Trump verkündet Deal: Ist die Causa Grönland jetzt erledigt?

Trump verkündet DealIst die Causa Grönland jetzt erledigt?

19.09.2026, 07:11 Uhr

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Rund 60.000 Menschen leben auf Grönland. (Foto: picture alliance / dts-Agentur)

Aus lauter "Freundlichkeit" hatte US-Präsident Donald Trump sein Werben um die Arktisinsel Grönland mit dem Beginn seiner zweiten Amtszeit intensiviert. "Wir brauchen die Insel für unsere internationale Sicherheit", erklärte Trump und fügte hinzu: "Und ich denke, wir werden sie bekommen - so oder so". Zwischenzeitlich droht das Thema die Beziehungen zwischen Europa und den USA zu sprengen. Europa hält dagegen, dann herrscht lange Stille. Nun sprechen beide Seiten von einer Einigung. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Warum will Trump Grönland?

Schon während seiner ersten Amtszeit hatte Trump die Idee, das zum dänischen Hoheitsgebiet gehörende Territorium zu kaufen. Damals hielt man das auf Grönland und in Dänemark zunächst für einen Scherz. Doch spätestens im Januar dieses Jahres wurde klar: Trump erhebt ernsthaft Ansprüche auf die Kontrolle der Insel. Sie ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und hat knapp 60.000 Einwohner.

Die offizielle Begründung des US-Präsidenten: Da mächtige Staaten wie China und Russland in der Arktis immer stärker präsent sind, könne Dänemark die Sicherheit und Verteidigung der auch für die USA strategisch bedeutsamen Insel nicht ausreichend gewährleisten. Die USA müssten deshalb für militärische Sicherheit in der Region sorgen, um nicht selbst in Gefahr zu geraten. Jüngst provozierte Trump noch einmal: Er postete auf Truth Social eine Landkarte, die Grönland in den Farben der US-Flagge zeigt. 

Auf der Insel und anderswo vermutet man, dass es Trump neben militärischer Kontrolle der Arktis auch um wertvolle Rohstoffe wie seltene Erden geht, die in Grönland unter dem Eis schlummern könnten.

Wie reagierten die Bewohner?

Trumps wiederholte Drohungen lösten auf der Insel einen Sturm der Entrüstung aus. Grönland und Dänemark stellten immer wieder klar: Das Territorium steht nicht zum Verkauf. Die Grönländer sollten selbst bestimmen, was mit der Insel passiert. Die frühere dänische Kolonie ist inzwischen weitgehend autonom, gehört aber weiterhin zum Königreich Dänemark. Schließlich gründete sich eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller drei Länder. Sie traf sich zu Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit.

Was ist bislang über das angestrebte Abkommen bekannt?

Wenig. Vonseiten des US-Präsidenten klingt es, als sei der Deal schon in trockenen Tüchern. Doch die Dänen und Grönländer ließen in einer gemeinsamen Mitteilung wissen: Das Abkommen sei noch gar nicht unterzeichnet. Die Vereinbarung solle erst in der kommenden Woche besiegelt werden. Dann findet in New York die UN-Generalversammlung statt. Danach müsse sie noch durchs Parlament, um in Kraft treten zu können.

Was sagt Trump zum Deal?

Ihm zufolge kontrollieren die USA dauerhaft alle Fragen zur Verteidigung der Insel und zu sonstigen Sicherheitsbelangen. Gegner der USA dürften keine Basis in Grönland errichten, keine militärische Präsenz dort haben und keine "sensiblen Investitionen" tätigen - es sei denn, die USA genehmigen es. Außerdem würden sofort Vorbereitungen für den Aufbau einer großen Militärpräsenz auf der Insel aufgenommen. Ob diese ausschließlich von den USA gestellt wird, ging aus seinem Post nicht klar hervor.

Den USA entstünden durch die Vereinbarung keine Kosten, betonte Trump. Was genau das heißt - welche Kosten die Abmachungen verursachen und wer dafür aufkommt - blieb unklar. Die Vereinbarung gelte für "immer", schrieb Trump.

Und die andere Seite?

Von dort gibt es noch keine konkreten Details zum Inhalt. In der gemeinsamen Mitteilung der dänischen und grönländischen Regierung hieß es, der Deal erkenne die Souveränität und die territoriale Integrität des dänischen Königreichs sowie das Recht des grönländischen Volks auf Selbstbestimmung an.

"Ein Abkommen, das unsere gemeinsame Sicherheit in der Arktis und im nordatlantischen Raum stärkt und damit auch gut für die Nato und Europa ist", erklärte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen erklärte, der Deal wahre die Interessen Grönlands. 

Was würde ein Abkommen für Deutschland bedeuten?

Das ist unklar. Auch weil zunächst offen blieb, inwieweit andere Nato-Länder und die EU in den Deal eingebunden sein könnten. Als Reaktion auf Trumps polternden Alleingang vor einigen Monaten hatten sich europäische Nato-Länder entschlossen gezeigt, Grönlands Souveränität zu unterstützen. Danach gab es wieder diplomatische Annäherungsversuche.

Auch die Europäische Union zeigte demonstrativ Stärke. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte die Arktisinsel und gab einen Ausbau der Zusammenarbeit bekannt. Dabei geht es um die Vertiefung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen der EU und Grönland. Ein millionenschweres Investitionspaket kam hinzu. Deutschland ist als wirtschaftsstärkste Volkswirtschaft der EU und wichtiger Nato-Staat unmittelbar von den Abmachungen beider Bündnisse mit den USA betroffen.

Quelle: ntv.de, Von Julia Wäschenbach, Anna Ringle und Jan Christoph Freybott, dpa