Abkommen oder völlige Vernichtung: In seiner Rede vor der Uno droht der amerikanische Präsident dem Iran

«Treibe ich sie in die Hölle?» Vor der Uno droht Trump, Iran zu vernichten

In seiner Rede vor den Vereinten Nationen zeigt sich der amerikanische Präsident unnachgiebig. Iran müsse zum Einlenken gebracht werden, sagt er. Innenpolitischer Druck vor den Zwischenwahlen kümmere ihn nicht.

22.09.2026, 19.54 Uhr

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«Ich werde Iran niemals erlauben, eine Nuklearwaffe zu besitzen»: Donald Trump bei der 81. Generalversammlung der Uno.

«Ich werde Iran niemals erlauben, eine Nuklearwaffe zu besitzen»: Donald Trump bei der 81. Generalversammlung der Uno.

Mike Segar / Reuters

Die Rolltreppe hat offensichtlich funktioniert, Probleme mit dem Teleprompter blieben aus. Anders als im vergangenen Jahr, als Donald Trump kleinere technische Pannen bei der Uno persönlich nahm und eine Wutrede gegen die Vereinten Nationen vom Stapel liess, zeigte sich der amerikanische Präsident bei der 81. Generalversammlung für seine Verhältnisse versöhnlich.

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In einer nicht allzu ausufernden, weniger als 40-minütigen Rede am Dienstagmorgen hielt er sich weitgehend an sein Manuskript, dessen Fokus auf dem Krieg gegen Iran lag. Er verlor sich nicht in Assoziationsketten oder obszönen Beschimpfungen von politischen Gegnern. Allerdings stieg er mit viel Selbstlob ein. Es sei ihm, so sagte er einleitend, eine grosse Ehre, die Welt in Amerika willkommen zu heissen, «während wir 250 Jahre glorreiche Freiheit und Unabhängigkeit feiern».

In der Wortwahl, wie man sie von ihm kennt, nannte Trump die USA «the hottest country», das angesagteste Land in der Geschichte der Menschheit. Die amerikanische Wirtschaft würde von der ganzen Welt beneidet, fügte er hinzu. «Unser Militär ist das mächtigste der Erde. Unsere Technologie ist unerreicht, und wir sind in praktisch allem führend.» Die Armutsquote sei historisch niedrig, Aktienkurse gingen durch die Decke, die amerikanische Nation wachse, ihre Macht dehne sich aus. So, kurzum, die Wasserstandsmeldung, wenn es nach Donald Trump geht.

Vor der Uno gab sich der amerikanische Präsident unbekümmert, was die Zwischenwahlen angeht.

Vor der Uno gab sich der amerikanische Präsident unbekümmert, was die Zwischenwahlen angeht.

John Angelillo / Imago

Gegen den führenden Sponsor des Terrorismus

Dann holte er ein wenig aus. Er erwähnte den 25. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001. Er erinnerte auch daran, dass sich in zwei Wochen der 7. Oktober in Israel zum dritten Mal jähren werde, «bei dem von Iran finanzierte Terroristen 1200 unschuldige Zivilisten folterten, verstümmelten und töteten, unter ihnen Dutzende Amerikaner und viele Babys».

Damit schlug er den Bogen zum gegenwärtigen Konflikt. Seit 51 Jahren, so sagte er, sei der führende Sponsor des Terrorismus, die Islamische Republik Iran, für Gemetzel und Chaos im Nahen Osten verantwortlich. Diesem Schrecken wolle er ein Ende bereiten. «Vom ersten Tag an, als ich die politische Bühne betrat, war ich unerschütterlich: Ich werde Iran niemals erlauben, eine Nuklearwaffe zu besitzen.»

"Just imagine such a vile regime were ever empowered to carry out large scale terror attacks from behind a nuclear shield"

President Trump speaks on America's efforts to ensure the Islamic Republic of Iran is NEVER allowed to obtain a nuclear weapon. pic.twitter.com/9y4LuOOLgw

— The White House (@WhiteHouse) September 22, 2026

Doch wie – das bleibt die Frage. Er habe es mit Diplomatie versucht, sagte Trump. Gleich nach seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr habe er Iran wirtschaftliche Zusammenarbeit im Gegenzug für das Ende seines Nuklearprogramms und der Unterstützung des Terrors angeboten. «Aber sie haben abgelehnt. Sie haben es rundweg abgelehnt.» Daraufhin habe das US-Militär in der «Operation Midnight Hammer» das iranische Nuklearprogramm unter Trümmerbergen begraben. Und wieder habe er Iran gedrängt, ein Abkommen zu unterzeichnen. Wieder erfolglos. Jetzt, so sagte Trump, stehe er vor einer grossen Entscheidung.

