Thomas Bareiß: Beendet der Autounfall seine CDU-Karriere
Der Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß (CDU) verdankt seine Karriere ironischerweise dem ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU), der nur etwas über ein Jahr regierte und inzwischen vergessen ist. Denn Bareiß wurde im Oktober 2011 zum Vorsitzenden des CDU-Bezirksverbandes Württemberg-Hohenzollern gewählt. Er gewann die Wahl knapp: Die Parteibasis stimmte gegen die ehemalige Umweltministerin Tanja Gönner, sie stand damals im Ruf, „das Gehirn“ der Regierung Mappus gewesen zu sein. Nach der historischen Wahlniederlage wollte die CDU-Basis mit Bareiß einen Neuanfang.
Bareiß hatte sich erst als Landeschef der Jungen Union und dann mit dem Bezirksvorsitz die innerparteiliche Basis für seinen politischen Aufstieg geschaffen: Er vertritt seit 2005 den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen und gehörte vom Dezember 2018 bis 2024 dem CDU-Bundesvorstand an. Von 2018 bis 2021 war er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, außerdem war er damals Tourismusbeauftragter der Bundesregierung und zeitweise auch Mittelstandsbeauftragter. Im Gegensatz zu fast allen seiner katholischen Vorgänger an der Spitze des Bezirksverbands, zu dem die oberschwäbischen und katholisch geprägten Kreisverbände gehören, ist Bareiß Protestant. Er versuchte auch deshalb, sich in der CDU mit einer konservativen und betont christlichen Haltung zu profilieren.
Bareiß geriet häufiger in die Schlagzeilen
In den vergangenen Jahren geriet Bareiß mehrfach in die Schlagzeilen: So sprach er sich 2019, als die Klimaschutzbewegung in Deutschland gerade einen ersten Höhenpunkt erlebte, gegen die Einführung einer CO₂-Steuer aus. Im Jahr 2020 stand er auch öffentlich in der Kritik, weil er als Wirtschaftsstaatssekretär enge Beziehungen zum Regime in Aserbaidschan gepflegt hatte; er selbst wies die Kritik zurück. Seit etwa drei Jahren verliert Bareiß zusehends Ansehen in seiner Partei. Bei seiner Wiederwahl zum Bezirksvorsitzenden 2021 bekam er schwache 74 Prozent – ein Warnschuss.
Im CDU-Landesverband wurde immer häufiger von persönlichen Problemen und einem Burnout des Bundestagsabgeordneten berichtet. Zur engeren Führungsreserve gehörte Bareiß nie. Vor dem Bundestagswahlkampf 2025 hatte er eine Auszeit in einem Kloster in Israel genommen und dies auch öffentlich gemacht. Hin und wieder gab es im Landesverband auch Spekulationen über angebliche Drogenprobleme des CDU-Politikers.
Mit dem schweren Unfall am 12. Juli auf der B 27 bei Hechingen erreichte Bareiß’ Karriere einen Tiefpunkt: Mit seinem VW Tiguan überschlug sich der CDU-Politiker, drei weitere Verkehrsteilnehmer wurden schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft Hechingen fand in einer Blutprobe des mutmaßlichen Unfallverursachers Bareiß deutliche Rückstände eines synthetischen Betäubungsmittels. Sie ermittelt wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Gefährdung des Straßenverkehrs und der fahrlässigen Körperverletzung. Der Bundestag hat Bareiß’ Immunität aufgehoben.
Am Mittwoch gab Bareiß über seinen Anwalt eine umfangreiche Erklärung ab. In dieser kündigte er an, die sitzungsfreie Zeit für eine Auszeit zu nutzen und sein Amt als Bezirksvorsitzender ruhen zu lassen sowie bei der Wiederwahl für den Bezirksvorsitz nicht mehr zu kandidieren. Er bedaure die Unfallfolgen und bitte um Entschuldigung.
Sollte es wegen der ermittelten Tatbestände zu einer Anklage und schließlich zu einer Verurteilung kommen, muss Bareiß womöglich sein Bundestagsmandat niederlegen. Entsprechende Forderungen aus der CDU gibt es schon. Als Nachrücker kämen Maximilian Mörseburg aus Stuttgart oder Melis Sekmen aus Mannheim infrage.