80.000 Euro Buchungen abgewickelt: Booking.com gehackt – jetzt reagiert das Unternehmen auf den Betrugsfall
Touristen aus aller Welt fallen auf Geisterwohnung herein – jetzt reagiert Reiseanbieter Booking
Stand: 20.08.2026, 22:03 Uhr
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Booking.com äußert sich erstmals zum Mailand-Betrug: Kein Plattform-Hack, sondern Phishing. Das sagt der Konzern zu dem Fall. Wie geht es für die Betroffenen weiter?
München – Eine Wohnung in Mailand für 39 Euro pro Nacht, mitten im Zentrum, mit lauter guten Bewertungen – für viele Reisende klang das nach einem Glücksfall. Tatsächlich handelte es sich um eine reine Fantasie-Unterkunft: Betrüger hatten sich Zugang zu einem echten Booking.com-Account eines Bed & Breakfast in Monopoli (Apulien) verschafft und darüber eine Geisterwohnung in Mailand angeboten. Zahlreiche Touristinnen und Touristen aus aller Welt buchten und zahlten – und standen bei ihrer Ankunft vor verschlossenen Türen, weil die Wohnung schlicht nicht existierte.

Betroffen war das Bed & Breakfast Govinda Shanty House, dessen digitale Identität samt echter Bewertungen, E-Mail-Adresse und Telefonnummer von den Kriminellen missbraucht wurde. Die Folge: Anrufe aus Japan, den USA und ganz Europa erreichten die eigentlichen Betreiber – teils mitten in der Nacht –, weil ratlose Reisende in Mailand vor dem Nichts standen.
Nach eigenen Angaben der Inhaber wurden über den gehackten Account Buchungen in Höhe von rund 80.000 Euro abgewickelt, verbunden mit einer Provisionsforderung von etwa 30.000 Euro – Geld, das die Familie nie gesehen hat. Ähnliche Betrugsfälle mit gehackten Booking.com-Accounts hatte es zuvor bereits in Cesenatico und mit dem Profil eines Schlosses in der Toskana gegeben.
Die Betreiber werfen dem Portal vor, trotz wiederholter Anrufe und E-Mails keine befriedigende Antwort geliefert zu haben. Nun reagiert Booking.com gegenüber Merkur.de für Ippen.Media. Das Unternehmen bedauert die Erfahrungen des betroffenen Unterkunftspartners. Das Unternehmen erklärt, man verstehe, „wie wichtig es für Partner ist, sicher auf ihr Konto zugreifen und ihre Buchungen verwalten zu können“.
Nach Geisterwohnung-Skandal: Booking.com räumt Phishing-Angriff auf Partnerkonto ein
Die eigene Prüfung des Falls habe ergeben, dass der Partner Opfer eines Phishing-Angriffs wurde, der „vorübergehend zu einem unbefugten Zugriff auf das Booking.com-Konto der Unterkunft“ geführt habe. Die Angreifer hätten daraufhin Teile der Unterkunftsbeschreibung verändert und Gäste kontaktiert, um sich als die Unterkunft auszugeben und sie zu Zahlungen außerhalb der Plattform zu bewegen. Man nehme solche Vorfälle „äußerst ernst“ und werde mit den Unterkunftsanbietern sowie den betroffenen Kunden zusammenarbeiten, „um weitere Unterstützung anzubieten“, so das Unternehmen.
Damit bestätigt Booking.com im Kern die Darstellung der Betreiber: Nicht die Plattform selbst wurde gehackt, sondern der Zugang eines einzelnen Partnerkontos wurde per Phishing kompromittiert. Über den entwendeten Zugang konnten die Täter die Unterkunftsbeschreibung manipulieren und Gäste anschließend gezielt dazu bringen, außerhalb der eigentlichen Buchungsplattform zu bezahlen – ein Vorgehen, das Verbraucherschützer regelmäßig als Warnsignal nennen, da seriöse Buchungsportale Zahlungen grundsätzlich über die eigene, verschlüsselte Plattform abwickeln.
Für Betroffene bleibt die Situation unübersichtlich: Wie viele Menschen tatsächlich auf die Geisterwohnung hereingefallen sind, ist weiterhin unklar, ebenso, ob ein größeres organisiertes Netzwerk hinter dem Fall steckt. Die Ermittlungen der italienischen Strafverfolgungsbehörden laufen, der Inhaber des Bed & Breakfast wird rechtlich vertreten und will Verantwortlichkeiten sowie den entstandenen Schaden klären lassen. Auch bei Amazon mussten sich Kunden zuletzt vor einer Betrugsmasche schützen. (Quellen: eigene Recherche) (bk)