Archäologie: Trotz 2500 Jahren in der Erde – Etrusker-Schatz glänzt noch immer

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Fast 2500 Jahre lang lag er verborgen: Ein antiker Brunnen in der etruskischen Stadt Kainua bei Marzabotto in Norditalien ermöglicht Archäologen einen außergewöhnlichen Blick in die religiöse Welt der Etrusker. Bei Ausgrabungen stießen Forscher auf eine Ritualanlage mit nahezu unversehrten Kultgegenständen, darunter seltene Bronzefiguren und eine kostbare Bronzeschale – sowie auf menschliche Überreste, die auf spätere Zeremonien hindeuten.

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Der Fund gelang während einer archäologischen Grabungskampagne der Universität Bologna im Archäologischen Park von Kainua. Gemeinsam mit der Archäologischen Gruppe Ravenna (GRA) untersuchten die Wissenschaftler einen Brunnenschacht, an dessen Boden zwei weibliche Bronzestatuetten und eine außergewöhnlich seltene Bronzeschale zum Vorschein kamen.

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Religiöse Bedeutung: Brunnen als Ort ritueller Handlungen genutzt

Nach Angaben der Forscher haben die Objekte ihren ursprünglichen metallischen Glanz über die Jahrtausende hinweg bewahrt. Die Archäologen gehen davon aus, dass es sich bei den Gegenständen um Votivgaben handelt – also um Weihegaben, die im Rahmen eines feierlichen Rituals niedergelegt wurden. Die Anlage wird in die Zeit zwischen dem Ende des 6. und den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts vor Christus datiert. Damit fällt sie in eine entscheidende Phase: die Gründung und Entwicklung der Stadt Kainua, einer der bedeutendsten etruskischen Siedlungen in der norditalienischen Ebene des Flusses Po.

Die Entdeckung zeigt nach Einschätzung der Experten, dass der Brunnen weit mehr war als eine reine Wasserversorgungsanlage. Die Funde weisen auf eine komplexe religiöse Bedeutung hin, die mit der Stadtgründung und dem Kult um das Wasser verbunden war. Neben den Bronzeobjekten wurden auch die Skelette zweier erwachsener Personen entdeckt. Diese Überreste stehen vermutlich nicht mit dem ursprünglichen Gründungsritual in Verbindung, sondern werden einem späteren religiösen Vorgang zugerechnet.

Bronzestücke, die im Brunnen von Kainua gefunden wurden.

In der antiken Brunnenanlage stießen Forscher auf Bronzestücke, die vermutlich im Rahmen einer religiösen Zeremonie niedergelegt wurden.© MneM | Museo nazionale etrusco Marzabotto

Der Brunnen blieb demnach über längere Zeit ein Ort ritueller Handlungen. Der Fundort befindet sich im Heiligtumsbereich der antiken Stadt. Dort wurden bereits zwei monumentale Tempel entdeckt, die nach etruskischen Inschriften dem höchsten Götterpaar der etruskischen Religion gewidmet waren: Tinia, dem Gegenstück zu Zeus beziehungsweise Jupiter, und seiner Gemahlin Uni, die mit Hera beziehungsweise Juno verglichen wird.

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Geschichte der Stadt: Kainua war wichtiges Handlungszentrum

Kainua entstand gegen Ende des 6. Jahrhunderts vor Christus in der fruchtbaren Landschaft des Reno-Tals bei Marzabotto. Die Stadt gilt als eines der eindrucksvollsten Beispiele für eine etruskische Siedlung mit regelmäßigem, an griechischen Vorbildern orientiertem Stadtplan. Straßen, Wohnviertel, Produktionsbereiche und Kultstätten folgten einer klaren Ordnung.

Durch ihre Lage am Fluss Reno entwickelte sich Kainua zu einem wichtigen Handelszentrum. Über die Verbindung zur tyrrhenischen Etrurienküste gelangten unter anderem Bronze und Eisen in die Stadt und förderten eine bedeutende Metallverarbeitung. Rund zwei Jahrhunderte lang blühte die Siedlung, bevor sie Mitte des 4. Jahrhunderts vor Christus infolge keltischer Invasionen aufgegeben wurde. Die Kelten nutzten die ehemalige Stadt anschließend als militärischen Stützpunkt zur Kontrolle des Tals.

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Nach der Eingliederung der etruskischen Po-Ebene in das Römische Reich entstand zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. auf dem inzwischen verfallenen Stadtgebiet ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb. Später geriet der Ort in Vergessenheit und wurde erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt.

Da das Gelände über Jahrhunderte kaum überbaut wurde, ist der ursprüngliche Stadtgrundriss von Kainua heute noch außergewöhnlich gut erhalten. Die Universität Bologna führt dort seit 1988 regelmäßig Ausgrabungen durch. Nach Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen sollen die neuen Funde in die Ausstellung des Nationalen Etruskermuseums in Marzabotto aufgenommen werden.