«Tanker für Tanker«: Trump zündet im Kampf um Hormuz nächste Eskalationsstufe
«Tanker für Tanker»: Trump zündet in der Strasse von Hormuz die nächste Eskalationsstufe
Der Kampf um die Meerenge intensiviert sich erneut. Zum ersten Mal griffen die USA auch iranische Erdöltanker an. Teheran nahm im Gegenzug amerikanische Militärstützpunkte im Nahen Osten ins Visier. Trump ruft die Iraner erneut zum Umsturz auf.
02.09.2026, 13.30 Uhr
4 Leseminuten

Iranische Schiffe sind derzeit im Hafen von Bandar Abbas blockiert.
Majid Asgaripour / Wana News Agency via Reuters
Den USA ist es gelungen, einen von Iran unabhängigen Seeweg in der Strasse von Hormuz in omanischen Küstengewässern zu etablieren. Doch Teheran will sich die Kontrolle über die Meerenge um keinen Preis nehmen lassen. Sporadisch gelingt es den Revolutionswächtern weiterhin, Erdöltanker der arabischen Golfstaaten zu treffen. Deshalb hat sich der amerikanische Präsident Donald Trump nun entschieden, es Iran mit gleicher Münze zurückzuzahlen: Erstmals griffen die USA am Dienstag zwei iranische Tankschiffe an.
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Washingtons neue Spielregel in der Strasse von Hormuz laute «Tanker für Tanker», erklärte ein Regierungsmitarbeiter dem Nachrichtenportal «Axios». Das Weisse Haus erhofft sich davon, die Iraner von weiteren Angriffen auf Frachtschiffe, die ohne iranische Erlaubnis durch die Meerenge fahren, abzuschrecken.
Absage an Diplomatie
Neben den Tankern griff das amerikanische Militär am Dienstag weitere Ziele entlang der iranischen Küste am Persischen Golf an. Unter anderem seien Flugabwehr- und Radarsysteme sowie militärische Ausrüstung zum Auslegen von Minen und im Bereich Kommunikation getroffen worden, erklärte das Zentralkommando im Nahen Osten am Mittwoch.
Washington möchte mit der Operation verhindern, dass die iranischen Streitkräfte die im bisherigen Krieg zerstörte Infrastruktur an der Küste wieder aufbauen können, um Schiffe in der Meerenge anzugreifen. Mit den jüngsten Angriffen habe man die Gefahr von iranischen Attacken auf Schiffe in der Strasse von Hormuz ungefähr für einen Monat reduziert, heisst es aus amerikanischen Regierungskreisen.
Womöglich lief bei der Angriffswelle aber nicht alles nach Plan. Wie iranische Medien berichten, sollen amerikanische Raketen in der Nähe der Küstenstadt Kuhestak in einem Wohngebiet auch eine Hochzeitsgesellschaft getroffen haben. Dabei wurden angeblich fünf Personen getötet und über 50 weitere verletzt. Man kenne die Berichte in den iranischen Staatsmedien, erklärte ein Sprecher des amerikanischen Militärs. Aber die USA nähmen nie Zivilisten ins Visier. Unabhängig lässt sich der Vorfall bis jetzt schwer überprüfen. Bereits am ersten Kriegstag im Februar schlug ein amerikanisches Geschoss in einer iranischen Schule ein. Über 150 Personen, unter ihnen mehrheitlich Kinder, kamen ums Leben.
Auf Truth Social hat Donald Trump das Regime in Teheran am Dienstag davor gewarnt, zurückzuschlagen: «Sollte Irans gescheiterte Nation diesen gerechtfertigten Angriff vergelten, wird sie noch viel härter getroffen werden», schrieb der amerikanische Präsident. «Wenn es vorbei ist, wird sehr wenig von der Islamischen Republik übrig bleiben.» Am Mittwoch legte Trump noch einmal nach. Er befinde sich nun in einer viel besseren Position und wolle Teheran gar nicht mehr an den Verhandlungstisch zwingen, so gab sich Trump auf seinem Kurznachrichtendienst siegesgewiss. Die USA hätten fast eine totale Kontrolle über die Strasse von Hormuz, und die iranische Wirtschaft kollabiere. Erneut rief er zum Sturz des Regimes auf: «Wann wird sich das iranische Volk endlich erheben und kämpfen?»
Iran meldet Minenexplosion
Doch Teheran gibt sich bis jetzt unbeeindruckt. Seine Streitkräfte reagierten auch dieses Mal umgehend mit Vergeltungsangriffen. Sie attackierten amerikanische Militärbasen und weitere Ziele mit ballistischen Raketen und Drohnen in Jordanien, im Irak, Kuwait und Bahrain. Das jordanische Militär meldete, es habe insgesamt 10 ballistische Raketen abgefangen, 3 hätten in unbewohnten Gebieten eingeschlagen.
Gemäss den iranischen Revolutionswächtern liefen am Mittwoch zwei Erdöltanker in der Strasse von Hormuz auf Minen auf. Ihre Besatzungen seien vom amerikanischen Militär evakuiert worden. Sollte sich dies bestätigen, würde es Trumps Beteuerungen widerlegen, dass die Meerenge nun frei von Seeminen sei.
Trump hofft, mit der unbefristeten Seeblockade gegen Iran das Regime zu Konzessionen zu zwingen oder gar dessen Kollaps herbeizuführen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, kann Teheran seit sieben Wochen sein Erdöl nicht mehr auf dem Seeweg exportieren. Iran könne derzeit nur Rohöl an China liefern, das sich bereits auf Tankschiffen in Asien befinde, schreibt Reuters. Die wirtschaftliche Not in Iran dürfte sich deshalb noch weiter zuspitzen. Die Teuerung für Lebensmittel betrug im Juli bereits 130 Prozent. Weil das Land zudem einen Teil seines Benzinbedarfs importieren muss, wird der Treibstoff an den Tankstellen knapp.
Gleichzeitig haben die USA die Strasse von Hormuz noch lange nicht unter ihre Kontrolle gebracht. Für die Schiffe, die das Erdöl der arabischen Golfstaaten unter amerikanischem Schutz nachts durch die Strasse von Hormuz transportieren, bleibt die Passage riskant. Am Mittwoch stiegen die Erdölpreise wieder über 90 Dollar pro Fass. Mit Blick auf die Zwischenwahlen im November in den USA ist das für Trump und seine Republikanische Partei keine gute Nachricht. Durch den unpopulären Iran-Krieg sanken seine Umfragewerte auf einen neuen Tiefpunkt. Nur noch jeder dritte Amerikaner ist zufrieden mit Trumps Regierungsführung.
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