«Trump versteht die USA-China-Beziehungen», sagt Singapurs Sonderbotschafterin
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«Trump ist der einzige Präsident, der versteht, worum es in den Beziehungen zwischen den USA und China eigentlich geht», sagt eine hochrangige Diplomatin
Chan Heng Chee war sechzehn Jahre lang Singapurs Botschafterin in den USA. Sie will, dass die USA in Asien präsent bleiben. Gleichzeitig sieht sie China weniger kritisch als die Amerikaner und Europäer.
13.10.2026, 14.08 Uhr
4 Leseminuten

Viel Pomp für die Beziehungspflege – das Verhältnis zwischen den USA und China hat globale Auswirkungen.
Chip Somodevilla / Getty
Die von den USA nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltete Ordnung hat in Ostasien während Jahrzehnten für Stabilität gesorgt. Grosse Kriege gab es nach Vietnam keine mehr – auch potenzielle Krisenherde wie Taiwan oder die koreanische Halbinsel eskalierten nicht. Das erlaubte vielen Ländern der Region, sich auf ihre wirtschaftliche Entwicklung zu konzentrieren.
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Auch China profitierte von der amerikanischen Weltordnung
«Es war eine gute Ordnung. Alle Länder haben davon profitiert, auch China», sagt die singapurische Botschafterin Chan Heng Chee. Dass die USA aber nicht mehr bereit seien, diese Ordnung allein zu tragen, habe sich schon lange abgezeichnet, sagt Chan, die von 1996 bis 2012 Botschafterin in den USA war. Ihre lange Amtszeit umfasste die Regierungen von Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama.
«Gerade George W. hatte eine sehr unilaterale Aussenpolitik», erinnert sie sich. Nun, unter der zweiten Trump-Regierung, sehe man aber die USA in der merkwürdigen Rolle, dass sie die von ihnen aufgebaute Ordnung abbrächen.
Zur Person

PD
Chan Heng Chee, Sonderbotschafterin
Die 84-jährige Chan Heng Chee ist Sonderbotschafterin Singapurs. Während sechzehn Jahren vertrat sie ihr Land in Washington. Davor war sie Botschafterin bei der Uno in New York.
Dass es Trump kaum interessiere, welche Versprechen die USA früher abgegeben hätten, könne man nur schwer nachvollziehen, sagt Chan. «Wir hatten nicht damit gerechnet, dass das, was man mit einem Präsidenten unterzeichnet hat, einfach beiseitegeschoben werden kann.»
Singapur balanciert zwischen den Grossmächten
Vielen Ländern der Region fällt es schwer, sich in diesem unberechenbaren Umfeld zu orientieren. Sicher durch die Rivalität zwischen den USA und China zu navigieren, erfordert viel Geschick. Viele versuchen, sich von keiner Grossmacht einnehmen zu lassen und sich mit beiden gut zu stellen. Das gilt besonders für Singapur, das wirtschaftlich eng mit China zusammenarbeitet, in der Sicherheit aber auf die USA setzt.
Singapur beherbergt im Gegensatz zu anderen Ländern in Asien wie Japan oder Südkorea zwar keine amerikanischen Stützpunkte, doch das amerikanische Militär übt regionale Kommandofunktionen für Südostasien von Singapur her aus, und der Stadtstaat ist ein zentraler Knotenpunkt für die amerikanische Militärlogistik im ganzen Indopazifik.
«Wir sind zwar kein Allianzpartner der USA, doch wir sind mehr als nur Freunde», so umschreibt Chan die bilateralen Beziehungen. Singapur habe sich auch immer deutlich für eine amerikanische Präsenz in der Region ausgesprochen. «Und wir tun das auch heute noch.»
