Schwarzpulver war Ursache für die Explosion in Tessiner Kraftwerk
Vor einem Monat kam es in einem alten Wasserkraftwerk im Tessin zu einer Explosion, dabei sind zwei Arbeiter gestorben. Jetzt liegen die ersten Untersuchungsergebnisse vor. Diese weisen auf Schwarzpulver hin. Woher es kommt, ist unklar. SRF-Korrespondent Iwan Santoro über die neuen Erkenntnisse – und die Reaktionen im Tessin.
Iwan Santoro
Tessin-Korrespondent
Santoro arbeitet seit 2013 bei Radio SRF und arbeitete dort ab 2016 in der Inlandredaktion. Seit 2024 berichtet er als Korrespondent über das Tessin.
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Wie kommen die Untersuchungsergebnisse im Tessin an?
Hier reagiert man mit grossem Erstaunen. Die Tessiner Staatsanwaltschaft hat bloss ein dünnes Communiqué veröffentlicht. Zudem ist es nur der Zwischenbericht des Kriminaltechnischen Instituts in Zürich, das den Unfall untersucht. Aber dass die Ursache dieses tödlichen Unfalls definitiv eine Explosion war und diese durch Schwarzpulver verursacht wurde, wirft Fragen auf.
Jetzt ist mindestens bestätigt, was damals bereits Augenzeugen gesagt haben: Nämlich, dass es im Kraftwerk Ritom im Nordtessin zu einem lauten Knall gekommen sei – und dieser war also die Folge einer Explosion.
Wie äussern sich die Behörden?
Es gab kaum mehr als das bereits erwähnte Communiqué. Die Tessiner Staatsanwaltschaft verweist auf die laufenden Untersuchungen. Das macht auch das Tessiner Elektrizitätswerk, welches an dem Wasserkraftwerk beteiligt ist. Die SBB will keinen Kommentar zu einer laufenden Untersuchung abgeben. Das Wasserkraftwerk Ritom gehört zu grossen Teilen der SBB. Es produziert auch Strom für die Bahn.
Warum gab es Schwarzpulver in dem Wasserkraftwerk?
Es ist derzeit nicht bekannt, wie viel Schwarzpulver in dem Kraftwerk lag und wie lange es schon dort war. Ebenso wenig, wie es dorthin gelangt ist. Es gibt sehr viele Fragen und wilde Spekulationen. Die beiden getöteten Elektriker haben Kabelkanäle verlegt. Es wurde nichts gesprengt. Möglicherweise könnte ein Funkensprung das Schwarzpulver entzündet haben.
Ein Teil des Kraftwerks gehört dem kantonalen Elektrizitätsunternehmen Azienda Elettrica Ticinese (AET). Die beiden getöteten Elektriker waren AET-Angestellte.
Keystone/Ti-Press/Mirko Aquilino
Das Kraftwerk wurde 1917 gebaut und wird derzeit renoviert. Früher hätte man Schwarzpulver für Sprengungen verwendet, etwa um einen Fels herauszusprengen. Es wird spekuliert, dass es sich um alte Restbestände handeln könnte. Aber auch, ob jemand bewusst die Explosion verursacht haben könnte. Der Grossteil des Kraftwerks ist weiterhin nicht zugänglich, denn die forensischen Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Man muss nun abwarten, bis der Schlussbericht da ist.
Wird auch Kritik an den Behörden oder am Arbeitgeber der Getöteten laut?
Es gibt nur indirekte Kritik am Arbeitgeber und die kommt von den Gewerkschaften. In diesem Jahr gab es im Tessin vier tödliche Arbeitsunfälle. Für die Gewerkschaften zeigt dies, dass man mehr für die Arbeitssicherheit tun müsse. Ansonsten überwiegt immer noch die Trauer. Denn der Schock war riesig. Vor allem, als nach dem Unfall klar wurde, dass es sich bei einem der beiden getöteten Elektriker um einen 18-jährigen Lehrling handelte.
Der junge Mann stammte aus einem Dorf unweit des Kraftwerks. Beim Gemeindehaus wurden die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Es wurden Blumen hingelegt und öffentlich kondoliert. Besonders wenn junge Menschen auf so tragische Weise ums Leben kommen, ist die Anteilnahme hier im Tessin jeweils gross und sehr berührend.