Fachärzte: Holetschek fordert Verbot von Kassen-Abfragen bei Online-Terminen – ist das praxistauglich?

Termine beim Facharzt: Holetschek fordert verdeckten Versichertenstatus

Stand: 21.10.2026, 08:07 Uhr

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Wer dringend einen Termin beim Facharzt sucht, wird oft nicht fündig.

Wer dringend einen Termin beim Facharzt sucht, wird oft nicht fündig. (Symbolbild) © Jens Büttner/dpa

Wie realistisch ist eine „Termingarantie“ bei Fachkräftemangel und Budgetierung? CSU-Politiker Holetschek und die SPD machen Druck.

München/Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisierte die Terminvergabe bereits als Gerechtigkeitsproblem. Nun fordert CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek: Online-Portale zur Terminvergabe sollen künftig nicht mehr abfragen dürfen, ob ein Patient gesetzlich oder privat versichert ist.

SPD will Drei-Wochen-Garantie – zur Not im Krankenhaus

Die große Systemfrage „GKV gegen PKV“ bestimmt aktuell die politische Debatte. Die SPD-Fraktion fordert in einem aktuellen Positionspapier eine Garantie für Facharzttermine binnen drei Wochen, gesteuert nach medizinischer Dringlichkeit – ermittelt durch eine digitale Ersteinschätzung per Algorithmus.

Kann binnen drei Wochen kein Facharzt vermittelt werden, soll laut SPD als Ausweichoption ein ambulanter Termin im Krankenhaus herhalten. Bereiche wie Gynäkologie, Augenheilkunde und Psychotherapie sollen weiterhin ohne Hausarzt-Lotse direkt zugänglich bleiben. Auch Thorsten Frei (CDU) verlangt eine „vertretbare Frist“ für alle Wartenden, unabhängig vom Versicherungsstatus.

Akteur / ParteiKernforderungO-Ton / Zitat
Klaus Holetschek (CSU-Fraktionschef Bayern)Verbot von Kassen-Filtern bei Online-Portalen„Es sollte darüber nachgedacht werden, ob Onlineportale für Terminvergaben nicht mehr abfragen dürfen, ob ein Patient gesetzlich oder privat versichert ist.“
Dr. Christos Pantazis (Gesundheitspolitischer Sprecher SPD)Verbindliche Termingarantie nach Dringlichkeit„Wer eine bessere Patientensteuerung will, muss auch eine verlässliche Versorgung garantieren. Entscheidend ist der medizinische Bedarf – nicht der Geldbeutel oder der Versicherungsstatus.“
Dagmar Schmidt (Vize-Fraktionschefin SPD)Hausarzt-Lotsensystem & Vernetzung„Wir wollen vernetzte Strukturen aller Akteure im Gesundheitssystem, indem es keine unnötigen Wartezeiten dafür aber eine gute Begleitung durchs System gibt.“
Thorsten Frei (Unionsfraktionschef CDU/CSU)Kürzere Wartezeiten, aber Erhalt der PKV„Alle Versicherten müssen in vertretbarer Frist einen Facharzttermin bekommen [...] Das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung bringt uns Vorteile.“

Dringlichkeits-Check: Warum die Praxis an der 116117 scheitert

Solche Vorgaben ignorieren jedoch die strukturellen Realitäten im Gesundheitswesen. Der praktischen Umsetzung stehen mehrere Hürden im Weg:

  • Eine gesetzliche „Termingarantie“ erschafft keine neuen Fachärzte. Wo keine Termine frei sind, können auch keine vergeben werden – es sei denn, man zwingt Ärzte zu massiver Mehrarbeit.
  • Die Steuerung nach „Dringlichkeit“ erweist sich in der Praxis als komplex. Über die Terminservicestellen (116117) gibt es bereits den Versuch, Fälle nach hausärztlicher Dringlichkeit binnen vier Wochen zu vermitteln. Diese Stellen sind jedoch chronisch überlastet und finden oft keine freien Ärzte in der Nähe.
  • Daran schließt sich die Frage an: Wer definiert die Dringlichkeit? Patienten können das meist nicht objektiv einschätzen. Also müssen sie doch erst das Urteil ihres Hausarztes einholen – was die ohnehin überlasteten Praxen zusätzlich beansprucht.

Ob ein digitaler SPD-Algorithmus diesen Engpass überwinden kann, darf bezweifelt werden.

Das Budget-Dilemma: Warum Kassenpatienten das Nachsehen haben

Experten betonen: Um die Terminvergabe wirklich anzugleichen, müssten die Budgets für Kassenpatienten komplett aufgehoben werden, was die Krankenkassen massiv Geld kosten würde. Der zweite Weg wäre, mehr Facharztsitze zu schaffen, was aktuell jedoch am eklatanten Fachkräftemangel scheitert. Bereits zuvor hatten Ärzte neue Spielregeln und Reformen gefordert.

Das strukturelle Grundproblem bleibt also ungelöst: Ärzte haben für Kassenpatienten ein festes Budget, das sogenannte Regelleistungsvolumen. Ist dieses ausgeschöpft, arbeiten sie bei GKV-Patienten de facto umsonst. Privatpatienten werden hingegen immer direkt nach Leistung (GOÄ) abgerechnet – und bringen unlimitiertes Honorar ein. (Quellen: dpa, Deutsches Ärzteblatt) (frs)