Tornados, gesunkene Boote, 190 Feuerwehreinsätze: Schwere Unwetter verwüsten die Lombardei

Stand: 25.08.2026, 20:50 Uhr

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Sturmböen bis 100 km/h, gesunkene Boote, Tornados und Flugausfälle in Malpensa: Schwere Unwetter treffen die Lombardei – Notstand beantragt.

Varese – Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern und zwei gesunkene Boote an den Ufern des Comer Sees. Tornados im Gebiet von Varese und gestrichene Flüge in Malpensa. Unterbrochene Straßen, Stromausfälle, Überschwemmungen und Probleme durch umgestürzte Bäume in beiden Provinzen sowie Behinderungen auch im Großraum Mailand: Nach den Hitzewellen wüten die Unwetter weiter über der Lombardei. Seit Montagabend haben die Feuerwehrleute bereits mehr als 190 Einsätze absolviert, vor allem in den besonders betroffenen Gebieten Varese und Como.

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Dieser Artikel von Anna Campaniello entstand in Kooperation mit Corriere della Sera

Die neue Welle heftiger Gewittergüsse folgt unmittelbar auf die Bitte der Region Lombardei an die Regierung, den Notstand auszurufen. In Varese, der am stärksten getroffenen Provinz, haben die Feuerwehrleute bereits über 100 Einsätze verzeichnet. Wegen der zahlreichen Notrufe wurden fünf Verstärkungseinheiten aus den Kommandos Mailand sowie Monza und Brianza entsandt. Der Großteil der Einsätze betrifft umgestürzte oder gefährlich stehende Bäume, die teils auf Straßen, Autos, Wohnhäuser und Stromleitungen gefallen sind.

Die Feuerwehr ist nach starkem Regen auf einer überschwemmten Straße im Einsatz.

Sturmböen bis 100 km/h, gesunkene Boote, Tornados und Flugausfälle in Malpensa: Schwere Unwetter treffen die Lombardei – Notstand beantragt. (Symbolbild) © dpa/Vigili del Fuoco

In Busto Arsizio hat ein Baum in der Viale Trentino ein Auto zerdrückt, ohne dass dabei Menschen verletzt wurden, zahlreiche Keller liefen voll, und es kam zu erheblichen Beeinträchtigungen im Straßenverkehr. In Gorla Maggiore verursachte ein Tornado das Umstürzen mehrerer Bäume und deckte ein Dach ab, das vom Wind rund 50 Meter weit mitgerissen wurde. Der Zivilschutz war die ganze Nacht über im Einsatz und setzt nun die Schadensaufnahme fort. Auch in Ferno gab es Probleme, wo Bäume und Trümmerteile einige Straßen versperrten und den Verkehr vorübergehend zum Erliegen brachten. Immer wieder wird Italien von schweren Unwettern heimgesucht.

Flugchaos und Umleitungen am Flughafen Malpensa

Schwere Auswirkungen wurden zudem am Flughafen Malpensa verzeichnet: Überschwemmungen setzten Start- und Landebahnen sowie einige Bereiche des Terminals unter Wasser. Am Montagabend wurden 13 Abflüge gestrichen, am Dienstagmorgen kamen wegen fehlender Flugzeuge und Besatzungen drei weitere Annullierungen hinzu. Mehrere nach Malpensa geplante Flüge wurden aus Vorsichtsgründen auf alternative Flughäfen wie Linate, Turin und Bergamo umgeleitet oder wegen der starken elektrischen Aktivität und des Unwetters zum Startflughafen zurückgeschickt.

Unter den betroffenen Verbindungen musste der Flug FX21 aus Paris Charles de Gaulle zum Pariser Flughafen zurückkehren, während der Flug U23660 von Korfu nach Linate umgeleitet wurde und erst nach Mitternacht nach Malpensa zurückkehren konnte. Einige Reisende, größtenteils Italiener, blieben unterdessen am französischen Flughafen Biarritz gestrandet und warteten auf ihre Rückkehr nach Malpensa, nachdem ihr Flug wegen des Unwetters gestrichen worden war. In Como traf in der Nacht ein heftiger Sturm mit Regen und Wind die Ortschaften Tremezzo und Griante am Westufer des Comer Sees, wo es zu schweren Schäden kam.

Schäden und Sperrungen rund um den Comer See

Die Staatsstraße Regina wurde zunächst gesperrt und später wieder geöffnet, nachdem der Sturm zahlreiche große Bäume zu Fall gebracht hatte, von denen einer auf ein geparktes Auto stürzte. Zudem kam es zu mehreren Stromausfällen in der Region. In Griante verfehlten zwei hohe Bäume beim Umstürzen nur knapp ein Wohnhaus und das Denkmal für den deutschen Bundeskanzler Adenauer, während ein weiterer Baum die Treppe zum Vorplatz der Kirche von Tremezzo schwer beschädigte. Mindestens zwei Boote sind gesunken, die genaue Schadensbilanz ist noch unklar.

Aus Vorsichtsgründen bleiben am Dienstag die Villa Balbianello, ein viel besuchtes Ziel des Fai in Lenno, sowie die Velarca, ein weiteres Fai-Ziel in Ossuccio, den ganzen Tag über geschlossen. In großer Zahl wurden Feuerwehrleute des Provinzkommandos Como und Einsatzkräfte des Zivilschutzes der Berggemeinde mobilisiert. Gesperrt wurde zudem die Provinzstraße Lariana bei Valbrona, nachdem Felsbrocken auf die Fahrbahn gestürzt waren. Am Berghang laufen derzeit Untersuchungen, um weitere Gefahrenquellen zu identifizieren und mögliche Erdrutsche zu verhindern.

Region Lombardei fordert Notstand nach schweren Unwettern

Bereits am Montag hatte der Präsident der Region Lombardei, Attilio Fontana, den Notstand mit einem Schreiben an Regierungschefin Giorgia Meloni und den Minister für Zivilschutz, Nello Musumeci, offiziell beantragt. In dem Brief werden die Folgen der Unwetterereignisse beschrieben, die die Lombardei getroffen haben und sich vor allem am 20. August besonders massiv auswirkten. Betroffen waren insbesondere die Provinzen Bergamo, Brescia, Sondrio, Como und Lecco, mit besonderer Intensität im Val Camonica in den Gemeinden Sonico und Vione sowie im Val Brembana in den Gemeinden Isola di Fondra, Valleve, Branzi und Carona.

Ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden die Gebiete des Val Seriana, des Veltlins und des Lario. Das Unwetter hatte schwere Schäden an der Infrastruktur verursacht, zur Unterbrechung essenzieller öffentlicher Dienstleistungen geführt und die Evakuierung von rund 440 Personen nötig gemacht, darunter etwa 250 Urlauber des Campingplatzes San Simone in Isola di Fondra in der Provinz Bergamo. Mittlerweile konnten alle evakuierten Personen in ihre Wohnungen zurückkehren, während die Behörden weiter an der vollständigen Wiederherstellung der beschädigten Gebiete arbeiten.