Tödlicher Crash bewegt die Region – noch viele offene Fragen
Stand: 21.08.2026, 07:00 Uhr
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Ein 15-Jähriger prallte mit einem SUV frontal in einen Anhänger auf der L3185. Die Flammen schlugen durch die Lüftung in den Innenraum.
Ober-Lais – Viele Fragen bleiben auch am Tag nach dem schweren Verkehrsunfall bei Ober-Lais offen, bei dem zwei Jugendliche aus dem Wetteraukreis gestorben sind. Etwa die Frage, wie die acht 14- und 15-Jährigen am Mittwochmittag in den Besitz des Mazda CX-5 kamen, der nur für fünf Personen zugelassen ist. Das Ziel ihrer Fahrt ist ebenso unbekannt wie der Grund, weshalb sie den an einer übersichtlichen Stelle auf der Fahrbahn abgestellten orangefarbenen Anhänger des Fahrbahnmarkierungsunternehmens offenbar übersahen.

Eine der wenigen positiveren Nachrichten im Kontext des Unfalls: Für keinen der sechs schwer verletzten Jugendlichen bestehe derzeit Lebensgefahr, berichtet die Pressestelle der Polizei am Donnerstag.
Große Belastung für Helfer
„Einsätze mit Kindern oder Jugendlichen sind emotional immer belastend“, sagt Niddas Stadtbrandinspektor Kevin Schubach am Donnerstag. Notfallseelsorger sind für Feuerwehrleute und Rettungsdienste eine wichtige Unterstützung bei der Verarbeitung der Erlebnisse.
Wie nahe diese Eindrücke auch Schubach gehen, wird deutlich, wenn er von den „Kindern, die da lagen und um ihr Leben kämpften“, spricht. Bei den Unfallfahrzeugen sei nur das Personal eingesetzt worden, das unbedingt nötig gewesen sei.
Keiner der Feuerwehrleute sei anschließend direkt nach Hause gefahren. Im Dorfgemeinschaftshaus Ober-Lais habe man noch einmal miteinander gesprochen. Eine ausführliche Nachbesprechung sei für das Wochenende geplant. Der Einsatz rage aus einem jetzt bereits sehr belastenden Jahr heraus. Die Feuerwehr Nidda habe bis dato schon mehr Einsätze gehabt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Gegen 13.15 Uhr waren die acht Jugendlichen, die alle minderjährig und deshalb auch nicht im Besitz eines Führerscheins waren, aus Richtung Nidda in Richtung Glashütten unterwegs. In einer gut einsehbaren Talsenke an der Ortseinfahrt nach Ober-Lais war ein Arbeitstrupp damit beschäftigt, die Fahrbahnmarkierungen zu erneuern. Dass die Arbeiter gerade die Mittagspause im Führerhaus ihres Lkw verbrachten, hat offenbar noch schwerere Personenschäden verhindert. Den Lkw hatten sie hinter einem Arbeitsanhänger in der Mitte der Fahrbahn auf einer Sperrfläche abgestellt.
Keine Lebensgefahr bei sechs Jugendlichen
Wieso der 15-jährige Fahrer des Mazda den Anhänger offenbar nicht bemerkte, versucht die Polizei unter anderem durch ein Unfallgutachten zu klären. Anstatt auf seiner Fahrspur, die ebenso wie die Gegenfahrbahn komplett frei war, an dem Arbeitstrupp vorbeizufahren, geriet er mit dem Auto auf die Fahrbahnmitte. Dort kollidierte er mit großer Wucht mit dem Baustellenanhänger. Die Aufprallenergie war so groß, dass er den Hänger mit der Deichsel in die Front des Baustellen-Lkw bohrte, in dem drei Arbeiter saßen. Der Lkw wurde durch den Zusammenstoß auf einen dahinter abgestellten Sicherungsanhänger geschoben.
Als Folge des Unfalls brach im Motorraum des Mazda CX-5 ein Feuer aus. Niddas Stadtbrandinspektor Kevin Schubach berichtet, dass die Flammen durch die Lüftung in den Innenraum schlugen. Eine Führungskraft der Feuerwehr sei zufällig an der Unfallstelle vorbeigekommen und habe die Rettungsmaßnahmen koordiniert. Ersthelfer hätten mit Feuerlöschern begonnen, den Brand zu bekämpfen.
Nachdem die Leitstelle zunächst wegen eines Verkehrsunfalls mit eingeklemmter Person alarmiert hatte, wurde die Meldung kurz darauf auch wegen der Hinweise des Feuerwehrmanns vor Ort erhöht. Wegen mehrerer eingeklemmter Personen und einem beteiligten Lkw wurden Feuerwehrleute der Niddaer Löschbezirke Ost und Mitte sowie ein Fahrzeug aus Unter-Schmitten mit weiterem Rettungsgerät sowie ein Rüstwagen der Feuerwehr Gedern zum Einsatzort gerufen. Insgesamt waren rund 50 Feuerwehrleute im Einsatz.
Neben der Brandbekämpfung galt es, die acht Jugendlichen aus dem Unfallfahrzeug zu befreien. Für zwei von ihnen, den 15-jährigen Fahrer und seine 14-jährige Beifahrerin, kam jede Hilfe zu spät. Die übrigen sechs Jugendlichen wurden zunächst am Unfallort von mehreren Notärzten versorgt und anschließend mit Rettungswagen sowie zwei Hubschraubern zur weiteren Behandlung in Krankenhäuser gebracht. Nach Angaben der Polizei besteht bei keinem von ihnen Lebensgefahr. Ebenfalls schwer verletzt wurde einer der Arbeiter ins Krankenhaus gebracht. Ein weiterer wurde leicht verletzt, der dritte wurde am Unfallort untersucht, war aber unverletzt geblieben.

Viele Gerüchte in sozialen Netzwerken
Wegen der Bergungsarbeiten und der Arbeit eines Gutachters war die Landesstraße 3185 mehrere Stunden lang gesperrt. Der Gutachter soll den Ablauf des Unfalls und die Ursache klären. Woher die Jugendlichen den Mazda hatten und wie sie in seinen Besitz kamen, werde derzeit noch ermittelt, teilt die Polizei auf Anfrage dieser Zeitung mit.
Trotz der zahlreichen offenen Fragen verbreiteten sich im Internet und in sozialen Netzwerken in den Stunden nach dem Unfall eine Vielzahl von Gerüchten und Falschmeldungen, die insbesondere auch für Angehörige der Unfallopfer sehr belastend sind.
Der Unfall bei Ober-Lais ist der zweite von Jugendlichen mit unbefugt genutzten Pkw in Oberhessen innerhalb von zwei Tagen. Am Dienstag waren drei 14-Jährige aus Büdingen mit einem gestohlenen Peugeot 508 auf der Flucht vor der Polizei in Selters verunglückt.