Cassis sauer auf Botschafterin – EDA kein Ponyhof

Toplohn, aber widerspenstig

Botschafterin macht Cassis hässig

Eine Botschafterin verdient über 250'000 Franken – weigert sich aber, die Schweiz in Ramallah zu vertreten. Bundesrat Cassis ist genervt.

Publiziert: 18:48 Uhr

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Aktualisiert: 19:04 Uhr

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft

  • Diplomatin Yasmine Chatila Zwahlen lehnt wichtige Stelle in Ramallah ab
  • EDA-Diplomaten verdienen über 250'000 CHF, verweigern aber Versetzungen
  • Posten ist strategisch wichtig
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Die Schweizer Diplomatie erlebt im Nahen Osten gute und schlechte Zeiten. In sogenannten Pilot-Zonen soll der Abzug der israelischen Truppen aus dem Libanon getestet werden. Wie aus europäischen Diplomatenkreisen zu hören ist, hätte die Schweiz bereits vor Monaten eine wichtige Rolle spielen können. Doch dazu kam es nicht. Stattdessen hat Italien ein Mandat erhalten, zwischen den Kriegsparteien zu vermitteln.

Die gute Nachricht: Die Schweiz ist nicht ganz abgemeldet. Norwegen, lange Zeit grösste Konkurrentin der Schweiz in Sachen Gute Dienste, ist Israel zu kritisch und taugt nicht mehr als neutraler Vermittler. Nach Blick-Informationen engagiert sich Bern hinter den Kulissen, um bei der Überwachung der Pilot-Zonen eine stärkere Rolle zu spielen. Offenbar zusammen mit Italien, Grossbritannien und Indonesien, wie ausländische Medien berichten.

Botschafterin will nicht nach Ramallah

Geht es nach Bundesrat Ignazio Cassis (65), soll ein Schweizer Nahost-Quartett vorwärtsmachen, bestehend aus der Abteilungsleiterin Monika Schmutz Kirgöz (58), dem Sonderbotschafter Wolfgang Amadeus Brülhart (66) und dem Botschafter in Israel, Simon Geissbühler (53). Nur gibt es ein Problem: Die vierte Personalie ist seit Monaten ungelöst.

Wie aus dem Parlament zu hören ist, weigert sich die Schweizer Botschafterin in Riad (Saudi-Arabien), Yasmine Chatila Zwahlen (63), nach Ramallah zu wechseln – obwohl es sich um einen der spannendsten Posten des EDA handelt. Warum, ist unklar. Manche mutmassen, Ramallah biete ihr zu wenig Prestige: Da die Schweiz Palästina nicht anerkennt, dürfte sie sich nur «Ständige Vertreterin» und nicht Botschafterin nennen. Dabei würde sie eine Vertretung leiten, die – anders als viele andere – ständig im Fokus der Öffentlichkeit steht.

Däumchen drehen in Tunis

Dem Vernehmen nach hat Cassis in einem einstündigen Gespräch versucht, Chatila Zwahlen von Ramallah zu überzeugen. Sie ist in Beirut (Libanon) geboren, spricht Arabisch und geniesst mit ihrer schweizerisch-libanesischen Familiengeschichte bei Palästinensern eine hohe Glaubwürdigkeit. Hinzu kommt: Der Lifestyle ist besser, als viele vermuten. In Ost-Jerusalem und Ramallah lebt es sich gut. Und als Privatperson könnte sie nach 50 Minuten Autofahrt die angesagtesten Partys von Tel Aviv (Israel) besuchen.

Statt eines politisch wichtigen Postens will Chatila Zwahlen dem Vernehmen nach lieber Botschafterin in Tunis (Tunesien) werden, wo es zum Höhepunkt gehört, für das Staatssekretariat für Migration Fragen zu beantworten oder ein Luftverkehrsabkommen abzuschliessen.

Lohn: Über 250'000 Franken

Im EDA gibt es zur Causa Ramallah zwei Meinungen: Die einen finden, die diplomatische Diva solle sich geschmeichelt fühlen, dass Cassis sie für die beste Kandidatin hält – und sich fügen. Andere sind der Ansicht, es mache keinen Sinn, eine Diplomatin gegen ihren Willen an einen wichtigen Posten zu versetzen.

Klar ist: Bundesrat Ignazio Cassis ist genervt von Diplomaten, die im Ausland sehr viel verdienen (über 250'000 Franken pro Jahr) und über Fahrer, Köche und Dienstpersonal verfügen, sich aber der Versetzungsdisziplin nicht unterwerfen wollen. Chatila Zwahlen ist kein Einzelfall.

Botschafterin will Indien vorzeitig verlassen

Zu reden gab etwa Guillaume Scheurer (63), aktuell Schweizer Botschafter in Ankara (Türkei). Dem Vernehmen nach sollte er Leiter der Abteilung für Frieden und Menschenrechte werden – eine Abteilung mit grossem Budget, mit der die Schweiz Weltpolitik gestalten kann, etwa in Mosambik. Doch Scheurer wehrte sich mit Händen und Füssen. Am Ende knickte Cassis ein und schickte ihn nach Ankara.

Unverständnis herrscht im EDA auch darüber, dass die Botschafterin in Neu-Delhi (Indien), Maya Tissafi (61), nach drei Jahren das Handtuch wirft und versetzt werden will. Indien spielt geopolitisch eine wichtige Rolle zwischen Russland und China, die Wirtschaft boomt. Offenbar wimmelt es im EDA von Diven, die im Laufe ihrer Karriere vergessen, dass sie jederzeit überall auf der Welt eingesetzt werden können.