Trump will niedrigere Zinsen – doch in der Fed wächst der Druck für das Gegenteil
Stand: 20.08.2026, 07:47 Uhr
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Die US-Notenbank steht vor einer heiklen Entscheidung. Im Weißen Haus werden niedrigere Zinsen gefordert, doch intern wächst der Druck für das Gegenteil.
Frankkfurt – Drei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der US-Notenbank Fed haben auf der Sitzung Ende Juli für eine sofortige Zinserhöhung gestimmt. Das Protokoll des Treffens, das am Mittwoch veröffentlicht wurde, macht deutlich: Die Bereitschaft zu weiteren Schritten in diese Richtung wächst.
Viele Notenbanker sehen eine Anhebung der Kreditkosten als unausweichlich an, falls die Inflation nicht auf das Fed-Ziel von zwei Prozent zurückfällt.

Fed-Protokoll zeigt wachsende Zinssorgen
Die Befürworter einer Erhöhung warnten ausdrücklich vor der Gefahr „einer steileren und potenziell kostspieligeren Abfolge von Straffungsmaßnahmen zu einem späteren Zeitpunkt“.
Dennoch beließ die Fed den Leitzins auf ihrer Sitzung vom 28. und 29. Juli in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent.
Drei Fed-Mitglieder wollten sofort höhere Zinsen
Das Votum zeigt, wie ungewöhnlich gespalten die US-Notenbank inzwischen ist. Eine Mehrheit hielt zwar an der Zinspause fest. Doch drei Gegenstimmen in Richtung einer Erhöhung sind ein klares Signal, dass der Kampf gegen die Inflation für die Fed noch nicht gewonnen ist.
Nach dem Protokoll waren zudem mehr Währungshüter für höhere Zinsen offen, als die formalen Gegenstimmen erkennen lassen.
Die Fed strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an. Doch die Preisentwicklung bleibt hartnäckig. Neben Energiepreisen belasten auch Zölle, geopolitische Risiken und höhere Kosten in Teilen der Wirtschaft den Ausblick.
Für die Notenbank entsteht dadurch ein klassisches Dilemma: Hebt sie die Zinsen zu stark an, droht sie die Konjunktur abzuwürgen. Reagiert sie zu spät, könnte sich die Inflation weiter verfestigen.
Trump fordert niedrigere Zinsen
Noch am selben Tag meldete sich US-Präsident Donald Trump vor Reportern im Weißen Haus zu Wort. Die Zinsen „sollten angesichts des Erfolgs unseres Landes sinken dürfen und nicht wegen dieses Erfolgs steigen“, sagte er.
Auf welche Erfolge er sich dabei bezog, ließ Trump offen. Seit Monaten drängt er auf niedrigere Zinsen – ein Kurs, mit dem er bereits seinen Vorgänger an der Fed-Spitze, Jerome Powell, unter Druck gesetzt hatte.
Niedrigere Zinsen würden die Kreditkosten für die sehr hohe US-Staatsverschuldung verringern. Genau deshalb ist die Zinspolitik der Fed für das Weiße Haus so sensibel.
Die Fed wird inzwischen von Kevin Warsh geleitet, den Trump selbst nominiert hatte. Doch auch unter Warsh folgt die Notenbank nicht einfach den politischen Wünschen des Präsidenten.
Warsh gerät zwischen Trump und Inflationsfalken
Für Warsh wird die Lage damit schwieriger. Einerseits erwartet Trump niedrigere Zinsen. Andererseits wächst im geldpolitischen Ausschuss der Druck von Mitgliedern, die eine härtere Linie gegen die Inflation fordern.
Die drei Gegenstimmen für eine sofortige Zinserhöhung machen deutlich: Warsh muss nicht nur die Märkte beruhigen, sondern auch einen zunehmend gespaltenen Ausschuss zusammenhalten.
Iran-Krieg treibt Energiepreise
Der Konflikt zwischen Trumps Forderungen und der Haltung der Notenbank spiegelt eine tiefere wirtschaftliche Spannung wider. Laut Experten ist die anhaltend hohe Inflation unter anderem auf den von Trump und Israel begonnenen Krieg gegen den Iran zurückzuführen.
Fast sechs Monate nach Beginn des Konflikts sind die Öl- und Gaslieferungen durch die strategisch wichtige Straße von Hormus weiter eingeschränkt. Das hält die Weltmarktpreise hoch.
Zu Jahresbeginn hatten Anleger noch auf sinkende Zinsen bei nachlassender Inflation gesetzt. Nun haben sich die Erwartungen gedreht.
Für die Sitzung im September rechnen viele Marktteilnehmer zwar noch mit einer erneuten Zinspause. Für die Sitzung Ende Oktober preisen die Terminmärkte inzwischen aber eine Zinserhöhung ein.
Fed-Protokoll setzt Trump unter Druck
Damit verschärft sich der Konflikt zwischen Weißem Haus und Notenbank. Trump will niedrigere Zinsen, um Wirtschaft und Staatshaushalt zu entlasten. Die Fed sieht dagegen das Risiko, dass eine zu lockere Geldpolitik die Inflation erneut antreibt.
Für Anleger, Unternehmen und Verbraucher ist diese Auseinandersetzung entscheidend. Höhere Zinsen verteuern Kredite, bremsen Investitionen und können Aktienmärkte belasten. Bleibt die Inflation hoch, verlieren Haushalte jedoch weiter Kaufkraft. Die Fed steht damit vor einer heiklen Entscheidung. Sie muss zeigen, dass sie unabhängig bleibt und ihr Inflationsziel ernst nimmt. Gleichzeitig wächst der politische Druck aus dem Weißen Haus.
Das Protokoll der Juli-Sitzung macht klar: Der nächste Zinsschritt könnte nach oben gehen – auch wenn der Präsident das Gegenteil fordert. (Quellen: Federal Reserve, Reuters, Wall Street Journal, AP, Financial Times, MarketWatch) (mare)