Tragödie in München „wurde vergessen“: Neun Tote nach Flugzeugabsturz – Angehörige erhebt Vorwürfe

Stand: 17.08.2026, 07:43 Uhr

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1987 stürzte ein Flugzeug in München-Trudering auf eine Straße – neun Menschen starben. Eine Angehörige beklagt, dass die Stadt das Unglück vergessen habe.

Trudering – Am 11. August 1987 stürzte eine Propellermaschine auf die Wasserburger Landstraße in Trudering und löste eine verheerende Katastrophe aus. Neun Menschen verloren ihr Leben, 30 weitere wurden teils schwer verletzt. Beinahe vier Jahrzehnte später werfen Hinterbliebene der Stadt München vor, das Unglück in Vergessenheit geraten zu lassen.

Das Foto zeigt die beschädigte McDonalds-Filiale an der Wasserburger Landstraße in München nach dem Absturz einer Piper Cheyenne II.

Am 11. August 1987 stürzte ein Flugzeug auf die Wasserburger Landstraße. Dort traf es einen Linienbus, der daraufhin in die dortige McDonalds-Filiale fuhr. Neun Menschen starben bei der Tragödie. (Archivfoto) © IMAGO/WEREK

Flugzeugabsturz in München-Trudering: Wie es 1987 zur Katastrophe kam

An jenem Dienstagnachmittag befand sich die Maschine auf einem Übungsflug. An Bord saßen neben dem Piloten ein Prüfer sowie eine Sekretärin des Luftamtes Südbayern. Ziel der Übung war es, eine Landung bei Triebwerksausfall zu demonstrieren. Dabei wurde das Triebwerk jedoch zu stark gedrosselt, und der Pilot verlor über Trudering die Kontrolle über das Flugzeug.

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Benedikt Strobach

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Die Maschine schlug auf der Wasserburger Landstraße auf, rutschte über die Fahrbahn und riss dabei Ampeln sowie Lichtmasten um. Schließlich rammte sie einen Linienbus, dessen Fahrer daraufhin die Kontrolle verlor – das Fahrzeug krachte in die dortige McDonald’s-Filiale. Auch das Flugzeug prallte gegen das Gebäude.

„Sehr wohl vergessen“: Angehörige vermissen städtisches Gedenken an Opfer des Absturzes in Trudering

Eine Tragfläche brach ab, auslaufendes Kerosin entzündete sich und setzte Gebäude, Wrackteile und Teile des Busses in Flammen. Sechs Menschen kamen noch am selben Tag ums Leben, drei weitere erlagen in den folgenden Wochen ihren Verletzungen. Insgesamt wurden 30 Personen verletzt, einige davon trugen lebenslange Folgen davon.

Zum Jahrestag des Unglücks meldete sich unter einem Instagram-Beitrag eine Angehörige eines damaligen Opfers zu Wort. Das Unglück sei „sehr wohl vergessen“ worden, schrieb sie. Die Stadt habe dem Gedenkstein am Nikolaus-Prugger-Weg keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt, bis ihre Schwester einen Brief verfasst habe. „Es ist schon traurig“, lautete ihr Fazit. Weitere Kommentatoren erinnerten sich ebenfalls an die Katastrophe – darunter ein ehemaliger Polizeibeamter, der in jener Nacht Dienst hatte und dessen junger Kollege eine Verwandte vermisste. Sie war seinen Angaben zufolge eines der Opfer.

Stadt München reagiert auf Vorwürfe zum Flugzeugunglück in Trudering

Die Stadt München teilte auf Anfrage mit, keine Gedenkveranstaltung geplant zu haben. Der Stadtrat habe 2002 beschlossen, sämtliche Anträge zu Gedenktafeln und Denkmälern in einer eigenen Arbeitsgruppe zu behandeln. Diese spreche keine Empfehlungen für städtische Erinnerungsstätten an Unfallorten aus.

Probleme durch Nähe zum Flughafen in Riem

Der nahegelegene Flughafen in Riem wurde für die Anwohner im Osten der Stadt zunehmend „zum Alptraum“, heißt es im KulturGeschichtsPfad für Trudering-Riem. In den zunehmend dicht bebauten Wohngebieten in Flughafennähe ereigneten sich zahlreiche Flugzeugabstürze.

Bei einem misslungenen Start am 6. Februar 1958 kamen 23 Menschen, darunter acht Spieler des Fußballvereins Manchester United, ums Leben. 1987 stürzte die Piper PA-31T Cheyenne II auf die Wasserburger Landstraße. Neun Menschen starben nach dem Unglück.

1989 erreichte eine Cessna beim Start am Flughafen Riem nicht ausreichend Höhe, stürzte auf das Dach eines Wohngebäudes und wurde anschließend in einen angrenzenden Baumbestand geschleudert. Vier Insassen verbrannten nach Angaben der Freiwilligen Feuerwehr München in dem Wrack. Ein Passagier wurde beim Aufprall vom Flugzeug auf das Dach geschleudert. Er überstand den Absturz wie durch ein Wunder nahezu unverletzt.

Die Unglücke entfachten die Diskussion um eine Verlegung des Münchner Flughafens immer wieder. 1992 wurde er schließlich ins Erdinger Moos verlegt. Auf dem freiwerdenden Gelände entstand ab 1996 ein neuer Stadtteil: die Messestadt Riem.

Quellen: KulturGeschichtsPfad Trudering-Riem, Website der Freiwilligen Feuerwehr München

Ein Sprecher des Presseamts betonte allerdings: „Damit Angehörige und Hinterbliebene dennoch am Unglücksort individuell gedenken und ihrer Trauer Ausdruck verleihen können, wird die Ablage von Blumen, Kerzen und persönlichen Nachrichten am Denkmal natürlich auch weiterhin von der Stadt respektiert.“ Die Tragödie von 1987 werde zudem im KulturGeschichtsPfad Trudering-Riem erwähnt.

Flugzeugabsturz von 1958: An weitere Tragödie im Osten Münchens wird jährlich erinnert

Dort wird auch das Unglück von 1958 erwähnt (siehe Infokasten). In Erinnerung an diese Tragödie wurde 2008 eine dreieckige Platzfläche in der Gabelung der Emplstraße mit dem Rappenweg in Manchesterplatz umbenannt. Hier findet jährlich eine Gedenkveranstaltung statt.

Diese werde aber nicht von der Stadt organisiert, erklärte der Sprecher des Presseamts. Um das Gedenken kümmerten sich die Manchester Munich Memorial Foundation in Kooperation mit dem Verein Red Docs. Da zum 60. und 65. Jahrestag bis zu 2000 Teilnehmer aus Manchester angekündigt waren, sei die Stadt in diesen Jahren „als Unterstützerin tätig geworden“. Des Unglücks auf der Wasserburger Landstraße werden die Angehörigen im kommenden Jahr aber erneut alleine gedenken. (Quellen: Instagram-Post von muenchner.gschichtn, Anfrage an die Stadt München, eigene Recherche) (bes)