König Haralds letzter Weg – warum Marius Borg Høiby seinen Sarg tragen durfte
Trotz Haftstrafe: Marius Borg Høiby als Sargträger – Experten streiten über Haakons Entscheidung
Stand: 01.09.2026, 22:00 Uhr
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Ausgerechnet der Skandal-Sohn von Mette-Marit trägt den Sarg von König Harald V. Aber geht das norwegische Königshaus hier nicht etwas zu weit?
Oslo – Ein verurteilter Straftäter mit elektronischer Fußfessel, der den Sarg eines Königs durch einen Palast trägt – was nach einem skandinavischen Krimidrama klingt, spielte sich tatsächlich im Osloer Schloss ab.
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Marius Borg Høiby, Sohn von Königin Mette-Marit, half dabei, den Sarg von König Harald V. zu tragen. Obwohl er erst vor rund sechs Wochen zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde und sich derzeit in Untersuchungshaft mit Fußfesselüberwachung auf Gut Skaugum befindet.

Möglich wurde sein Erscheinen durch eine Sondergenehmigung der norwegischen Polizei. Was als familiäre Geste der Trauer gedacht war, entfacht unter Experten nun eine hitzige Debatte: Darf ein Königshaus einem verurteilten Familienmitglied eine derart prominente Rolle bei einem Staatsakt einräumen?
Letzte Ehre für König Harald V. zwischen Prunkräumen und Schlosskapelle
Am Montagnachmittag (31. August) geleitete die norwegische Königsfamilie den Sarg des verstorbenen Monarchen durch die repräsentativen Säle des Osloer Schlosses bis in die Schlosskapelle. An der Spitze des Trauerzugs trugen der frisch inthronisierte König Haakon und seine Tochter, Kronprinzessin Ingrid Alexandra, den Sarg ihres Vaters und Großvaters.

Hinter ihnen schloss sich Marius Borg Høiby mit weiteren Kindern und Enkeln des verstorbenen Königs an. Die 89-jährige Königinwitwe Sonja und Königin Mette-Marit gingen Seite an Seite hinter dem Sarg her – ein Bild, das die enge Verbundenheit der beiden Frauen in ihrer gemeinsamen Trauer unterstrich.
Für Marius war es bereits der zweite Abschied: Schon am 27. August hatte er den schwer erkrankten Harald im Rikshospitalet besuchen dürfen – einen Tag vor dessen Tod.
Sohn von Mette-Marit erhält grünes Licht von der Staatsanwaltschaft
Dass Høiby überhaupt an der Zeremonie teilnehmen konnte, verdankt er einer juristischen Ausnahmeregelung. Polizeianwältin Oda Karterud erklärte gegenüber TV 2, die Staatsanwaltschaft habe „Grund gesehen, Høibys Anträgen auf Ausgänge im Zusammenhang mit dem Todesfall stattzugeben“.
Die Genehmigung beschränkte sich dabei nicht auf die gestrige Sarg-Überführung – auch für die Beisetzung am 9. September erhielt der 29-Jährige eine entsprechende Freigabe.
Marius Borg Høiby befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft und wird auf dem königlichen Anwesen Skaugum elektronisch überwacht. Laut Medienberichten soll er dort ein eher lockeres, nahezu luxuriöses Haftleben führen. Seine Verurteilung zu vier Jahren Haft im Vergewaltigungsprozess liegt erst rund anderthalb Monate zurück.
Warum bekommt Sohn Marius trotz Verurteilung diverse Sonderprevilegien?
Auffällig ist jedoch: Marius Borg Høiby ist zwar verurteilt, aber nicht verstoßen. Haakon, Norwegens neuer Monarch, hat sich von Beginn an als Familienkönig inszeniert – und ein Teil davon ist eben auch Marius. In seiner ersten Ansprache nach der Thronbesteigung betonte Haakon wiederholt den Zusammenhalt seiner Familie als tragendes Fundament.

Genau diese Positionierung macht es ihm nun nahezu unmöglich, seinen Stiefsohn bei einem derart bedeutsamen Anlass auszuschließen, wie Bunte analysiert. Wer öffentlich den Familienmenschen gibt, kann hinter verschlossenen Palasttüren schlecht einzelne Mitglieder verstoßen – das wäre schlicht heuchlerisch gewesen.
Ein Königshaus-Experte von TV 2 untermauerte diese Sichtweise: Harald sei für Marius wie ein „Bonus-Opa“ gewesen, weshalb auch ihm ein gemeinsamer Abschied mit der Familie zustehe. Hätte man Høiby ferngehalten, wäre der Fokus womöglich von der Trauer um Harald auf eine innerfamiliäre Kontroverse abgedriftet.
Nächster Prüfstein: die Beerdigung am 9. September
Die Frage, wie viel Marius Borg Høiby sich das Königshaus künftig leisten kann, ist mit der gestrigen Zeremonie keineswegs beantwortet. Bereits in wenigen Tagen (9. September) steht mit der Beisetzung Haralds der nächste heikle Auftritt bevor – diesmal vor den Augen der Weltöffentlichkeit und zahlreicher internationaler Staatsgäste. Die polizeiliche Genehmigung dafür liegt bereits vor.
Doch was nach der Trauerphase kommt, bleibt offen. Haakon wird einen Weg finden müssen, seine Rolle als Familienkönig mit der Realität eines zu vier Jahren Haft verurteilten Stiefsohns in Einklang zu bringen. Die Grenze zwischen familiärer Loyalität und institutioneller Verantwortung dürfte das norwegische Königshaus noch lange beschäftigen.