150 Jahre Meder: Wie ein traditionelles Haushaltswaren- und Spielwarengeschäft überlebt
Jetzt stehen sie wieder vor der Ladentür: Kühltaschen und Eiswürfelformen, Einmachgläser und Sitzkissen. Mit den Jahreszeiten wechseln auch beim Haushalts- und Spielwarengeschäft Meder verlässlich die Sortimente. Der Platz beim Uhrtürmchen im Stadtteil Bornheim – er wäre nicht ohne Meder zu denken.
Generationen von Familien haben hier Schälmesser und Schneidebretter für die Küche gekauft, Legosteine und Märklin-Loks für die Kinder. Wann immer etwas fehlt – „der Meder“, wie das alteingesessene Fachgeschäft bei seinen Stammkunden heißt, hat es bestimmt. Auch Ersatzteile wie einen Trichter für die Espresso-Schraubkanne – ein Griff in die Schublade.

Kunden, die bei Meder einkaufen – die meisten sind Bewohner aus dem Stadtteil –, schätzen die kurzen Wege, die persönliche Ansprache im Laden und die gute Auswahl bei den Küchenartikeln. Sie erwarten keinen Luxus bei Glas und Porzellan und vergleichen auch keine Preise im Internet. Und wenn sie es tun und vielleicht sparen könnten, kaufen sie trotzdem im Laden, weil sie wollen, dass ein Geschäft wie Meder überleben kann.
Die Geschichte beginnt wie die des Frankfurter Haushaltswarengeschäfts Lorey, das noch etwas älter ist, mit einer Spenglerei. Simon Meder, der Urvater des Familienunternehmens, eröffnet sie 1876 an der Arnsburger Straße. Zu dem Zeitpunkt ist Bornheim noch nicht eingemeindet, die Berger Straße heißt noch Gelnhäuser Straße, und die Bornheimer fahren mit einer sogenannten Pferdebahn in die Frankfurter Innenstadt, dem Vorläufer der elektrischen Straßenbahn.

Aus Metallen und Blechen produziert die Spenglerei – da ist sie schon an die Ecke Wiesenstraße/Berger Straße umgezogen, dorthin, wo die Drogeriekette dm heute verkauft – Gebrauchsartikel für den Haushalt, etwa Badewannen und Badeöfen. Die werden bei Bedarf auch an die AOK verliehen und nach Gebrauch von Meder wieder abgeholt und sauber geschrubbt. Aus den Blechteilen, die bei der Arbeit abfallen, basteln die Arbeiter Spielzeugfiguren, die im Laden verkauft werden, von sieben Uhr früh bis spät in den Abend hinein.

Das heutige Geschäft liegt, schräg gegenüber dem ehemaligen Standort, an der Berger Straße, in einem Wohn- und Geschäftshaus, das sich einmal um die Ecke bis zur Spessartstraße zieht. Dort befindet sich der Eingang zur Spielzeugabteilung. Die Liegenschaft erwarb die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg, später wurde angebaut. Das Gebäude ist verschachtelt und in die Jahre gekommen. Unter jeder Generation, die in Verantwortung war, wurde geflickt, renoviert und verschönert. Doch der ganz große Wurf blieb aus.
In der Jubiläumsschrift zum 125. Geburtstag ist von „Sparsamkeit und Umsicht“ zu lesen, die dabei half, die schlechten Zeiten rund um die beiden Weltkriege des letzten Jahrhunderts zu meistern. Von den Corona-Jahren, die die stationären Ladengeschäfte später im Lockdown bis ins Mark treffen, ist da noch nicht die Rede. Auch nicht von der immer stärker werdenden Online-Konkurrenz und der Kaufzurückhaltung, die dem Einzelhandel seit dem Ukrainekrieg zu schaffen macht.

Christian Völker führt das Familienunternehmen in fünfter Generation. Er hat die Geschäftsleitung 2022 übernommen, als sich sein Onkel, der langjährige Meder-Chef Franz Steul, und dessen Geschwister Andreas Steul und Annette Völker in den Ruhestand verabschiedeten. Christian Völker managt das Geschäft neben seiner Arbeit als selbständiger Berater in der Energiebranche. Der Dreiunddreißigjährige hätte auch ein einfacheres Leben haben können, ohne Sorgen um Umsatz und einen Kredit, der abbezahlt werden muss. Doch Völker ist eng mit dem Geschäft verbunden, wie er sagt, war schon als Kind immer im Laden unterwegs und hätte sich nicht vorstellen können, „dass es das alles nicht mehr gibt“.
Mit seiner Frau wohnt der junge Meder-Chef in einer Wohnung hoch über dem Laden. Hier steht auch die Eckbank aus Eichenholz, auf der er als kleiner Bub oft neben seinem Großvater, Franz Steul senior, saß. Heute nimmt die Familie jeden Samstagnachmittag bei Kaffee und Kuchen am Tisch Platz – eine feste Tradition, bei der, wenn gerade keine Urlaubszeit ist, auch mal 20 Personen zusammenrücken, wie Völker erzählt. Er macht deutlich: Ohne den Familienzusammenhalt würde es nicht gehen. Wenn es eng wird, an Weihnachten, packen auch mal seine Frau und die Schwiegereltern mit an. Seine Mutter, Annette Völker, steht, obwohl nicht mehr Mitglied der Geschäftsführung, regelmäßig mit im Laden. „Das ist ein schönes Back-up“, sagt der Sohn.
Verlassen kann er sich auch auf seine langjährigen Mitarbeiter. 14 Personen, von der Vollzeitkraft bis zum Minijobber, gehören zum Team. Der Experte für die Modelleisenbahnen, Thomas Schulz, hat schon beim Großvater gelernt. Völkers Stellvertreter, Simon Ardasis, arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Unternehmen. Noch nicht so lange dabei, aber ein bekanntes Gesicht in den sozialen Medien ist Kai Sohrmann, ausgewiesener Spielekenner und ebenfalls ein Spross aus dem Meder-Clan. Er produziert lustige Werbefilme auf Instagram und organisiert regelmäßig Spieleabende. Die sind so beliebt, dass Meder inzwischen eine Warteliste führt.
Christian Völker hat in vier Jahren einiges auf den Weg gebracht. Website und Onlineshop wurden überarbeitet, Photovoltaik und Klimatechnik installiert, die Sortimente bereinigt, und die Haushaltsabteilung wurde umgebaut. Inzwischen erwirtschaftet das Geschäft wieder Umsätze auf dem Niveau von 2019, dem letzten Jahr vor Corona. Allerdings seien seitdem auch die Kosten deutlich gestiegen, sagt Völker. „Es bleibt herausfordernd.“
Der eigentliche Geburtstagstermin wäre schon im Juni gewesen. Gefeiert wird aber erst am Sonntag, 16. August, 13 bis 18 Uhr, mit einem öffentlichen Fest vor der Ladentür.