Tödliches F/A-18-Unglück beim Sustenpass – zehn Jahre danach
Tödlicher Kampfjet-Absturz F/A-18-Unglück beim Sustenpass – zehn Jahre danach
Im August 2016 prallte ein F/A-18-Kampfjet im Sustengebiet in eine Felswand. Der Pilot kam dabei ums Leben. Aus dem Unglück wurden diverse Lehren gezogen.
29.08.2026, 13:00
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Am späten Nachmittag des 29. August 2016 starten auf dem Militärflugplatz Meiringen zwei F/A-18 im Abstand von 15 Sekunden zu einem Luftkampf-Trainingsflug. Die Sicht in der Luft ist schlecht. Der Pilot des zweiten Jets, der Trailer, will darum per Radar dem vorausfliegenden Piloten, dem Leader, folgen. Die Radarverbindung klappt aber nicht.
Der Fluglotse in Meiringen gibt daraufhin dem Trailer die Anweisung, auf eine Flughöhe von 10'000 Fuss zu steigen. Diese Angabe ist zu tief. Der Lotse bemerkt seinen Fehler, kann aber den Piloten nicht mehr warnen, da dieser bereits die Funkfrequenz auf die Flugsicherung in Dübendorf gewechselt hat.
58 Sekunden nach dem letzten Funkverkehr zerschellt der Kampfjet rund elf Meter unterhalb des Grats in der Westflanke des Hinter Tierberg. Der Pilot ist sofort tot, das Flugzeug komplett zerstört.
Fluglotse verurteilt, Skyguide hält an ihm fest
Im März 2025 wird der verantwortliche Fluglotse in zweiter Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Der mitangeklagte Pilot des vorausfliegenden Jets wird freigesprochen.
Trotz Verurteilung beschäftigt die Flugsicherung Skyguide den Lotsen weiterhin. Zuletzt war er in der Ausbildung tätig. «Nachdem er zwischenzeitlich diverse sorgfältige Tests und Screenings durchlaufen hat, ist er nun in der Umschulung zum zivilen Flugverkehrsleiter», schreibt Skyguide auf Anfrage. «Skyguide unterstützt die Wiederaufnahme seiner Funktion als Flugverkehrsleiter, da er beim Unglück, laut Gerichtsurteil, weder mutwillig noch grob fahrlässig gehandelt hat.»
Die Unfallstelle in felsigem Gebiet der abgestürzten F/A-18 auf dem Sustenpass, aufgenommen am Mittwoch, 31. August 2016.
KEYSTONE / Alexandra Wey
Für SRF-Aviatik-Experte Michael Weinmann lässt sich der Unfall nicht auf eine einzige Fehlentscheidung reduzieren. Es sei eine Verkettung verschiedener Umstände: «Der Lotse hat mit einem veralteten Radarsystem gearbeitet, der Pilot hätte realisieren müssen, dass er auf einer zu tiefen Höhe fliegt, und er konnte die Radarverbindung zu seinem Kollegen nicht aufbauen. Wenn nur etwas davon richtig funktioniert hätte, wäre es vielleicht nicht zum Absturz gekommen.»
Skyguide verbesserte Verfahren und Zusammenarbeit
Nach dem Unglück hat Skyguide verschiedene Massnahmen umgesetzt. Dazu gehören die Optimierung des telefonischen Informationsaustauschs zwischen den beteiligten Flugsicherungsstellen sowie Workshops mit Fluglotsen und Militärpiloten, um das gegenseitige Verständnis zu fördern.
Das Unglück sorgte 2016 schweizweit für Betroffenheit. Im Bild: Aldo C. Schellenberg, damaliger Kommandant der Luftwaffe, gibt den Medien Auskunft über das Verschwinden eines F/A-18 Flugzeugs der Armee (29.08.16).
KEYSTONE / Lukas Lehmann
Auch die Schweizer Luftwaffe hat reagiert und zahlreiche Massnahmen ergriffen. So wurden die veralteten Radar- und Telefonanlagen in Meiringen ersetzt und das Startintervall zwischen zwei Flugzeugen verlängert.
«Das Notverfahren bei einem Ausfall oder einer Verzögerung der Funkverbindung zur Bodenstation wurde so angepasst, dass ein Konflikt mit einer minimalen Sicherheitshöhe möglichst ausgeschlossen werden kann», teilt die Luftwaffe weiter mit. Zudem wurden neue Flugprofilgrafiken für die Piloten erstellt und das Abflugverfahren ab Meiringen werde regelmässig und spezifisch trainiert.
Restrisiko bleibt
Lehren aus Unfällen ziehen, damit sich derselbe Unfall nicht wiederholt, ist ein Grundpfeiler der Luftfahrt. Der F/A-18-Absturz vor zehn Jahren war der bislang letzte tödliche Unfall mit einem Kampfjet in der Schweiz.
Trotz aller Massnahmen – dessen ist sich jede Kampfjetpilotin und jeder Kampfjetpilot bewusst – bleibt ein Restrisiko.
10vor10, 28.8.2026, 21:50 Uhr;liea