf eine Steuersenkung setzt. Zusätzlich greift die Regierung in die Margen der Mineralölwirtschaft ein.
Das Modell unterscheidet sich damit vom derzeitigen deutschen Vorgehen. Hierzulande soll zunächst vor allem die Energiesteuer sinken. Einen Spritpreisdeckel plant die Bundesregierung erst als zusätzliches Instrument für Anfang 2027.
Österreich verfolgt dagegen schon jetzt einen zweigleisigen Ansatz: Der Staat verzichtet auf einen Teil seiner Steuereinnahmen, gleichzeitig sollen auch die Mineralölunternehmen einen Beitrag zur Entlastung leisten.
Deutschland senkt Spritsteuer um 14 Cent
Auch die Bundesregierung hat wegen der hohen Kraftstoffpreise ein neues Entlastungspaket beschlossen. Vom 1. Oktober bis zum Jahresende soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent pro Liter sinken.
Da auf die niedrigere Energiesteuer anschließend auch weniger Umsatzsteuer anfällt, ergibt sich nach Berechnungen der Bundesregierung eine Gesamtentlastung von rund 17 Cent pro Liter.
Bei einer Tankfüllung von 50 Litern wären das theoretisch rund 8,50 Euro weniger. Voraussetzung ist allerdings, dass die Steuersenkung entsprechend an die Verbraucher weitergegeben wird.
Preisabstand zwischen Deutschland und Österreich könnte kleiner werden
Für deutsche Autofahrer ist deshalb ein Punkt wichtig: Österreich bleibt zwar voraussichtlich ein günstigeres Tankland. Die neue Spritpreisbremse dürfte den Preisabstand zu Deutschland aber nicht automatisch vergrößern.
Im Gegenteil: Die deutsche Entlastung fällt mit rund 17 Cent je Liter rechnerisch sogar höher aus als die österreichische von etwas mehr als zwölf Cent. Wenn beide Maßnahmen vollständig an den Tankstellen ankommen und sich die übrigen Preisbestandteile nicht verändern, könnte sich der Abstand zwischen beiden Ländern zunächst etwas verkleinern.
Wie groß der Unterschied tatsächlich ausfällt, lässt sich allerdings nicht allein aus den Steuersenkungen ableiten. Neben den Steuern bestimmen unter anderem Rohölpreise, Raffinerie- und Transportkosten sowie die Margen der Mineralölunternehmen den Endpreis.
Tanken ist in Österreich derzeit weiterhin günstiger
Aktuell besteht dennoch ein deutlicher Preisunterschied. Während Superbenzin in Deutschland zuletzt bundesweit bei mehr als 2,30 Euro je Liter lag, kostete Benzin in Österreich im Durchschnitt knapp zwei Euro.
Damit bleibt der Tankstopp im Nachbarland insbesondere für Pendler, Urlauber und Autofahrer in Grenzregionen attraktiv. (Quellen: ORF, Der Standard, Tagesschau) (mare)