Tegernseelauf mit 6000 Läufern: Schutzgemeinschaft fordert die Reißleine
Stand: 23.09.2026, 06:30 Uhr
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Der Tegernseelauf hat mit 6000 Teilnehmern einen neuen Rekord gesetzt. Während Veranstalter und Touristiker inzwischen von einem Aushängeschild für das Tal sprechen, fordert die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), die „Reißleine“ für solche Mega-Events zu ziehen.
Tegernseer Tal – Während der ein oder andere Läufer noch mit der Regeneration müder Muskeln beschäftigt ist, hat SGT-Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck nach etlichen Anrufen genervter Talbürger schon diverse Mails verschickt: an das Landratsamt Miesbach, an Tal-Bürgermeister und an Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT).
Darin fragt sie nicht nur nach, „wie sich die TTT die Zukunft unseres landschaftlich einmaligen Naturjuwels Tegernseer Tal für die Zukunft vorstellt“. Sie moniert angesichts von 6000 Teilnehmern das „Verkehrschaos mit endlosen Staus, Beschränkungen, Absperrungen“ und auch, dass die im Landschaftsschutzgebiet liegende Wiese oberhalb von Gut Kaltenbrunn als „riesiger Parkplatz missbraucht“ wurde. Abgesegnet, so bestätigt das Landratsamt, durch die dortige Untere Naturschutzbehörde. „Den Tegernsee, ein vergleichsweise kleiner See, sollten wir hüten und bewahren, anstatt ihn immer weiter ausbeuterisch zu vermarkten", schreibt die Vorsitzende. Ihr Fazit: Vielleicht sollte man darüber nachdenken, „die Reißleine zu ziehen“ und überdies ein „wirksames und nachhaltiges Verkehrskonzept schaffen“.
Die neuen Veranstalter, die Eventagentur Mission Homerun um Alemax Meier (35), Andy Schauer (40) und Felix Hohmann (35), sind gerade dabei, den Tegernseelauf aufzuarbeiten. „Wir sind selbst hier aufgewachsen, wissen um die sensible Lage“, sagt Meier und räumt ein: „Und es ist uns durchaus bewusst, dass die Veranstaltung eine Belastung für die Anwohner darstellt.“ Trotz des überwiegend positiven Feedbacks der Teilnehmer mit „extrem positiver Stimmung“ sei bereits klar, dass man bei den Themen Verkehr und Parken nachbessern müsse. „An Lösungen“, sagt Meier, „arbeiten wir bereits jetzt mit Nachdruck und werden für kommendes Jahr eine deutliche Entlastung schaffen.“
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Fakt sei, so die Veranstalter, dass der Tegernseelauf, der gut zur aktuellen Nachfrage der Gesellschaft nach Bewegung passe, eine enorme Bedeutung fürs Tal habe. Meier spricht von gut 3000 Übernachtungen, die das Teilnehmerfeld aus überwiegend Mitdreißigern, nebst Familien und Freunden generiere. Was TTT-Chef Kausch bestätigt. Er spricht von „spürbarer regionaler Wertschöpfung“ und von „einem Event als Sympathieträger“: „Wer das Tal in gemeinschaftsfördernder sportlicher Atmosphäre erlebt, kommt häufig als Urlaubsgast wieder“, so Kausch.
Rottachs Bürgermeister Stefan Niedermaier, der selbst die volle Distanz mitgelaufen ist, sieht durchaus beide Seiten – Kritiker und Befürworter. „Den Verkehr haben wir aber so oder so“, sagt Niedermaier. „Und mich wurmt die Dauer-Sperre in Weissach wegen des Radwegebaus, den wir brauchen, mehr als die zeitlich begrenzte Sperre beim Tegernseelauf.“ Der sei ein werbeträchtiges Aushängeschild fürs Tal. „Noch mehr Teilnehmer würde er jedoch nicht vertragen. In dieser Form war er perfekt“, so der Rathauschef.
Was zukünftige Großveranstaltungen betrifft, so gelte für die TTT der Grundsatz: Qualität und Verträglichkeit vor Quantität. „Unser Ziel ist kein Wachstum um jeden Preis, sondern die gezielte Steuerung und Lenkung von Besuchern“, so Kausch. „Wir priorisieren Events, die breiten gesellschaftlichen Mehrwert bieten, sich gut in die Nebensaisonen einfügen und von Einheimischen wie Gästen gleichermaßen getragen werden können.“ Auch deshalb sei die Teilnehmerzahl vom Veranstalter und von den Genehmigungsbehörden bewusst gedeckelt.
Und zwar auf 6000. Von 5000 Teilnehmern war noch im Vorfeld die Rede. „Mit unserem neuen Konzept und der neuen Location auf Gut Kaltenbrunn haben wir uns im Zuge des Genehmigungsprozesses auf diese Größenordnung verständigt“, sagt Meier. „Unser Ziel ist ausdrücklich nicht, den Tegernseelauf immer größer zu machen. Für uns geht es jetzt darum, auf dieser Größenordnung aufzubauen und vor allem die Strukturen und Abläufe weiterzuentwickeln, um die Belastung für die Anwohner im kommenden Jahr deutlich zu reduzieren.“