Aufstand gegen Wagenknecht – zehn Abgeordnete verlassen BSW in Thüringen

Turbulenzen in Brombeer-Koalition in Thüringen

Regierung will trotz neuer BSW-Austritte weitermachen


Aktualisiert am 04.09.2026 - 13:17 UhrLesedauer: 2 Min.

Im BSW in Thüringen bebt es weiter. Von den zwölf noch verbliebenen Fraktionsmitgliedern treten nun zehn aus der Partei aus.

Zehn BSW-Abgeordnete in Thüringen haben die Partei verlassen, bleiben aber vorerst Teil der Fraktion. Darunter sind auch alle drei BSW-Minister: Vize-Ministerpräsidentin und Finanzministerin Katja Wolf, Digitalminister Steffen Schütz und Umweltminister Tilo Kummer. Bereits am Mittwoch waren drei BSW-Politiker in Thüringen aus der Landtagsfraktion und der Partei ausgetreten. Die aktuell noch verbleibenden zwölf Fraktionsmitglieder, von denen nur noch zwei auch BSW-Parteimitglieder sind, kommen in der kommenden Woche zu Beratungen zusammen.

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt erklärte bei einer Pressekonferenz, weiter mit Wolf und ihrer Fraktion regieren zu wollen. "Wir vertrauen einander", erklärte Voigt in Erfurt. Er blicke "mit großem Respekt auf den Schritt", den die bisherige BSW-Landeschefin Katja Wolf und weitere Abgeordnete gegangen seien, "weil es auch ein Bekenntnis ist für Thüringen und für die gemeinsame Arbeit".

Wolf selbst erklärte bei einer ersten Pressekonferenz: "Wir stehen heute hier mit der Gewissheit, dass es keinen Weg mehr im BSW geben kann". Dennoch stünden die Abgeordneten an der Seite der Koalition: "Wir fühlen uns dem Koalitionsvertrag weiter verpflichtet", so Wolf.

Wolf: Hat bei uns "keine La-Ola-Welle ausgelöst"

Die drei bereits am Mittwoch aus der Partei und der Fraktion ausgetretenen Abgeordneten Stefan Wogawa, Roberto Kobelt und Dirk Hoffmeister wollen mit der eigens gegründeten Partei "Deine Stimme zählt" eine parlamentarische Gruppe bilden. Dieser Schritt habe bei den verbliebenen Abgeordneten der Fraktion "keine La-Ola-Welle ausgelöst", erklärte Wolf am Freitag.

Hintergrund der Austritte ist ein Richtungsstreit über die Beteiligung des BSW an der sogenannten Brombeer-Koalition mit CDU und SPD sowie über den von der Bundesspitze geforderten Kurswechsel in Thüringen. Ursprünglich wollte die Partei am Sonntag auf einem Sonderparteitag über ihre zukünftige Rolle in der Brombeer-Koalition debattieren.

Das BSW ist im Freistaat Teil der Regierungskoalition von CDU, BSW und SPD. Das Bündnis hatte im Landtag schon bisher keine eigene Mehrheit – zur Opposition von AfD und Linke bestand ein Patt von jeweils 44 der 88 Sitze. Mehrheiten hatte sich die Koalition in der Regel mit Kompromissen mit der Linke-Fraktion organisiert.