Trump trickste sich aus der Air Force One – Gefährdete er Dritte?
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Es dürfte eines der größten Täuschungsmanöver dieser zweiten Trump-Regierung gewesen sein – und es blieb wochenlang geheim. Erst jetzt ist durch eine spektakuläre Enthüllung in der „Washington Post” bekannt geworden, wie der US-Präsident Anfang Juli aus Angst vor einem iranischen Terror-Anschlag seine Rückreise vom Nato-Gipfel in der Türkei verschleiern ließ: mit drei Flugzeugen, falschen Fährten, einem Catering-Laster und einer Air Force One, die – besetzt mit Journalisten und Regierungspersonal – als fliegender Köder diente.
Das Weiße Haus bestreitet die Geschichte nicht. Trumps Kommunikationsdirektor Steven Cheung ließ die detaillierten Recherchen der Hauptstadtzeitung zu dem an einen Agenten-Film erinnernden Manöver unwidersprochen. Er erklärte lediglich, angesichts der Feinde Amerikas nutze man „jedes verfügbare Mittel“, um den Präsidenten zu schützen. Das macht die Enthüllung für Trump umso peinlicher. Eine der sensibelsten Sicherheitsoperationen seiner Präsidentschaft ist bis in erstaunliche Einzelheiten durchgesickert. Aber der Reihe nach:
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Trump köderte Iran mit Flugzeug voller Journalisten
Trump war Anfang Juli mit jener neuen Boeing 747-8 zum Nato-Gipfel nach Ankara geflogen, die Katar den Vereinigten Staaten geschenkt hatte und die für Hunderte Millionen Dollar zur neuen Präsidentenmaschine umgebaut worden war. Trump hatte das Flugzeug (das inzwischen mangels ausreichender Sicherheitspakete nachgerüstet wurde) zuvor demonstrativ als Prestigeobjekt präsentiert.

Die alte Air Force One am 8. Juli in Ankara, dem Tag, als Donald Trump ein Täuschungsmanöver der besonderen Art hinlegte.© Alex Brandon/AP/dpa | Alex Brandon
Dann änderte sich die Lage dramatisch. Amerikanische Sicherheitsbehörden registrierten eine glaubhafte iranische Terror- oder Morddrohung gegen Trump. Die Türkei grenzt an Iran, die Warnung wurde ernst genommen. Sicherheitsbeamte entwickelten deshalb einen Plan, der Trumps tatsächlichen Rückreiseweg möglichst vollständig verschleiern sollte. Ein Beteiligter bezeichnete die Aktion später ausdrücklich als „deception operation“ – als Täuschungsmanöver.
Der erste Schritt: Die neue Katar-Maschine verließ Ankara ohne Trump. Nach außen wurde dafür eine harmlose Erklärung geliefert. Trump kündigte an, er werde „der alten Zeiten wegen“ mit der alten, blau-weißen Air Force One nach Großbritannien fliegen. Der neue Katar-Jet könne derweil schon vorausfliegen und amerikanischen Soldaten auf dem Stützpunkt Mildenhall gezeigt werden.
News aus den USA
Catering-Laster holt Trump heimlich ab
Dann begann die Inszenierung. Trumps Wagenkolonne fuhr am 8. Juli auf dem Flughafen Ankara vor der alten Air Force One vor. Die Kameras liefen. Trump stieg die Gangway hinauf, drehte sich noch einmal um, winkte und verschwand im Flugzeug. Für jeden Beobachter war damit klar: Der Präsident fliegt in dieser Maschine zum Zwischenstopp nach England. Genau diesen Eindruck wollte sein Sicherheitsteam erzeugen.

