Tierische Liebesgeschichte: Kleiner Hirsch Paule wurde von Kühen adoptiert
Auf einmal war da dieser kleine Hirsch. Fröhlich sprang er zwischen der Kuhherde von Timm Ramm herum, als hätte er nie etwas anderes getan. Zwei Wochen ist es her, dass der 42 Jahre alte Landwirt aus Högersdorf bei Bad Segeberg das braungraue Jungtier mit dem noch kleinen Geweih zum ersten Mal auf seiner Weide sah. „Seitdem ist er jeden Tag da und verschwindet nur für kurze Zeit.“

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Wie genau es zu dieser ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Damhirsch und den Milchkühen gekommen ist, kann sich Timm Ramm nicht erklären. Er vermutet, dass das etwa zwei Jahre alte Tier aus irgendeinem Grund den Anschluss an sein Rudel verloren hat. Um nicht alleine zu sein – denn Damwild lebt in sozialen Gruppen – hat sich der junge Herr offenbar durch den Zaun geschmuggelt und einfach unter die Kühe gemischt. Frei nach dem Motto: „Hallo, hier bin ich!“

Nachts schlafen die Kühe auf der Weide, der kleine Hirsch liegt in ihrer Mitte.© Privat | Timm Ramm
Bei den neun Kühen kam so viel Eigeninitiative anscheinend gut an. „Sie akzeptieren ihn“, sagt Ramm. Hätte es sich um männliche Tiere gehandelt, wäre das vielleicht anders gewesen und es wäre zu Revierkämpfen oder Ähnlichem gekommen.
Hirsch findet Anschluss und Geborgenheit in der Kuhherde

Tagsüber tollen die Kühe mit Damhirsch Paule auch mal ausgelassen über die Weide.© Privat | Timm Ramm
Tag für Tag gibt es auf der 6,5 Hektar großen Weide nun Szenen zu beobachten, die Ramm in seinem Landwirtsleben nicht für möglich gehalten hätte. So beschnuppert der kleine Hirsch zärtlich seine neuen Freundinnen, tollt mit ihnen herum und legt sich abends wie selbstverständlich mit der Herde zur Ruhe. „Wenn ich dann frühmorgens zur Weide kommen, schläft er mitten zwischen den Kühen“, erzählt Ramm.
Bei so viel Innigkeit ist es nur folgerichtig, dass er dem Jungtier einen Namen gegeben hat – schließlich haben auch all seine insgesamt 135 Milchkühe, die auf unterschiedlichen Weiden stehen, einen Namen. Neben Bärbel, Christel, Baumrinde oder Zement kann er jetzt auch Paule in der Rammschen Tierfamilie begrüßen. „Wir haben uns für diesen Namen entschieden, weil der Vorbesitzer der Weide so hieß“, sagt er.
Familie Ramm ist seit 16 Generationen in der Landwirtschaft
Wie genau er es bei der großen Anzahl an Kühen aber tatsächlich schafft, jedes einzelne Tier zu erkennen, bleibt sein Geheimnis. Es könnte vielleicht damit zu tun haben, dass die Ramms untrennbar mit der Landwirtschaft verschmolzen sind: Seit 400 Jahren und 16 Generationen ist der Hof in Familienbesitz.
Ob auch Hirsch Paule diese besonders tiefe Verbindung zwischen Mensch, Tier und Natur gespürt hat und sich deshalb Ramms Kuhherde aussuchte?
Paule muss entscheiden: Bleibt er beim Stall oder sucht er das Rudel?
Wie sehr der Landwirt den kleinen Hirsch schon in sein Herz geschlossen hat, lässt sich nicht zuletzt an seinem Wunsch erkennen, dass Paule bitte möglichst keinem Jäger zum Opfer fallen soll – obwohl Ramm selbst Jäger ist. Er würde sich einfach wünschen, dass er bald wieder Anschluss an ein Damwildrudel findet, sagt er.
Sollte das nicht der Fall sein, dürfte es spätestens Ende Oktober spannend werden. Dann wechseln die Kühe von der Weide in den Stall. „Ich frage mich, was Paule dann macht.“ Damwild habe in der Regel kein Problem, draußen zu überwintern. Aber wird der Hirsch dort ohne seine neue Familie sein wollen? Ramm rechnet damit, dass er sich die ersten paar Tage in der Nähe des Stalls aufhalten wird. „Wirklich zahm wird er aber sicherlich nicht werden“, vermutet er. Aber wer weiß, für welche Überraschung Paule noch gut ist.