Nations League: Trainerstars bei Debüt im Rampenlicht

Nations League

Rund zwei Monate nach der WM 2026 in Nordamerika feiern einige Teamtrainer ihr Debüt für neue Dienstgeber in der Nations League. Zinedine Zidane gibt sein Debüt als französischer Teamchef. Mit Jürgen Klopp (Deutschland) und Xavi (Niederlande) kommt es am Donnerstag (20.45 Uhr) gleich zum direkten Duell zweier Startrainer. Aber auch Belgien, Italien, Portugal und andere Nationalteams wollen mit prominenten Coaches in die Erfolgsspur finden.

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Klopp begeisterte noch vor seinem ersten Einsatz als deutscher Bundestrainer am Donnerstag in Amsterdam gegen den Erzrivalen Niederlande. Mit mehr Vorschusslorbeeren kann man kaum in einen neuen Job starten. Seine Rede bei der Bekanntgabe des ersten Aufgebots rührte den Chefredakteur der „Bild“ zu Tränen, wie das Boulevardmedium erzählte und filmisch dokumentierte. „Die Fahne zurückholen“ wünschte sich Klopp, als er einen kleinen politischen Exkurs wagte.

Sein erstes Aufgebot ist so breit abgestützt wie seine Popularität. 44 Spieler nahm Klopp in seinen Kader für die anstehenden vier Partien. Es sind Spieler darunter, die international kaum bekannt sind, wie etwa Felix Keidel, der erst vier Bundesliga-Spiele mit Aufsteiger Elversberg bestritten hat, oder die Legionäre Mika Baur (Celtic Glasgow) und Vitaly Janelt (Brentford). Dafür fehlen bekanntere Namen wie Leroy Sane, Deniz Undav und Torhüter Oliver Baumann.

Klopp startet mit ungewöhnlich großem Kader

Jürgen Klopp setzt bei seinem Debüt als deutscher Bundestrainer auf einen ungewöhnlich großen Kader mit 44 Spielern. Dahinter steckt der Plan, in den bevorstehenden Nations-League-Spielen mit zwei unterschiedlichen Mannschaften anzutreten.

„Die Jungs haben alle Lust, also dementsprechend empfinden wir Aufbruch“, betonte der 59-Jährige, der über zwei Jahre nach seinem Rückzug beim FC Liverpool auf die Trainerbank zurückkehrt. „Ich war mir nicht sicher, ob irgendwas eingerostet ist, aber es geht. Zwei Jahre und drei, vier Monate habe ich nicht auf dem Trainingsplatz gestanden. Es geht. Es ist ein bisschen wie Fahrradfahren“, sagte Klopp.

„Oranje“ setzt auf Xavi

Auch bei den Niederlanden wird der Blick auf den Trainer gerichtet sein. Zum ersten Mal seit Ende der Siebzigerjahre und dem Österreicher Ernst Happel ist der Bondscoach ein Ausländer. Der Spanier Xavi übernahm den Posten vom nach der WM zurückgetretenen Ronald Koeman. Der 46-Jährige einst brillante Spielmacher muss sich rasch beweisen. Er war bei der Suche nach dem Nachfolger von Koeman nur die dritte Wahl, heißt es aus den Niederlanden.

Trainer Xavi Hernandez (Spanien)
Als erster ausländischer Trainer seit Happel soll es Xavi für die Niederlande richten

Als Trainer ist der Leistungsnachweis von Xavi relativ klein. In den knapp drei Saisonen beim FC Barcelona (November 2021 bis Mai 2024) gewann er nur einen Meistertitel. Seit dem Ende seines dortigen Engagements, das er ebenfalls als Nachfolger von Koeman begonnen hatte, war er ohne Trainerjob. Die enge Verbindung des FC Barcelona und der niederländischen Nationalmannschaften mit gemeinsamen Größen wie Rinus Michels, Johan Cruyff und eben auch Koeman hat Xavi den prestigeträchtigen Posten eingebracht.

Vor dem Duell mit Deutschland sagte der Spanier: „Es wird eine große Herausforderung für mich persönlich, eine große Herausforderung für die Mannschaft. Wir müssen unser Toplevel zeigen, weil wir gegen eine Topmannschaft spielen. Es ist ein sehr schöner Start.“

Rückkehr von „König Zidane“

Nicht zweite oder dritte Wahl, sondern einzige Wahl war Zidane. Wohl noch nie wurde vor dem 54-Jährigen ein französischer Nationaltrainer so gut wie ohne Vorbehalte von der Öffentlichkeit in seinem Amt begrüßt. Nach 14 vorwiegend erfolgreichen Jahren unter Didier Deschamps sollen Siege und Spektakel vereint werden. Die neue Zeitrechnung für „Les Bleus“ beginnt am Freitag gegen die Türkei in Izmit, einer Stadt rund 100 Kilometer östlich von Istanbul.