Die aus Katar gesponserte neue Air Force One ist mit Trump wieder im Einsatz, hier vor wenigen Tagen in Las Vegas.© AFP | Chip Somodevilla
Aber Trump blieb nicht an Bord. Auf der anderen, den Kameras abgewandten Seite der Boeing wurde ein Catering-Laster, in dem sonst Essen für Passagiere transportiert wird, an eine Flugzeugtür gefahren. Seine Ladebox hob sich hydraulisch bis auf Höhe der Maschine. Trump stieg hinein, wurde wieder auf das Rollfeld hinabgefahren und anschließend zu einer in der Nähe abgestellten C-32A gebracht – einer militärischen Boeing 757, deutlich kleiner und unauffälliger als die beiden 747. Auch Verteidigungsminister Pete Hegseth gelangte separat zu dieser Maschine. Trump stieg heimlich ein.
Währenddessen lief an der alten Air Force One alles weiter, als säße der Präsident noch darin. Reporter und Mitarbeiter des Weißen Hauses gingen an Bord. Nach Darstellung der „Washington Post“ wussten Teile der Reisegruppe nicht, dass Trump längst verschwunden war. Die Journalisten wurden angewiesen, ihre Fenster-Rollos zu schließen – aus Sicherheitsgründen.
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Sicherheitsteam tauschte Rufzeichen aus
Dann hob die alte Air Force One ab. Sie war aber nur das Ablenkungsmanöver. Die Maschine benutzte sogar das Rufzeichen „AF1“ – obwohl der Präsident nicht an Bord war. „Air Force One“ ist streng genommen kein Flugzeugname, sondern das Rufzeichen eines Flugzeugs der US-Luftwaffe, sobald der Präsident darin sitzt.
Trumps wirkliche Maschine flog unterdessen fast unsichtbar nach Großbritannien. Die C-32A trug das unscheinbare Rufzeichen „Reach 18“, kurz „RCH18“. Öffentlich zugängliche Flugverfolgungssysteme waren abgeschaltet. Wer den Flugverkehr beobachtete, sollte weiter glauben, Trump befinde sich in der großen 747. Die Täuschung funktionierte bis nach England.
Trumps C-32A landete auf dem RAF-Stützpunkt Mildenhall wenige Minuten vor der alten Air Force One. Danach geschah etwas, das selbst die „Washington Post“ bislang nicht vollständig rekonstruieren konnte: Trump gelangte offenbar wieder in die große 747. Wie genau dieser Umstieg auf dem streng gesicherten Gelände organisiert wurde, ist unklar.
Den Medien blieb Trumps Täuschungsmanöver zunächst verborgen
Für die Kameras war das Ergebnis perfekt. Als die alte Air Force One in Mildenhall vorrollte, erschien Trump an ihrer Tür und stieg die Treppe hinunter – als wäre er gerade mit dieser Maschine aus der Türkei gekommen. Die Bilder bestätigten exakt jene Geschichte, die das Weiße Haus zuvor verbreitet hatte.
Danach wechselte Trump (man war offenbar der Ansicht, der lange Arm des Iran reiche nicht bis auf die grüne Insel) in die bereits vorausgeflogene Katar-747, präsentierte sie amerikanischen Soldaten und flog schließlich gemeinsam mit Presse und Mitarbeitern zurück nach Washington. Wochenlang blieb diese Version unwidersprochen stehen.

Besonders makaber wirkt rückblickend eine Bemerkung Trumps gegenüber den mitreisenden Journalisten. Wegen der iranischen Bedrohung sagte er sinngemäß, er stehe ganz oben auf Teherans Abschussliste, und scherzte dann: „Wenn ich gehe, geht ihr auch.“ Heute weiß man: Auf dem entscheidenden Flugabschnitt war Trump gerade nicht mit ihnen gegangen. Die Reporter saßen vielmehr in jener auffälligen 747, die nach der neuen Recherche ausdrücklich als Köder eingesetzt wurde, während Trump in einer kleineren Maschine davonflog.
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Ob die Medienvertreter dadurch tatsächlich einem größeren konkreten Anschlagsrisiko ausgesetzt waren, lässt sich nicht belegen. Einen unmittelbar bevorstehenden iranischen Angriff auf die alte Air Force One dokumentiert die Recherche nicht. Aber fest steht: Die Menschen an Bord wussten nicht, dass sie Teil eines Täuschungsmanövers waren.

Bei seinem jüngsten China-Besuch benutzte Trump noch die alte Air Force One. Die Farben des Flugzeuges haben ihm längst nicht mehr gefallen.© Mark Schiefelbein/AP/dpa | Mark Schiefelbein
Sicherheitsdienste dürfen und müssen einen Präsidenten schützen. Niemand erwartet vom Secret Service, einem möglichen Attentäter die tatsächliche Flugroute mitzuteilen. Das Verstörende an dieser Geschichte ist etwas anderes. Die Tarnung endete nicht mit der gelungenen Sicherheitsoperation. Sie wurde anschließend zur offiziellen Wirklichkeit. Trump stieg vor Kameras in ein Flugzeug, verließ es heimlich wieder, ließ eine zweite Maschine als Köder vorausfliegen, reiste in einer dritten unerkannt nach England, stieg dort offenbar zurück in den Köder – und präsentierte sich anschließend der Öffentlichkeit, als sei nichts davon geschehen. Und erst Wochen später erfährt Amerika davon.
Was eigentlich soll man diesem Präsidenten noch glauben?