Überraschender Deal zwischen Trump und Putin – um wichtige Wählergruppen zu besänftigen?

Trump schließt fragwürdigen Deal mit Putin – günstiger Sprit pünktlich zu den Midterms?

Stand: 09.10.2026, 23:14 Uhr

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Das Telefonat zwischen Trump und Putin sollte eigentlich einem ganz anderen Thema gelten – am Ende steht ein Diesel-Deal kurz vor den Midterms.

Washington/Moskau – Ein Anruf, der eigentlich einem Pestfall in Russland gelten sollte, endete mit einer der überraschenderen Wendungen der US-Außenpolitik der letzten Jahre. US-Präsident Donald Trump verkündete am Freitag, dem 9. Oktober 2026, auf Truth Social, er habe mit Kreml-Chef Wladimir Putin eine „höchst erfolgreiche Unterredung“ geführt – und einen Diesel-Deal ausgehandelt, der viele verblüffte.

Donald Trump und Wladimir Putin telefonieren.

Nach einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Putin stellt US-Präsident Trump russische Diesellieferungen in Aussicht. (Archivfoto) © Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Laut Trump fließen sofort mehr als 300.000 Tonnen Diesel in den amerikanischen und globalen Markt, im November weitere 500.000 Tonnen, danach eine Million Tonnen – und schließlich drei weitere Millionen Tonnen, abhängig vom Zustand russischer Raffinerien. Parallel dazu setzte das US-Finanzministerium die Russland-Sanktionen für Diesel bis April 2027 per Generallizenz außer Kraft, wie CNBC berichtet. Ob Putin dem Deal tatsächlich zugestimmt hat, war zunächst unklar, schreibt die New York Times – das US-Finanzministerium setzte die Russland-Sanktionen für Diesel jedenfalls innerhalb von Minuten nach Trumps Ankündigung per Generallizenz bis April 2027 außer Kraft.

Midterms: Diesel als politisches Druckmittel

Der Hintergrund ist kaum zu übersehen. Seit Monaten kämpft die Trump-Administration mit explodierenden Dieselpreisen – verursacht durch ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien und Attacken iranischer Verbündeter auf Ölanlagen im Nahen Osten. Laut Reuters sind die Dieselpreise in den USA seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran um 70 Prozent gestiegen und bewegen sich weiter auf Rekordniveau. In einer Reuters/Ipsos-Umfrage nennen Wähler die Lebenshaltungskosten als wichtigstes Thema – hohe Dieselpreise treffen dabei vor allem klassische Republikanische Wählergruppen: Farmer, Trucker und Landbevölkerung. Trumps Zustimmungswerte liegen laut derselben Umfrage auf einem Karrieretief von 32 Prozent. Trump versprach, die Preise würden nun „in Rekordtempo sinken“.

Frühere Versuche, den Preisdruck zu mindern, blieben halbgar. Ein geplantes Diesel-Exportverbot blies Trump nach Widerstand aus der Ölindustrie wieder ab. Ein Erlass Anfang der Woche, der Truckern die steuerfreie Nutzung von Offroad-Diesel erlaubt, schob die Steuerpflicht laut CNBC nur auf – ohne echte Entlastung.

Experte zweifelt: „Klassischer Putin“

Pikant ist nicht nur der politische Widerspruch – noch letzten Monat hatte Trump selbst ein weitreichendes Russland-Sanktionsgesetz unterzeichnet, das Moskaus Energiesektor unter Druck setzen sollte, mit Strafzöllen von bis zu 100 Prozent auf die größten Importeure russischen Öls, wie die Associated Press meldet. Ob diese Maßnahmen angesichts des neuen Deals noch kommen, ist laut AP fraglich.

Dazu kommt ein handfester Zweifel an der Substanz des Deals: Russland hatte erst letzte Woche sein Diesel-Exportverbot bis Ende Oktober verlängert – wegen der ukrainischen Angriffe auf Raffinerien, die die heimische Versorgung gefährden, berichtet die New York Times. Edward Fishman, Senior Fellow beim Council on Foreign Relations, hält Trumps Ankündigung deshalb für wenig glaubwürdig: „Das klingt nach klassischem Putin – leere Versprechen, die darauf abzielen, weitere Risse in das transatlantische Bündnis zu treiben“, sagte Fishman der New York Times.

Selenskyj: Trump hilft Putin mit „weiterem Terror“

Aus Kiew kam umgehend scharfe Kritik. Selenskyj bezeichnete die Sanktionslockerung als „Schwäche und ein Geschenk an Putin, das zur Fortsetzung des Krieges führen wird“. Gleichzeitig machte er ein Angebot: Die Ukraine werde aufhören, russische Raffinerien anzugreifen – wenn Russland im Gegenzug die Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur einstellt. Russland werde den Diesel aber mit „weiterem Terror“ zurückzahlen, warnte er laut BBC. (Quellen: CNBC, Associated Press via US News, New York Times, BBC, Reuters) (cgsc)