Trainer Zinedine Zidane (Frankreich)
Mit Vorschusslorbeeren startet Zidane in seinen Job als Teamchef in Frankreich

Als „Rückkehr des Königs“ bezeichnete „L’Equipe“ die ersten Tage von Zidane im französischen Trainingszentrum von Clairefontaine. An seiner Seite ist unter anderen der langjährige Teamkollege Fabien Barthez, der als Torhütertrainer neu zum Trainerstab gehört. Fünf Neulinge schafften es in das erste, 23 Spieler umfassende Aufgebot von Zidane. Das Potenzial, Frankreich brillieren zu lassen, hat Zidane auch ohne Debütanten zur Hand. Der Erwartungsdruck ist aber riesig.

Ein Niederländer in Belgien

Belgien startet am Freitag in Italien mit einem Niederländer in den neuen WM-Zyklus. Mark van Bommel, dessen Sohn Ruben erstmals im Niederlande-Aufgebot von Xavi steht, ist nahe der belgischen Grenze aufgewachsen und trainierte zwischen 2022 und 2024 Royal Antwerpen. Seither schlug der frühere Kapitän von Bayern München diverse Jobangebote aus. „Es war nie das Richtige“, erklärte Van Bommel, der die Nachfolge von Rudi Garcia antritt.

Trainer Mark van Bommel (Belgien)
Van Bommel dirigiert nun das Nationalteam von Belgien

In Belgien kann der frühere defensive Mittelfeldspieler auf ein großes Reservoir zurückgreifen. Der Generationenwechsel kündigt sich aber nicht einfach an. Im erweiterten 26-Mann-Aufgebot für die ersten vier Länderspiele stehen weiterhin die Routiniers Kevin De Bruyne (35 Jahre) und Romelu Lukaku (33). Van Bommel wird rasch sehen, wo sein Team steht: Auf das Gastspiel in Rom folgen Partien gegen die Türkei und zweimal gegen Frankreich.

Italienische Notlösung

Der vierfache Weltmeister Italien griff nach der erneut verpassten WM-Teilnahme auf Roberto Mancini zurück, der mit dem EM-Titel 2021 für den großen Lichtblick in den vergangenen zwölf Jahren ohne WM-Start gesorgt hatte. Seine zweite Amtszeit begann mit einer öffentlichen Entschuldigung. Schließlich hat der 61-Jährige im eigenen Land einiges gutzumachen, nachdem er 2023 den Posten des Commissario Tecnico für eine lukrative Anstellung in Saudi-Arabien aufgegeben hatte.

Trainer Roberto Mancini (Italien)
Die kriselnden Italiener setzen mit Mancini auf einen alten Bekannten

Der überstürzte Abgang von Mancini war nur eine von diversen seltsamen Episoden in der jüngsten Geschichte des italienischen Verbandes. Bevor Mancini seinen Posten Ende Juli zurückerhielt, hatte Verteidigerikone Paolo Maldini während seiner 16 Tage als Technischer Direktor vergeblich versucht, Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti als Nationalcoach an Bord zu holen. Die dritte Wahl, Andrea Pirlo, sagte dann zu, stolperte aber über seine geschäftlichen Verbindungen nach Russland. Pirlo fiel politisch durch, Maldini warf das Handtuch – und Mancini erhielt den Job.

Jesus, Bilic und Denia

Portugal wiederum hat nach der enttäuschenden WM den weit gereisten Jorge Jesus als Nachfolger von Roberto Martinez eingestellt. Der 72-Jährige führte al-Nassr mit Cristiano Ronaldo vergangene Saison zum Meistertitel in Saudi-Arabien und steht am Donnerstag gegen Wales erstmals für Portugal an der Seitenlinie.

Trainer Jorge Jesus (Portugal)
Portugal baut auf Jorge Jesus

Kroatien berief Slaven Bilic zurück in das Amt des Nationalcoachs. Der ehemalige Verteidiger hatte bereits von 2006 bis 2012 den zweimaligen WM-Finalisten trainiert. Auch der Gegner Kroatiens hat einen neuen Coach. Mit dem Spanier Santi Denia werden die Tschechen erstmals von einem Ausländer betreut.