Teillegalisierung von Cannabis: Cannabis? Längst nicht unser größtes Drogenproblem

Die Teillegalisierung von Cannabis vor zwei Jahren hat die Gesellschaft gespalten. Innenminister Alexander Dobrindt etwa spricht von einem richtigen »Scheißgesetz«, auch andere sparen nicht an harscher Kritik. Dabei deutet eine ausgewogene, wenn auch bislang vorläufige Betrachtung der Zahlen darauf hin, dass das Gesetz im Großen und Ganzen ein Erfolg ist. Der Konsum scheint nicht gestiegen zu sein.

Aber es gibt ein anderes Problem: Während über Cannabis hitzig diskutiert wird, ist der Konsum von Kokain, Crack und Methamphetamin dramatisch gestiegen.

Aber kommen wir erst einmal zu den verfügbaren, eher positiven Daten: Eine Studie zweier Kolleginnen am DIW Berlin, Anna Bindler und Andreea-Maria Stoica, zeigt, dass der Konsum von Cannabis in Deutschland seit 2012 zwar geringfügig angestiegen ist, sich seit der Teillegalisierung jedoch nicht signifikant verändert hat. Es gibt also keinerlei Beleg dafür, dass die Teillegalisierung in Deutschland zu einem signifikanten Anstieg des Cannabiskonsums geführt hat. Dies wird sowohl durch Schätzungen des Umsatzes als auch durch Selbstauskünfte und Abwasserdaten bestätigt. Letztere ermöglichen eine recht genaue und realistische Messung des Konsums verschiedener Drogen.

Die Behörden werden entlastet

Wissenschaftliche Studien kommen für andere Länder, die schon viel früher Cannabis legalisiert haben, zu fast identischen Ergebnissen. In Deutschland wie auch international zeigen sich eher die Vorteile einer Legalisierung: Die Qualität hat sich verbessert, und die Zahl der Festnahmen wegen Cannabisbesitzes ist deutlich gesunken – und damit auch die Kosten für die Gesellschaft. In Deutschland sind die Cannabisdelikte nach der Teillegalisierung 2024 um zwei Drittel zurückgegangen. Da der Besitz begrenzter Mengen von Cannabis nicht mehr strafbar ist, entfallen Kontrollen und Strafverfahren.

Bei der Interpretation dieser Daten ist allerdings Vorsicht geboten. Der deutliche Rückgang der Cannabisdelikte bedeutet nicht immer einen Rückgang der Beschaffungskriminalität. Aber Polizei und Justiz werden durch die Teillegalisierung entlastet und können ihre Ressourcen nun besser dort einsetzen, wo sie dringender gebraucht werden.