Entweder werde ein Abkommen mit Iran zustande kommen, das es dem Land ermögliche, «weit grossartiger zu werden als je zuvor». Oder sonst vernichte er die Islamische Republik, so drohte Trump. «Treibe ich sie in die Hölle», fragte er, «ohne Chance auf Überleben und ohne Hoffnung auf künftige Grösse oder künftige Generationen?»

Eher nicht, gab er im gleichen Atemzug Entwarnung. Er gehe davon aus, dass es nach den Zwischenwahlen im amerikanischen Kongress, Anfang November, zu einem Friedensschluss kommen werde. Denn die Iraner würden alles bis zu den «Midterms» hinziehen, da sie glaubten, dass er ihnen wegen zunehmenden innenpolitischen Drucks Zugeständnisse machen würde. Aber da hätten sie sich getäuscht.

Vor der Uno gab sich der amerikanische Präsident unbekümmert, was die Zwischenwahlen angeht. Schliesslich stehe er nicht zur Wahl, sagte er. Was Iran betrifft, käme ihm die Innenpolitik nicht einmal in den Sinn. «Das Einzige, was mir in den Sinn kommt, ist, dass Iran niemals eine Nuklearwaffe besitzen wird.»

Das zahme Grönland-Abkommen

Während Trump in den vergangenen Tagen und Wochen zunehmend dünnhäutig gewirkt hatte angesichts von schlechten Umfragewerten und politischen Rückschlägen – das Oberste Gericht hatte sich in der Briefwahlfrage gegen ihn gestellt, und in einer Affekthandlung verbot der Präsident unliebsamen Medien den Zugang zum Weissen Haus –, nahm sich sein Auftritt in New York nun eher gemässigter aus. So dankte er explizit dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, der die Attacken Irans auf den Schiffsverkehr in der Strasse von Hormuz verurteilt hatte. Er lobte auch die Nato, die stärker sei als je zuvor, und insbesondere ihren «grossartigen» Generalsekretär Mark Rutte.

Schon am Vortag war er bei einem Treffen mit dem weit links politisierenden New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani um Ausgleich bemüht gewesen. Er wolle, dass «Mamdani ein grossartiger Bürgermeister sei», sagte Trump. Er habe «viel Potenzial». Und auch in der Grönland-Frage ist Trump von jeder martialischen Rhetorik abgerückt. Nachdem er die längste Zeit gedroht hatte, Grönland mehr oder weniger gewaltsam an sich zu reissen, gibt er sich nun mit deutlich weniger zufrieden: Nach seiner Rede unterzeichnete er ein Abkommen, das im Wesentlichen einen Vertrag aus dem Jahr 1951 verlängert, der die Souveränität über die Insel in den Händen Dänemarks belässt.

Ungewohnt nahm sich sein abschliessendes Plädoyer vor der Vollversammlung der Uno aus, «vereint gegen die Feinde der gesamten Menschheit voranzuschreiten». Statt seiner Abneigung gegen jede Form von Multilateralismus machte er sich für ein Miteinander stark. «Gemeinsam», so sagte Trump, «werden wir für unsere Völker eine Zukunft bauen, die strahlender, hoffnungsvoller und grossartiger ist als je zuvor.»

Mit dem neuen Grönland-Abkommen wähnt sich Donald Trump nun am Ziel: Er glaubt, die Kontrolle über die geopolitisch wichtige und mineralreiche Insel in der Arktis erlangt zu haben.

Mit dem neuen Grönland-Abkommen wähnt sich Donald Trump nun am Ziel: Er glaubt, die Kontrolle über die geopolitisch wichtige und mineralreiche Insel in der Arktis erlangt zu haben.

Seth Wenig / AP

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