Physio-Zoff: Tarif verursacht im Unfallbereich mehr Kosten

Tarif-Streit bei den Physiotherapeuten

«Das System ist gescheitert»

Nach der Einführung des Zeittarifs im Unfallbereich haben die Kosten zugenommen. Die Gegner einer hart umkämpften Reform sehen sich in ihrer Kritik bestätigt.

Publiziert: 19:15 Uhr

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Aktualisiert: 19:19 Uhr

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft

  • Physios spalten sich: Neuer Verband PROphysio wegen Tarifstreit gegründet
  • Bruttoumsatz pro Stunde könnte unter 100 Franken sinken, warnt ein Kritiker
  • Kosten im Unfallbereich stiegen 2025 um 6 Prozent laut Auswertung
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Simone SteinerBundeshausredaktorin

Anfang Juli kam es zum Knall: Ein Teil der Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten spaltete sich vom Branchenverband Physioswiss ab und gründete den neuen Verband Prophysio. Streitpunkt war die neue Tarifstruktur. Anstatt pauschaler Therapietarife sollen künftig zeitbasierte Tarife pro Einzelleistung gelten.

Einer der prominentesten Gegner der neuen Regelung ist Christoph Landolt, der Mitgründer von Physiozentrum. Seine Firma ist mit 32 Standorten und 400 Mitarbeitenden der grösste Physio-Anbieter der Schweiz.

Der Gesundheitsunternehmer sagt: «Mit der neuen Tarifstruktur würde der Bruttoumsatz pro Stunde unter 100 Franken sinken.» Damit sei das Geschäftsmodell nicht mehr rentabel. Das gefährde auch die Versorgungssicherheit.

Vor allem Grosspraxen rechnen mit finanziellen Einbussen durch die neue Tarifstruktur. Denn sie setzen tendenziell auf kürzere Behandlungszeiten. Dafür stellen sie ihren Patientinnen und Patienten Fitnessräume zur Verfügung, in denen diese selbständig trainieren können.

Kostenanstieg im Unfallbereich

Im Unfallbereich ist der Zeittarif bereits seit einem Jahr in Kraft. «Dieser ist gescheitert!», sagt Landolt. Er verweist auf das neueste Monitoring. Dieses zeigt, dass die Kosten im vergangenen Jahr insgesamt um 6 Prozent über der zwischen Physioswiss und den Unfallversicherern vereinbarten Obergrenze lagen.

«Das ist ein Vorgeschmack darauf, was uns erwartet, wenn wir das neue System auch im Krankenkassenbereich einführen», sagt Landolt. Der enorme Kostenanstieg in kürzester Zeit sei ein Hinweis darauf, dass der Zeittarif mit Fehlanreizen verbunden sei. «Wir dürfen nicht hinnehmen, dass gewisse Praxen länger therapieren, damit sie einen höheren Umsatz erzielen.»

Ganz anders bewertet Physioswiss die Lage. Geschäftsführer Osman Bešić (61) sagt: «Die Behandlungsdauer wurde nicht systematisch ausgeweitet.» Die durchschnittliche Behandlungsdauer betrage mit 32 Minuten praktisch gleich viel wie in früheren Leistungserhebungen.

Die Überschreitung des vereinbarten Kostenkorridors sei von Beginn an einkalkuliert gewesen. Die Anpassung sei keine überraschende Tarifsenkung, sondern eine Rückführung auf den gemeinsam vereinbarten Zielwert.