Meta vor Gericht: Bis zu 200 Milliarden Dollar Busse möglich

Instagram und Facebook machen süchtig, depressiv und krank – zu dem Schluss kommen 29 US-Bundesstaaten, die fast zwei Drittel der US-Bevölkerung repräsentieren. Sie haben darum Meta – den Konzern hinter Instagram, Facebook und Whatsapp – verklagt. In der Nacht auf Mittwoch begannen die Eröffnungsplädoyers. Der Prozess gilt als wegweisend. Wirtschaftsredaktor Pascal Lago ordnet die Vorwürfe ein und erklärt, wieso es für den Tech-Konzern ums Überleben geht.

Pascal Lago

Wirtschaftsredaktor

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Pascal Lago hat Ökonomie in Zürich und St. Gallen studiert. Er arbeitet seit März 2022 als Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF.

Was wird Meta konkret vorgeworfen?

Im Eröffnungsplädoyer sagte die stellvertretende Generalstaatsanwältin von Kalifornien, dass Meta absichtlich Kinder und Jugendliche anfixe und das vor der Öffentlichkeit verberge. Die Plattformen seien bewusst so gestaltet, dass junge Menschen möglichst lange bleiben. Für den Profit würde Meta in Kauf nehmen, dass Jugendliche gesundheitliche Folgen wie Depressionen, Essstörungen, Schlafmangel und Suizidgedanken davontragen.

Wie verteidigt sich Meta gegen die Vorwürfe?

Meta weist die Vorwürfe zurück. Der Konzern betont, er schütze Kinder und Jugendliche und habe weitere Massnahmen ergriffen. Es gebe aber immer eine Abwägung mit der Redefreiheit. Zudem sei nicht eindeutig belegt, dass einzelne Plattformen wie Instagram die Gesundheit von Jugendlichen tatsächlich gefährde.

Welche Beweise wollen die klagenden Bundesstaaten vorlegen?

Die Bundesstaaten haben hunderte Beweismittel zusammengetragen. Dazu gehören E-Mails sowie Aussagen von Whistleblowern und ehemaligen Meta-Mitarbeitenden. Auch Meta-Chef Mark Zuckerberg und Instagram-Chef Adam Mosseri sollen persönlich in den Zeugenstand treten.

Gerichtssaal mit mehreren Personen, Richterin sitzt erhöht.
Legende:

Richterin ist Yvonne Gonzalez Rogers. Sie war bereits Richterin im Fall von Elon Musk gegen OpenAI-Chef Sam Altman. Sie gilt als Unerschrockene, die sich von Tech-Milliardären nicht einschüchtern lässt und Prozesse straff führt. (18.08.2026)

REUTERS/Vicki Behringer

Warum ist dieser Prozess so wegweisend?

Es ist nicht das erste Mal, dass gegen Meta geklagt wird. Wegweisend ist der Prozess aber aus drei Gründen: Erstens wegen der Strafe von bis zu 200 Milliarden US-Dollar. Das entspricht dem Umsatz, den Meta im gesamten letzten Jahr erzielt hat. Zweitens geht es um das Geschäftsmodell per se: Die Kläger fordern von Instagram und Facebook, den Algorithmus anzupassen. Damit stehen Metas Werbeeinnahmen langfristig auf dem Spiel. Und drittens ist es der allererste Prozess, bei dem in den USA so viele staatliche Behörden gemeinsam gegen einen Tech-Konzern vorgehen.

Wie hoch könnte die Strafe tatsächlich ausfallen?

Meta hatte selbst vorgerechnet, mögliche Forderungen könnten theoretisch bis zu 1400 Milliarden US-Dollar betragen und damit die Existenz des Unternehmens bedrohen. Das gilt aber als unwahrscheinlich, weil das US-Gericht Meta damit in den Ruin treiben würde. Jüngsten Angaben der Klägerseite zufolge könnte es eher um rund 200 Milliarden Dollar gehen.

Person hält ein handgeschriebenes Schild hoch.
Legende:

Federführend im Prozess sind zwar Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey. Insgesamt aber haben 29 Bundesstaaten ihre Vorwürfe gebündelt. Damit vertreten die Kläger einen grossen Teil der US-Bevölkerung. (19.08.2026)

EPA/KANOA SHIM-LY

Warum steht gerade Meta im Fokus – und nicht etwa Youtube oder Tiktok?

Meta steht momentan zwar im Rampenlicht, aber es sind zahlreiche ähnliche Klagen geplant. Auch gegen Youtube, Tiktok oder Snapchat. Deshalb wird die Klagewelle auch mit dem Vorgehen gegen die Tabakindustrie in den 1990er-Jahren verglichen, das schliesslich zu Milliardenstrafen und Einschränkungen bei der Werbung führte. Auch damals standen Gesundheit, Sicherheit und Kosten für die Allgemeinheit im Fokus.

Wie geht es mit dem Prozess weiter?

Die Anhörung soll sechs bis acht Wochen dauern. Doch auch mit einem Urteil wäre der Rechtsstreit wohl noch lange nicht beendet. Sollte Meta verlieren, dürfte der Konzern den Entscheid anfechten und durch alle Instanzen bis zum Obersten Gerichtshof ziehen. Bis zu einer endgültigen, rechtskräftigen Entscheidung könnten deshalb noch Jahre vergehen.

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