Amerikas Alliierte hoffen auf Plan A – und arbeiten an Plan B
Wenn Südkorea, Japan und Australien in ihren bilateralen Allianzen mit den USA mehr Verantwortung übernähmen, sei das ihr Beitrag dazu, Washington davon zu überzeugen, in der Region engagiert zu bleiben. «Wir hoffen alle, dass Plan A – eine enge Zusammenarbeit mit den USA – auch künftig funktioniert.» Gleichzeitig stärkten als Plan B alle ihre eigene Verteidigung.
Als kleines Land mit einer offenen Wirtschaft, gelegen an der geostrategisch wichtigen Meerenge von Malakka, sieht sich Singapur als Bindeglied zwischen den Grossmächten. Das werde schwieriger, sagt die 84-jährige Chan. Sie ist heute als Sonderbotschafterin tätig.
Singapur arbeite aktiv daran mit, den Freihandel zu erhalten und weiterzuentwickeln. Chan erwähnt die Future of Investment and Trade Partnership – eine minilaterale Initiative, an der auch die Schweiz beteiligt ist. Dass die USA nach Trump wieder komplett auf Zölle verzichten würden, glaubt Chan nicht. Wenn diese berechenbar und auf einem vertretbaren Niveau seien, werde sich auch kaum jemand daran stören.
Welche Grossmacht will China sein?
Wenn es um die Rolle Chinas geht, distanziert sich Chan von der Wahrnehmung in den USA und Europa. Zwar betrachte man auch in Asien den Aufstieg Chinas genau, doch es gebe einen fundamentalen Unterschied: «Wir alle haben unsere Probleme mit China, aber wir betrachten China nicht als Feind oder Gegner.» Die Europäer und die Amerikaner machten einen Fehler, wenn sie die Beziehungen mit China auf Konflikte wie das Südchinesische Meer reduzierten.
China sei zweifellos eine Grossmacht. Die Frage sei, welche Art von Grossmacht China sein wolle. So genau wüssten das wohl die Chinesen noch selber nicht. «Ich habe an vielen Konferenzen in China teilgenommen. Chinesische Wissenschafter und ehemalige Beamte sagen immer wieder: ‹Wir wollen keine Hegemonialmacht wie die Vereinigten Staaten sein.› Ich glaube, sie meinen das auch so.» Für Chan zeigt sich das darin, dass China im Gegensatz zu den USA kein weltumspannendes Netz von Militärbasen hat.
China müsse aber aufpassen, dass es mit seiner Industriepolitik nicht die Volkswirtschaften südostasiatischer Länder abwürge. «Die Chinesen können nicht einfach produzieren und rücksichtslos im Ausland verkaufen.» Dadurch wird den ärmeren Ländern Asiens der exportorientierte Weg der Entwicklung verbaut, den Südkorea, Singapur, Taiwan und Hongkong so erfolgreich gegangen sind. Doch, so schränkt Chan ein, das liege nicht nur an China. Das liege auch an der generellen Deglobalisierung.
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Trump versteht, worum es in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen geht
Für europäische Klagen, dass China Russland in seinem Krieg gegen die Ukraine unterstütze, hat die Sonderbotschafterin nur ein Schulterzucken übrig. Russland und China seien nun einmal Alliierte. Man könne nicht erwarten, dass sich China in der Ukraine-Frage wie ein europäisches Land verhalte: «Die Ukraine hat ihre Alliierten, und Russland hat seine Alliierten.» Für europäische Ohren mag diese nüchtern realpolitische Ansicht brutal klingen. Doch damit steht Chan in Asien bei weitem nicht allein.
Die Sonderbotschafterin begrüsst ausdrücklich das Treffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten Trump und dem chinesischen Partei- und Staatschef Xi Jinping. Es gehe darum, zwischen den beiden eine gute Beziehung aufzubauen. Auf der Basis eines guten Verhältnisses könne man aufkommende Probleme immer lösen. «Trump ist der einzige Präsident, der versteht, worum es in den Beziehungen zwischen den USA und China eigentlich geht», sagt die langjährige Diplomatin.
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