Teilnehmer füllen 15 Hotels: Ganzer Urlaubsort in Südtirol wegen rechtem Großevent abgeriegelt

Stand: 03.09.2026, 13:23 Uhr

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Neonazis treffen sich in einem Dorf in Italien. Anwohner sind gespalten: zwischen Gleichgültigkeit, Meinungsfreiheit und Angst vor dem Wochenende.

Dro – Es gibt diejenigen, die mit den Schultern zucken, andere, die die Lippen fest zusammenpressen, wieder andere, die mit einem nervösen Lachen reagieren oder sich auf die Meinungsfreiheit berufen: So reagieren die Anwohner am Vorabend des neonazistischen Treffens „Ritorno a Camelot“, das von heute (3. September) bis Sonntag (6. September) in Pietramurata, einem Ortsteil von Dro, im Hotel Ciclamino stattfinden wird.

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Dieser Artikel von Carla Ialenti entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.

Dort ist ein Mitglied der extrem rechten Bewegung „Veneto Fronte Skinhead“ untergebracht, die das Treffen organisiert. Der Organisator verwehrt den Zugang zum „Privatgrundstück“, geht dann weg und zeigt beim Umdrehen die Rückseite seines schwarzen T-Shirts, auf dem der lateinische Ausdruck „Memento mori“ („Bedenke, dass du sterben musst“) prangt. Gemeinsam mit ihm werden heute rund 300 bis 400 Personen erwartet, deren Anreise der Provinzielle Ausschuss für öffentliche Ordnung und Sicherheit mangels rechtlicher Voraussetzungen nicht untersagt hat.

Dro ist eine italienische Gemeinde bzw Comune mit 5064 Einwohnern - Stand 31. Dezember 2023 - in der Provinz Trient, Reg

Die italienische Gemeinde Dro wird Schauplatz eines großen Neonazi-Treffens. © Manfred Segerer/IMAGO

Wenige Meter von seinem Hotel entfernt schüttelt der Miteigentümer des Hotels Ciclamino, Lino Chistè, im Kreis einiger Freunde den Kopf über die ablehnenden Positionen: „Niemand spricht über den wirtschaftlichen Wert der Veranstaltung, die ich ausrichten werde. Die Teilnehmer haben immerhin 15 Hotels belegt, bis hinauf nach Riva del Garda.“ Nach Ansicht von Chistè ist das Treffen eine Gelegenheit, Touristen willkommen zu heißen, ohne Imageschaden für Pietramurata und Dro. Davon ist auch sein Freund Francesco Toccoli überzeugt: „Die Einschränkung der Meinungsfreiheit ist schädlich, genauso wie das Verhindern einer friedlichen Kundgebung.“

Neonazistisches Treffen in Italien-Dorf: Angst vor Gegendemonstranten und Sorgen um die Sicherheit

Was die beiden hingegen beunruhigt, ist die Gegenkundgebung. „Die Probleme werden mit den Gegnern kommen“, fährt Toccoli fort, unterstützt von seinem Freund Diego Bassetti. „Ich sehe keinen Grund, sich einzumischen: Wenn wir in einer Demokratie leben, respektiert man gegensätzliche Meinungen.“ So sieht es auch Cherubino Toccoli: „Warum gegen das Treffen demonstrieren? Ich habe mehr Angst vor der Reaktion der Gegner und vor einigen Gewaltbereiten, die sich dem Treffen ohne Erlaubnis anschließen könnten: Meine Enkel bleiben an diesem Tag zu Hause, und wir haben dem Ältesten verboten, mit dem Motorroller auszufahren.“

Wer anderer Meinung ist, lässt seine Ablehnung durchscheinen, ohne viele Worte zu machen. Hinter dem Tresen der Bar Pietra Rara fällt es der Inhaberin schwer, ein lautes Lachen zu unterdrücken, als das Treffen mit der Meinungsfreiheit in Verbindung gebracht wird. Unter ihren Gästen ist ein örtlicher Landwirt, der ebenfalls auf Distanz geht: „Ohne die extreme Rechte ging es uns besser.“

Und schließlich gibt es auch diejenigen, die sich vor dem Abschlusstag von „Ritorno a Camelot“ fürchten: „Am Sonntag findet außerdem eine Motorradveranstaltung auf dem Crossodromo statt (hinter dem Hotel Ciclamino, Anm. d. Red.). Bei der erwarteten Menschenmenge wird es schwierig, die Sicherheit zu gewährleisten.“

Polizei sperrt Straßen für Gegendemonstration – Abgeordneter greift Melonis Innenminister an

Unterdessen wird die heutige Gegendemonstration „Autonomia è democrazia“ in Pietramurata immer größer, wie die Gewerkschaft Cgil mitteilt, die auch eine Routenänderung bekannt gibt: „Die Zahl der Busse, die aus Trient abfahren, steigt auf fünf. Der Treffpunkt ist um 17 Uhr auf dem Marktplatz vorgesehen. Anschließend wird der Demonstrationszug über die Via Torretta, die Via al Sarca und die Viale Daino ziehen und schließlich wieder auf dem Marktplatz enden.“ Die Provinz hat zusammen mit der Questur beschlossen, die Staatsstraße 45 von 16.30 bis 20 Uhr zu sperren: Der Verkehr wird auf die Provinzstraße 84 von Cavedine umgeleitet.

Reaktionen kommen inzwischen auch aus Rom. Nach Ansicht des stellvertretenden Ministerpräsidenten der Lega, Matteo Salvini, „geht jeder, wohin er will. Ich verspüre nicht das Bedürfnis, zu den Naziskin zu gehen.“ Kritischer zeigt sich der Abgeordnete Angelo Bonelli (Avs), der Innenminister Matteo Piantedosi angreift: „Camelot wird nicht verboten. Piantedosi bestätigt sich als Beschützer von Casa Pound und Fronte Skinhead“.

Politische Fronten zwischen Verbot, Distanzierung und Gedenken

Auf Provinzebene gibt es sowohl scharfe Kritik an dem Treffen als auch Stimmen, die sich auch von der Gegendemonstration distanzieren. Deutlich äußert sich die Patt: „Es ist inakzeptabel, dass das Treffen just zum 80. Jahrestag des De-Gasperi-Gruber-Abkommens (5. September, Anm. d. Red.) stattfindet, einem internationalen Symbol des Zusammenlebens. Wir sind verpflichtet, zu verhindern, dass die Zeiger der Geschichte gefährlich zurückgedreht werden.“

Diese Position wird auch vom Fronte Antifascista geteilt, das die Präfektin von Trient, Isabella Fusiello, formell aufgefordert hat, das Treffen zu untersagen, „während das Staatsoberhaupt ein auf Zusammenleben gegründetes Abkommen feiert“. Eine Verurteilung kommt auch von Andrea De Bertoldi, Präsident von Lcd-Lega, der klarstellt: „Ich werde nicht an der von der Linken aus opportunistischen Gründen organisierten Demonstration teilnehmen, ich bin von jeglichem Extremismus meilenweit entfernt.“