Trotz aller Warnungen: Erste Patienten nach Sonnenfinsternis mit bleibenden Sehschäden

Stand: 14.08.2026, 19:30 Uhr

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Dr. Frank Röschinger, Facharzt für Augenheilkunde und Sportmedizin im Augenärztlichen und Augenchirurgischen Zentrum Hamm.

Schaut genau hin: Dr. Frank Röschinger, Facharzt für Augenheilkunde und Sportmedizin im Augenärztlichen und Augenchirurgischen Zentrum Hamm, hatte einige Patienten mit körperlichen Beschwerden nach der Sonnenfinsternis. © Gülpenbe Schölpert

Trotz Warnungen haben Menschen in Hamm ohne Schutzbrille in die Sonnenfinsternis geschaut. Bei manchen sank die Sehkraft auf 40 Prozent – und die Schäden sind irreversibel.

Hamm – Sie haben es doch getan. Trotz eindringlicher Warnungen in allen Medien haben Menschen am Mittwochabend die 90-prozentige Sonnenfinsternis (Sofi) ohne Schutzbrille verfolgt. „Bei uns haben sich am Donnerstag und Freitag neun Patienten mit Beschwerden gemeldet“, berichtet Dr. Frank Röschinger, Facharzt für Augenheilkunde und Sportmedizin im Augenärztlichen und Augenchirurgischen Zentrum Hamm.

Die Beschwerden, so der Augenarzt, reichen von verzerrtem Sehen oder Farbsinnstörungen bis zu reduziertem Sehvermögen. „Bei einem Sehtest können die Patienten dann keine 100 Prozent mehr sehen, sondern manchmal nur noch 80 oder 40 Prozent“, macht Röschinger die Dramatik deutlich. „Die Sonne kann, auch wenn man nur ganz kurz hineinschaut, Teile der Netzhaut verbrennen.“ Die Folge sei oft ein sogenanntes Skotom, ein zentraler Gesichtsfeldausfall. Die Patienten können beispielsweise bei einer Telefonnummer zwei Ziffern nicht mehr erkennen, während rechts und links davon die Zahlen klar sind, verdeutlicht Röschinger. Fällt das Skotom größer aus, werden auch komplette Wörter in einem Text nicht mehr gesehen. Das Schlimme: „Die Schäden sind in vielen Fällen dauerhaft und irreversibel.“

Einige Patienten in Klinik überwiesen

Kann man gar nichts tun? Sehr viel nicht, räumt Röschinger ein. Wenn die Sonneneinstrahlung für Trockenheit im vorderen Bereich der Netzhaut sorgt, könnten benetzende Augentropfen für Linderung sorgen. In begründeten Fällen könnte auch eine Cortisontherapie über eine kurze Zeit helfen, so seine Erfahrung nach 40 Jahren im Beruf. Röschinger hat aber auch einige der Patienten mit schweren Schädigungen der Netzhaut in Kliniken nach Dortmund oder Münster überwiesen. Wichtig sei in jedem Fall, UV-Licht zu vermeiden und die Augen zu schonen – „mal nicht sechs Stunden aufs Handy schauen oder acht Stunden auf den Bildschirm“.

Die Schäden sind in vielen Fällen dauerhaft und irreversibel.

Das Besondere: Die Beschwerden seien nicht schmerzhaft und würden deshalb manchmal von den Betroffenen anfangs nicht so ernst genommen. „Anders als bei einem Schweißer, der sich die Augen verblitzt hat. Das schmerzt, als ob man eine Karre Sand im Auge hat“, findet der Augenarzt klare Worte.

Die sollten die Patienten auch finden und ehrlich sein, wenn sie ohne Schutzbrille in die Sonne geschaut haben. Denn eine Sonnenbrille reiche eben nicht aus für den Schutz. Aber haben nicht Radio, Fernsehen, Zeitungen und Internet eindringlich davor gewarnt, die Sofi ohne Schutz zu verfolgen? „Die Leute tun es trotzdem“, hält Röschinger das Fehlverhalten schon fast für typisch menschlich. „Sie wissen ja auch, ,du sollst nicht rauchen, sonst droht Lungenkrebs‘, und ,du sollst nicht trinken, sonst kann es zu Leberzirrhose kommen‘, und sie rauchen und trinken doch.“ Sein Rat: „Wer nach der Sonnenfinsternis das Gefühl hat, unklar zu sehen oder Sehstörungen zu haben, sollte dringend zum Augenarzt, je schneller, desto besser.“

Partielle Sonnenfinsternis: ebenso schön wie gefährlich.

Partielle Sonnenfinsternis: ebenso schön wie gefährlich. © Patrick Pleul

Auch in anderen Augenarztpraxen haben sich Patienten mit körperlichen Beschwerden nach der Sofi gemeldet, darunter eine Patientin in der Augenarztpraxis Dr. Dierse und Partner, hieß es auf WA-Anfrage. Röschinger selbst hat mit Kollegen in Hamm, Beckum, Ahlen und Werne telefoniert: „Die hatten alle Fälle.“ Und es werden weitere hinzukommen, ist er sich sicher – auch nach den Erfahrungen der letzten totalen Sonnenfinsternis in Deutschland am 12. August 1999.

Röschinger hat am Mittwochabend übrigens selbst fasziniert die Sonnenfinsternis verfolgt – natürlich mit Schutzbrille. „Das war sehr eindrucksvoll.“ Die nächste partielle Sonnenfinsternis in Deutschland findet am 2. August 2027 statt.

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